Entlarvt: Wie Airlines tricksen, um pünktlicher zu sein

Entlarvt: Wie Airlines tricksen, um pünktlich zu sein

In den vergangenen zehn Jahren sind die Flugzeiten auf vielen Routen mehrere Minuten länger geworden – zumindest auf den ersten Blick. Der reisereporter erklärt, warum und bei welchen Airlines das so ist.

Ryanair-Flugzeug am Flughafen Berlin-Schönefeld.
Eine aktuelle Studie erklärt, warum viele Flieger noch pünktlich landen, obwohl sie mit Verspätung starten. (Symbolfoto)

Foto: imago/Jürgen Heinrich

Vielleicht kennst du das: Du hast einen Flug von A nach B gebucht und dir bereits passende Züge für die Weiterreise herausgesucht. Und dann landest du eine halbe Stunde oder sogar noch eher als erwartet. Oder deine Maschine startet mit Verspätung und die Piloten sagen kurz vor der Landung, sie hätten die Verspätung „wieder aufgeholt“. Warum ist das so?

Das Verbraucherportal „Which“ hat herausgefunden, dass die angegeben Flugzeiten von vielen Fluggesellschaften in diesem Jahr bis zu 35 Minuten länger sind als noch vor zehn Jahren. 

Besonders bei Ryanair werden die Flüge langsamer

Besonders auffällig ist das bei der Billig-Airline Ryanair: Neun von elf Routen dauerten im Sommer 2018 länger als im Sommer 2008, und zwar selbst auf so kurzen Verbindungen wie von London-Stansted nach Berlin-Schönefeld (durchschnittlich zehn Minuten langsamer).

Doch auch andere untersuchte Fluggesellschaften wie British Airways, Virgin Atlantic und Easyjet tricksen bei den Zeiten. Insgesamt war bei 76 von 125 der untersuchten Verbindungen die angegebene Flugzeit länger als vor zehn Jahren.

Das scheint besonders irritierend, weil gleichzeitig immer mehr Flüge mit Rekordgeschwindigkeiten unterwegs sind. Warum also machen Airlines das?

Airlines bauen sich Zeitpolster, um Verspätungen zu kaschieren

Die Antwort lautet: Fluggesellschaften polstern ihre Flugpläne aus. Ein paar Minuten Zeit extra einzuplanen hat einerseits den Vorteil, dass im Falle von Verspätungen nicht sofort der ganze Flugplan durcheinandergewirbelt wird. Andererseits bessern Fluggesellschaften dadurch ihre Pünktlichkeitsrate auf.

Doch im chaotischen Flugsommer scheint das nicht viel genützt zu haben, denn so viele Flugausfälle und Verspätungen gab es zuvor noch nie.

Eigentlich kein Wunder, denn der Himmel wird immer verkehrsreicher. So wurden in diesem Jahr zum ersten mal mehr als 200.000 Flüge an nur einem Tag gemessen. Ein paar Minuten verlängert sich die Flugzeit also auch, um mit dem höheren Flugaufgebot klarzukommen. 

Flugzeiten, die mindestens zehn oder sogar bis zu 35 Minuten länger sind, erkläre das aber nicht, resümiert das Verbraucherportal. Ryanair sagt dazu, dass die Flugzeiten jedes Jahr neu angegeben würden, basierend auf den durchschnittlichen Flugzeiten auf der Verbindung aus dem Vorjahr. 

So können die geplanten Zeiten fleißig Jahr für Jahr noch weiter aufgepolstert werden.

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