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Japan: Auf Sternensandsuche in Okinawa

Subtropische Schönheiten: Die Yaeyama-Inseln in der Präfektur Okinawa sind Japans stilles Paradies. reisereporter Mathias hat sich dort umgeschaut und nach dem einzigartigen Sternensand gesucht...

Smaragdgrünes Wasser, schneeweißer Sand: Kondoi Beach auf der Insel Taketomi.
Smaragdgrünes Wasser, schneeweißer Sand: Kondoi Beach auf der Insel Taketomi.

Foto: Okinawa Convention & Visitors Bureau

Die Reise beginnt mit einem alten Volkslied. „Asadoya Yunta“ ist bis heute ein Hit auf Taketomi-jima, wie die Insel auf Japanisch heißt. Tatsujin Uesedo begleitet sich selbst auf der Sanshin, einer dreisaitigen Laute, während er Asadoya besingt, eine junge, selbstbewusste Frau, die im 18. Jahrhundert hier zu Hause war.

Ein Regierungsbeamter, der auf die kleine Pazifikinsel geschickt worden war, verliebte sich in die Dorfschönheit. Doch sie weigerte sich, ihn zu heiraten, wartete lieber auf die Liebe ihres Lebens. Es heißt, sie lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1799 in Armut, aber frohen Herzens.

Der Klang des mit Schlangenhaut bezogenen, banjoartigen Instrumentes wirkt für unsere europäischen Ohren fremd, die Geschichte über das Streben nach Glück dagegen ganz und gar nicht. Wir stehen in einer Art Heimatmuseum, applaudieren. Die Mut machende Botschaft des Liedes nehmen wir mit wie ein Souvenir. Tatsujin Uesedo lächelt.

Die Yaeyama-Inselngruppe gehört zu Okinawa

Taketomi ist eine der 23 Yaeyama-Inseln. Zwölf sind bewohnt. Die Inselgruppe im Südosten Japans gehört zur Präfektur Okinawa. Die Schlacht von Okinawa ist vielen ein Begriff. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kamen dabei 120.000 Menschen ums Leben.

Danach besetzten die USA die Inseln. Sie führten Rechtsverkehr ein. 1972 gaben sie die Kontrolle an Japan zurück. Seitdem herrscht wieder Linksverkehr.

Wasserbüffel ziehen Touristen durch die Gassen der Insel Taketomi.
Wasserbüffel ziehen Touristen durch die Gassen der Insel Taketomi. Foto: Okinawa Convention & Visitors Bureau


Da die Inseln zum Königreich Ryukyu gehörten, bevor sie 1879 von Japan annektiert wurden, betonen die Einheimischen gern die Eigenarten. Man trinkt hier zum Beispiel Awamori und nicht Sake. Tokio ist weit weg. Der Flug in die Hauptstadt dauert vier Stunden. Die Region lebt vom Tourismus. Fast zehn Millionen Gäste kamen im vorigen Jahr – vor allem zum Baden. Unter ihnen sind kaum Europäer.

Das soll anders werden. Doch nicht alle wünschen sich das. Wir lauschen Shosuke Matsutake, einem kleinen, alten Mann mit zufriedenen Augen. Er war der letzte Reisbauer auf Taketomi, später züchtete er Seidenraupen. Aus jedem Haus hörte man einst die klopfenden Geräusche der Webstühle.

Heute vermietet er acht Gästezimmer, pflanzt Bittermelonen an und flicht Körbe. 360 Menschen leben auf der Insel, erzählt er. Er erkenne fast jeden am Klang seiner Schritte.

Reisbauer Shosuke Matsutake liebt die Stille.
Reisbauer Shosuke Matsutake liebt die Stille. Foto: Mathias Begalke

400.000 Fremde kommen im Jahr, die meisten als Tagestouristen. Sie setzten mit der Fähre von Ishigaki-jima herüber, wo sich der Flughafen befindet. „Touristen unterhalten sich“, sagt er. Sie bringen das Geld, aber auch Lautstärke. Er dagegen liebe die Stille. Der 90-Jährige sieht nicht aus wie ein Greis, sondern wie jemand, der sich trotz seines hohen Alters gebraucht fühlt. Vielleicht ist er deshalb so fit.

Menschen werden älter als an jedem anderen Ort der Welt

Nirgendwo auf der Welt werden die Menschen so alt wie in Japan. In Okinawa leben die meisten Hundertjährigen. Auch Taketomi ist eine Insel der agilen Senioren, 25 sind älter als 90. Ein Buch über das Phänomen, „The Okinawa Program“, wurde zum weltweiten Bestseller. Ob die Bittermelonen ein Lebenselixier enthalten?

Altersforscher führen das lange Leben nicht nur auf eine gesunde Ernährung zurück, sondern auch auf eine gesunde Lebenseinstellung. „Ich bin glücklich mit dem, was ich habe“, sagt Shosuke Matsutake und schenkt jedem von uns einen Palmenfächer aus Eigenproduktion.

Verzicht und Mäßigung scheinen genauso lebensverlängernd zu wirken wie ein vielfältiges, fettarmes Essen. Man kann sich den Mann nicht im Schnellimbiss vorstellen. Im Übrigen, sagt er, werde auch er nicht jünger. „Ich muss Sie enttäuschen.“ Vor 30 Jahren schon habe er sich einer OP am verschlissenen Knie unterziehen müssen. Shosuke Matsutake lächelt.

Shisa-Figuren auf den Dächern beschützen die Bewohner der japanischen Insel Taketomi vor Unheil.
Shisa-Figuren auf den Dächern beschützen die Bewohner der japanischen Insel Taketomi vor Unheil. Foto: Okinawa Convention & Visitors Bureau


Wir radeln über die fast autofreie Insel, vorbei am Haus von Asadoya, der Frau aus dem Lied. Auf den roten Dächern sitzen Shisa-Figuren, halb Löwe, halb Wachhund. Sie sollen die Bewohner vor Unheil schützen. Wasserbüffel ziehen Karren voller Besucher durch die Gassen.

Das Tempo, das wir von daheim gewohnt sind, ist auf den weißen Sandwegen nicht möglich. Hinzu kommt die Hitze. Wir entschleunigen hier, in den Subtropen, ganz automatisch.

Die Attraktion ist der Sternensand. Nirgendwo sonst auf der Erde findet man ihn. Wir knien am Strand von Kaiji und suchen diese besonderen, sternförmigen Körner. Genau genommen sind es Überreste von Kleinstmeerestieren.

Essen eignet sich für Experimentierfreudige

Tag drei und vier verbringen wir auf Ishigaki, der Hauptinsel. Wir machen einen Kochkurs. Tamako Takanishi erklärt, wie man richtig Reis zubereitet: nach der 5-15-10-Regel, fünf Minuten bei hoher, 15 Minuten bei mittlerer und zehn Minuten bei geringer Temperatur.

„Aber egal“, sagt sie, „ich habe ja einen elektrischen Reiskocher.“ Wir probieren Seegrassuppe, Algenarten, deren Namen man sich schwer merken kann, violette Süßkartoffeln. Es ist ein Essen für Experimentierfreudige.

Klar, dass auch Tamako Takanishi lächelt. Wir sind schließlich im Land des Lächelns. Die sanfte, zurückhaltende Art der Menschen ist angenehm und ungewohnt.

Im Land des Lächelns: Die Kochlehrerin Tamako Takanishi
Im Land des Lächelns: Die Kochlehrerin Tamako Takanishi. Foto: Mathias Begalke

84 der 88 offiziellen Sternbilder sind am hiesigen Nachthimmel sichtbar. Okinawa ist ein perfekter Ort für eine Sternführung. Der Guide stellt sich als „Mr. Milky Way“ vor, spricht aber sonst nur Japanisch, was gar nicht schlimm ist, denn wir werden von einer englischsprachigen Dolmetscherin begleitet.

Dies zeigt vielmehr: Man ist hier noch nicht überall auf europäische Touristen eingestellt. Die Gegend ist ein Geheimtipp, gut geeignet, um die Japan-Ferien nach einer Rundreise durch das ganze Land für ein paar Tage Strandurlaub zu verlängern.

Iriomote ist beliebt bei Tauchern und Schnorchlern

Iriomote, die zweitgrößte Insel des Archipels, ist ein Hotspot für Taucher und Schnorchler. Fast die komplette Insel ist mit Regenwald bedeckt. Dort lebt die Iriomote-Katze. Das Tier steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Sein Lebensraum wird immer weiter beschränkt. Nur noch 100 soll es geben.

Wir sehen die nachtaktive Katze nicht, denn wir spazieren am Tag durch ihr Revier. Das Ziel der Wanderung sind zwei versteckte Wasserfälle. Den Maryudu-Fall sehen wir aus der Ferne. Im relativ flachen Kanpire-Fall baden wir. Es heißt, er sei ein Platz der Götter. Tatsächlich sitzt man whirlpoolmäßig auf glitschigem Gestein.

Wir baden häufig während dieser Reise, auch am letzten Morgen. Der Strand ist ein kleines Paradies. Er ist vom Hotel nur ein paar Schritte entfernt. Es ist sonst niemand da. Unfassbar. Wo hat man sonst einen solchen Augenblick für sich allein? Gibt es etwa giftige Quallen? Nein. Man schwimmt im smaragdgrünen Pazifik und denkt zurück an Shosuke Matsutake, der diese Stille so sehr liebt.

Tipps für deine Reise nach Japan

Anreise: Zum Beispiel mit All Nippon Airways (ANA) von Frankfurt über Tokio nach Ishigaki.

Beste Reisezeit: Die Yaeyama-Inseln kann man ganzjährig bereisen. Wegen des subtropischen Klimas ist es dort auch im Winter warm. Beste Reisezeiten sind der japanische Frühling (inklusive Kirschblüte) und Herbst. Im August und September sind die Inseln von einheimischen Touristen bevölkert, zudem kann es im Sommer Taifune geben.

Unterkünfte: Auf Taketomi empfiehlt sich das Luxusresort Hoshinoya Taketomi Island. Das Hoteldorf ist im typischen Okinawa-Stil errichtet, jedes Haus hat eine Shisa-Figur auf dem roten Dach. Das Fusaki Resort Village ist ein quirliges Familien-Resort direkt am Strand von Ishigaki. Das ruhige Hotel Nirakanai Iriomotejima steht auf Iriomote direkt am Strand nahe am Regenwald.

Veranstalter: Geoplan Privatreisen bietet verschiedene Reisearrangements nach Okinawa und auf die Yaeyama-Inseln an. Eine 16-tägige Privatreise zu den Inseln ist ab 3980 Euro pro Person im Doppelzimmer buchbar.

   

Die Reise wurde unterstützt von Geoplan Privatreisen und All Nippon Airways. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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