Großer Kreuzfahrt-Test: Paradies für Urlauber, Hölle für Arbeiter?

Kreuzfahrt: Paradies für Urlauber, Hölle für Arbeiter?

In Sachen Sicherheit können Kreuzfahrtschiffe überzeugen, beim Umweltschutz und bei den Arbeitsbedingungen dagegen nicht: Das ist das Ergebnis des Kreuzfahrttests der Stiftung Warentest.

Das Kreuzfahrtschiff „Aida Blu“ liegt bei Nacht am Hafen von Venedig vor Anker.
Für den Kreuzfahrttest wurden die Reedereien Aida, Tui Cruises, MSC und Costa geprüft.

Foto: imago/Oliver Willikonsky

Wenn es um den nächsten Urlaub geht, entscheiden sich immer mehr Menschen für eine Kreuzfahrt. Die Stiftung Warentest hat je drei Schiffe der vier beliebten Reedereien Aida, Tui Cruises, MSC und Costa genauer unter die Lupe genommen – und einige Mängel festgestellt.

Getestet wurden unter anderem „Aida Aura“, „Aida Bella“ und „Aida Prima“ sowie „Mein Schiff 1“, „Mein Schiff 2“ und „Mein Schiff 5“.

Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff? Nicht so traumhaft, wie es klingt

Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff scheint mehr Spaß zu machen als darauf zu arbeiten: Bei allen vier untersuchten Reedereien wurden die Arbeitsbedingungen auf den Schiffen nur als „ausreichend“ bewertet.

Ausschlaggebend waren unter anderem der Lohn, die Urlaubs- und Arbeitszeiten, die Art der Unterbringung und wie gewissenhaft die Reedereien die Arbeitsbedingungen kontrollieren. 

Der Alltag auf dem Kreuzfahrtschiff ist hart

Allein auf dem kleinsten untersuchten Schiff, der „Aida Aura“, arbeiten etwa 400 Angestellte, von denen viele aus Billiglohnländern wie Indonesien, Indien oder von den Philippinen stammen. Gerade in Positionen zum Beispiel als Zimmermädchen oder Kellner arbeiten sie oft zehn bis zwölf Stunden am Tag und sieben Tage die Woche über mehrere Monate am Stück.

Dafür bekommen sie gerade mal zwischen 2,65 und 4,40 Euro pro Stunde – das liegt weit unter dem Mindestlohn in Deutschland. Möglich ist das, weil die Reedereien den Lohn mit den Ländern verhandeln, unter deren Flagge die Schiffe fahren.

Immerhin: Für Essen und Unterkunft an Bord müssen die Mitarbeiter nichts bezahlen. Oft wohnen zwei bis vier Mitarbeiter in einer kleinen, fensterlosen Kabine zusammen.

So sicher sind Kreuzfahrtschiffe von Aida und Tui Cruises

In der Kategorie Sicherheit schnitten hingegen alle Reedereien gut ab. Aida wurde im Bereich „Sicherheit im Notfall an Bord“ – beispielsweise im Fall von Feuer oder Wassereinbruch – sogar als „sehr gut“ bewertet.

Daneben untersuchte die Stiftung Warentest die Kriterien „Sicherheitsmanagement der Reedereien“ und „Persönliche Sicherheit an Bord“, wofür unter anderem Sicherheitstrainings und medizinische Versorgung berücksichtigt wurden. 

Auch Hinweise zur richtigen Hygiene an Bord beeinflussen die Sicherheitseinschätzung – wer einige Kreuzfahrttipps beachtet, kann sich besser vor Magen-Darm-Krankheiten an Bord schützen.

Kreuzfahrtschiffe sind Umweltsünder

Kreuzfahrtschiffe sind schon länger als Dreckschleudern bekannt, viele Reedereien versuchen deshalb, ihre neuen Schiffe umweltfreundlicher zu gestalten.

So fährt die „Aida Nova“ als erstes Kreuzfahrtschiff mit dem Flüssigerdgas (LNG) anstelle von Schweröl. Auch Hurtigruten will Schweröl von den Kreuzfahrtschiffen verbannen. In diesem Jahr schickt die Reederei zwei neue Schiffe auf See, die mit Biogasgemisch angetrieben werden.

In Sachen Umweltschutz ernteten die Reedereien von Stiftung Warentest entweder befriedigende oder ausreichende Noten. Die am umweltfreundlichsten eingeschätzten Kreuzfahrtschiffe in dem Test sind die „Mein Schiff 1“ und die „Mein Schiff 5“, die „Costa Diadema“ und die „Aida Prima“. Pluspunkte konnten Schiffe sammeln, die unter anderem Emissionen und Abfall vermeiden.

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