Motorrad-Abenteuer: Chloe fährt auf dem Bike einmal um China

Diese Chinesin fährt auf dem Motorrad einmal um ihr Land

Einmal um ihr Heimatland reisen – und das mit dem Motorrad. Das ist der große Traum von Ma Xueyan, genannt Chloe. reisereporterin Leo hat die 27-Jährige getroffen und mit ihr über ihr Abenteuer geredet.

Über 10.000 Kilometer auf dem Motorrad hat Chloe bereits hinter sich.
Über 10.000 Kilometer auf dem Motorrad hat Chloe bereits hinter sich.

Foto: Leonore Bartsch

Ich traf Chloe – eine junge, aufgeschlossene Chinesin – im Frühjahr 2018 auf Bali. Für mich war unser Treffen eine Premiere, denn ich hatte vorher noch nie Backpacker aus China getroffen. Sie erzählte mir, dass sie als Nächstes mit dem Motorrad einmal um ihre Heimat fahren möchte.

Allein. Wow. Ich weiß noch, dass ich dachte: „Ziemlich mutig, China ist ja schließlich nicht gerade klein.“ Ein halbes Jahr und 11.582 Kilometer später hat Chloe die Hälfte geschafft – und erzählt mir, was sie bisher erlebt und über ihr Heimatland gelernt hat.

Die Chinesin träumt davon, die Welt zu bereisen

Geboren und aufgewachsen im Süden von China, träumte Chloe schon immer davon, die Welt zu sehen – vor allem außerhalb Chinas. Sie verließ ihre Heimatstadt und jobbte als Tourguide in Yunnan, dann zog sie nach Peking, in die Hauptstadt, und arbeitete als Rezeptionistin in einem Fitnessstudio.

Doch ihr Traum vom Reisen ließ sich nicht so einfach erfüllen. Sie sagt, für sie als Chinesin sei es nicht so leicht, ein Visum für andere Länder zu bekommen. So war sie auch erst viermal außerhalb von China im Urlaub, zweimal davon auf Bali.

„Es ist sehr selten in China, dass Frauen reisen“

Die Motorradreise sei daher auch mehr aus der Not heraus geboren: Wenn es so aufwendig ist, ins Ausland zu reisen, warum dann nicht einfach in der Heimat anfangen? „Ich habe mir gedacht: Ich lebe in diesem riesigen, wunderschönen Land – ich sollte mich mehr damit beschäftigen und stolz darauf sein, wo ich herkomme“, erzählt die 27-Jährige.

Das Motorrad als Fortbewegungsmittel hat sie dann nicht etwa gewählt, weil sie eine passionierte Bikerin ist, sondern aus ganz pragmatischen Gründen.

Es ist günstiger in der Anschaffung als ein Auto und es ermöglicht ihr, sich diese Tour zu leisten. Und so brach sie mit Zelt und viel Mut auf in dieses Abenteuer.

113 Tage, 11.852 Kilometer: Die Hälfte der China-Rundreise ist geschafft

Nach 113 Tagen, 58 Stopps an verschiedenen Orten und 11.582 Kilometern im Sattel, ist Chloe den gesamten Süden und Westen von China abgefahren.

Eine wahnsinnig anstrengende, aber lohnenswerte Reise, wie sie findet: „Ich habe auf diesem Trip so viel gelernt, vor allem, dass die Menschen sehr nett und hilfsbereit sind und nie eine Gegenleistung erwarten.“ Außerdem sei es viel spannender gewesen, auf diese Art und Weise etwas über die Geschichte und Kultur von China zu lernen, als es im Geschichtsunterricht jemals sein könnte.

Am meisten beeindruckt habe sie Xinjiang, ein Gebiet im äußersten Westen des Landes. Die Weite und Größe dieser Region fasziniert sie – kein Wunder, denn die Grenzlinie von Xinjiang entspricht einem Viertel von Chinas Gesamtgrenze und das Gebiet hat allein acht Nachbarstaaten.

In diesen entlegenen Teil Chinas mit den verschiedensten ethnischen, historischen und kulturellen Einflüssen kommen vermutlich nur die wenigsten Menschen einmal in ihrem Leben. „Alles hier war frisch und neu für mich“, schwärmt Chloe.

Und nun? Auf zu neuen Abenteuern

Chloe hat Blut geleckt – in diesem Jahr möchte sie den restlichen Teil von China, den Norden und Osten, bereisen. Natürlich auch wieder mit ihrem Motorrad, denn das gibt ihr eine ganz neue Erfahrung: „Auf dem Motorrad fühle ich mich frei!“

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