Schnee-Chaos: Bergretter fordern Strafen für leichtsinnige Skifahrer

Bergretter fordern Strafen für leichtsinnige Skifahrer

Sie sind auf der Suche nach dem Kick – und riskieren damit nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das der Bergretter. Die fordern deshalb Strafen für Skifahrer, die abseits der Pisten unterwegs sind.

Das Schild verbietet es ganz klar, doch leichtsinnige Skifahrer sind trotzdem abseits der gesicherten Pisten unterwegs.
Das Schild verbietet es ganz klar, doch leichtsinnige Skifahrer sind trotzdem abseits der gesicherten Pisten unterwegs.

Foto: imago/Action Pictures

Österreichs Bergretter sind seit Tagen im Dauereinsatz – immer wieder müssen sie Skifahrer oder Snowboarder suchen, die von Lawinen verschüttet wurden oder den Weg nicht zurückfinden. Das Schneechaos in Österreich bringt die Helfer nicht nur körperlich, sondern auch nervlich an den Rand ihrer Kräfte.

In Österreich sind rund 12.600 Bergretter im Einsatz – alle ehrenamtlich. Und sie alle begeben sich bei jeder Rettung selbst in Lebensgefahr – für Menschen, die ein Abenteuer wollen und aus Leichtsinn Absperrungen überwinden und abseits der Pisten unterwegs sind.

Leichtsinnige Skifahrer sollen Strafe zahlen

Das macht die Bergretter wütend: „Niemand kann derzeit sagen, er wisse nicht von der Lawinengefahr. So blind kann man nicht durch die Welt gehen“, sagte Stefan Hochstaffl, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdiensts, der Zeitung „Krone“.

Denn dass die Suche nach dem Kick extrem gefährlich ist, zeigt die Zahl der Todesfälle: In den vergangenen Tagen starben mindestens sieben Menschen abseits der Pisten – darunter drei Dreutsche, die in Lech auf einer gesperrten Skiroute unterwegs waren.

Gefahr und hohe Rechnungen schrecken Skifahrer nicht ab

Wer rechtzeitig gerettet wird, erhält eine Rechnung für den Einsatz: „Das geht bei einem Stundensatz von 38 Euro pro Bergretter und 80 bis 100 Euro pro Minute für den Notarzthubschrauber auch schnell in den Tausenderbereich“, sagt Hochstaffl.

Die Bergwacht Bayern stellt bis zu 2.500 Euro in Rechnung – die Krankenkasse zahlt nur bei einem Unfall oder einem medizinischen Notfall, nicht aber bei fahrlässigem Handeln.

Doch Gefahr und Rechnung sind offenbar nicht abschreckend genug. Daher fordern die Bergretter nun Sanktionen. „Es muss erlaubt sein, bei grob fahrlässigem Verhalten über Strafen zu diskutieren“, so Anton Mattle, Tiroler Landtagsvizepräsident und Bürgermeister von Galtür. Der Ort wurde im Winter 1999 von einer Lawine überrollt, 31 Menschen starben.

Mattle will das Thema in den Tiroler Landtag bringen: „Ob etwaige Konsequenzen dann landesgesetzlich oder bundesgesetzlich verankert werden können, wird sich zeigen“, so Mattle.

Strafen für leichtsinnige Skifahrer in Deutschland?

Wären solche Strafen auch in Deutschland denkbar? Der Deutsche Alpenverein findet das nicht – so mache auch ein generelles Fahrverbot bei Lawinengefahr keinen Sinn. Sprecherin Andrea Händel sagte dem „Bayerischen Rundfunk“: „Man muss das differenzierter sehen. Hier kommen sehr viele Faktoren ins Spiel und nicht nur die Lawinenwarnstufe: Je nach regionaler Lage, je nach Erfahrung des Skifahrers kann sich die Situation anders darstellen.“ 

Wann hört ihr endlich auf? Was kann euch zur Vernunft bringen?

Radiomoderatorin Indra Gerdes

Bei hoher Lawinenwarnstufe sei nicht automatisch jeder Hang gefährlich – und im Umkehrschluss könnten auch Hänge bei niedriger Warnstufe gefährlich sein. 

Trotzdem gibt es auch in Bayern viel Unverständnis für leichtsinnige Skifahrer. So postete etwa „Antenne Bayern“-Moderatorin Indra Gerdes auf Facebook einen eindringlichen Appell: „Wann hört ihr endlich auf? Was kann euch zur Vernunft bringen? (…) Für euren kurzen Nervenkitzel spielt ihr mit dem Leben anderer.“ Der Post wurde bereits mehr als 2.400-mal geteilt.

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