Emirates: Ist die Bordbar im A380 das Business-Class-Ticket wert?

Ist die Bordbar im A380 das Business-Class-Ticket wert?

Einmal in der Business Class zu fliegen steht für viele weit oben auf der Bucket-List. reisereporterin Jasmin ist in den Airbus A380 von Emirates gestiegen, denn der hat eine Bar an Bord. Lohnt sich das?

A380-Bordbar
Ist die Bordbar im A380 das Business-Ticket wert? Unsere Reisereporterin Jasmin hat es ausprobiert.

Foto: Jasmin Kreulitsch

Die Meinungen waren durchwachsen, als die arabische Airline Emirates vor gut drei Jahren mit einem neuen Werbespot daherkam, in dem „Friends“-Ikone Jennifer Aniston die Hauptrolle spielte. Der Inhalt ist kurz erzählt: Aniston rennt durch ein Flugzeug und fragt nach Dusche und Bar, wird aber vom Bordpersonal ausgelacht.

Es stellt sich heraus, dass sie nur geträumt hat – und der Spot endet mit einer glücklichen Jennifer Aniston, die entspannt in der Onboard-Bar von Emirates einen Martini trinkt und darum bittet, den Flug zu verlängern.

Emirates-Werbespot setzt Flugzeug-Bar in den Fokus

Mit diesem Spot spottete die Airline in Richtung amerikanischer Fluggesellschaften wie United oder Delta, deren Service im Vergleich zur arabische Airline eher mau ist.

Der typische Zuschauer erkannte aber nicht diese Spitze, sondern interpretierte den Clip als elitäre Botschaft. Welcher Normalsterbliche kann sich schon ein Business-Class-Ticket leisten und würde verzweifeln, weil es keine Dusche an Bord gibt? Realität geht echt anders.

Ein Jahr später änderte Emirates die Marschrichtung – und erzählte im neuen Werbespot die Geschichte einer Jennifer Aniston, die nicht in der Onboard-Bar Martini schlürft, sondern einen kleinen Jungen zurück auf seinen Platz in der Holzklasse führt und dann mit seiner Mutter sogar den Platz tauscht.

Botschaft? Auch die Economy Class bei Emirates ist super – sogar so super, dass Jennifer Aniston freiwillig sitzen bleibt.

Wie echt sind die Emirates-Werbebilder?

Keine Frage: Emirates hat unzählige Auszeichnungen bekommen und zählt zu den besten Airlines der Welt. Aber wir alle wissen: In der Werbewelt wird getrickst, nachbearbeitet und übertrieben.

Wie echt ist also die Glamour-Welt an Bord des A380 in der Business Class? Wie stylish ist die Onboard-Bar von Emirates? Und kann auch ein Normalo seinen ganz persönlichen Jennifer-Aniston-Moment mit Martini in der Hand erleben?

reisereporterin Jasmin lässt sich an der Bar erstmal einen Martini mixen.
Ist die Bordbar im A380 das Business-Ticket wert? reisereporterin Jasmin hat es ausprobiert. Foto: Jasmin Kreulitsch

Wo ist die Bar?!

Als ich den A380 in Dubai betrete, habe ich nur einen Gedanken: Wo ist die berühmte Onboard-Bar und wann kann ich meinen Jennifer-Aniston-Moment erleben? Am liebsten würde ich die Bar sofort auschecken.

Als mit dem typischen „Bling!“ das Anschnallzeichen erlischt, bin ich die Erste, die aufspringt. Ich will die Bar nämlich sehen, während sie aufgebaut wird. Als ich nach hinten gehe, kann ich dabei zusehen, wie Wandverkleidungen nach oben geschoben, Flaschen drapiert und Snacks vorbereitet werden. In wenigen Minuten ist der Umbau erledigt und die Bar steht.

Bordbar: Seit zehn Jahren im Emirates Airbus A380

Das erste Mal, dass Emirates seine A380-Onboard-Lounge öffnete, war übrigens vor zehn Jahren. Seit dem 1. August 2008 gibt es die Bar über den Wolken für Passagiere der First und der Business Class. Klar, der Platz ist begrenzt, das Ergebnis kann sich aber tatsächlich sehen lassen.

Das neue Design der Lounge, das 2017 präsentiert wurde, verströmt tatsächlich einen Hauch Bar-Feeling. Sie ist hufeisenförmig gebaut und angeblich Luxusjachtkabinen nachempfunden.

Laut Airline gibt es nun mehr Sitzmöglichkeiten auf beiden Seiten der Bar. In meinem Fall ist das allerdings nicht so: Anders als im Werbespot gibt es in meiner Maschine rechts und links keine Tische mit Sitzen, sondern lediglich mit Leder überzogene Balken und Bänke, an denen man lehnen und sitzen kann.

   

Eindrücke aus der Bordbar

Für meinen Jennifer-Aniston-Moment bestelle ich natürlich einen Martini mit Olive. Weil es WLAN an Bord gibt, kann ich schnell googeln und erfahre: Emirates hat mehr als 6.000 Flugbegleiter als Barkeeper ausgebildet, die den Passagieren insgesamt 14 verschiedene Cocktails mixen können.

Auch die Qualität der Spirituosen kann sich sehen lassen: Hennessy-XO-Cognac und ein 18-jähriger schottischer Whisky heben genauso ab wie Champagner der Marken Moët & Chandon oder Veuve Clicquot.

So weit, so gut. Jetzt stehe ich also an der Bar und warte. Warte auf jenen Moment, der mir im Emirates-Werbespot versprochen wurde. Neben prickelnden Drinks sollen das nämlich vor allem auch prickelnde Gespräche mit anderen Reisenden sein: flotte Business-Class-Gäste, mit denen ich über den Wolken eloquent plaudern kann.

Ernüchterung macht sich breit

Die Realität ist allerdings ein wenig ernüchternd. Ja, es kommen einige Menschen; die meisten von ihnen allerdings nur, um auf die Toilette zu gehen. Die ist nämlich direkt hinter der Bar. Was bedeutet, dass alle Passagiere der Business Class auf dem Weg zur Toilette durch die Onboard-Lounge gehen müssen. Das sorgt zumindest bei mir für ein wenig relaxtes Gefühl, denn es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.

Das Essen in der Business-Class.
Für Economy-Flieger kommt das Essen in der Business-Class ziemlich fein daher. Foto: Jasmin Kreulitsch

Die Bar wird zum Wickelraum

Zwei Stunden später steuere ich erneut die Emirates-Bar an. Und tatsächlich, es stehen ein paar Menschen in der Lounge und nippen an ihren Drinks. Ich geselle mich zu ihnen und bestelle natürlich noch einen Jennifer-Aniston-Martini, ich komme ins Plaudern, ich bleibe sogar für einen dritten Martini.

Das führt allerdings dazu, dass ich erneut in den Genuss der vielen Toiletten-Gäste komme – und schlimmer. Denn plötzlich verwandelt sich die Bar Lounge in eine Krabbelstube. Insgesamt drei Mütter beschließen, dass der Barbereich ein prima Ort ist, um ihre Babys herumkrabbeln und mit ihren Babyfingern die Snacks am Tresen anfassen zu lassen.

Eine Mutter geht sogar so weit, dass sie ihr Baby auf der Lederbank wickelt und sich ein unangenehmer Geruch in der Onboard-Lounge ausbreitet.

Die an ihren Drinks nippenden Gäste gucken alle ein bisschen pikiert, doch das Bord-Personal reagiert leider nicht. Weder räumen sie den mittlerweile etwas unansehnlichen Boden und Tresen auf, noch bitten sie die Mütter, die Bar für das freizugeben, wofür sie gedacht ist: zum Trinken. Meine innere Jennifer Aniston entscheidet sich, lieber zurück auf den Platz zu gehen. Martini und Babys passen eben nicht gut zusammen.

Das Fazit

Keine Frage, ein Emirates-Flug mit dem A380 ist schon ein Erlebnis. Der Service in der Business Class ist genauso erstklassig wie die Ausstattung. Und ja, ich würde wie Jennifer Aniston gern den Flug verlängern.

Ich würde allerdings die Buchung nicht von der Bar abhängig machen – auch, wenn es Spaß macht, auf 40.000 Fuß an einem hippen Drink zu nippen.

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