Per Anhalter nach China: Karsten trampt um die Welt | reisereporter.de

Daumen raus! Warum dieser Mann bis nach China trampt

Er will seinen Bruder in China besuchen. Aber warum einen teuren Flug buchen, wenn es auch per Anhalter geht? Über sein verrücktes Abenteuer hat Karsten Ronge mit dem reisereporter gesprochen.

Karsten will rund 13.000 Kilometer durch 17 Länder trampen, um seinen Bruder in China zu besuchen.
Karsten will rund 13.000 Kilometer durch 17 Länder trampen, um seinen Bruder in China zu besuchen.

Foto: privat

Es ist die Reise seines Lebens: 13.000 Kilometer und 17 Länder hat er vor sich, bis er bei seinem Bruder in China ankommt. Knapp 4.000 Leute verfolgen Karstens Abenteuer auf Instagram.

Per Anhalter fahren, das ist eine Form des Reisens, die in den Zeiten von Billig-Airlines, Flixbus und Carsharing schon fast ausgestorben ist. Denn: Wir kommen überall sehr günstig und ohne großen Aufwand hin.

Mit dem Flugzeug nach China war keine Option

Als Karsten beschloss, seinen Bruder in China zu besuchen, kam es für ihn jedoch nicht infrage, einfach in den Flieger zu steigen. Denn dann sehe man ja nichts vom Weg und erlebe nicht die verschiedenen Landschaften und Kulturen. Er entschied daher, den Großteil der Strecke zu trampen. „Um einfach dichter an den Menschen zu sein“, sagt der 25-Jährige dem reisereporter.

Karsten trampt durch die Welt.
Karsten trampt durch die Welt. Foto: privat

Sich so richtig Zeit für den Weg zu nehmen, das macht eigentlich kaum noch jemand, ist aber Karstens große Motivation. Dabei spielt auch der ökologische Aspekt eine Rolle.

Dadurch, dass er sich in Fahrzeugen fortbewegt, die die Strecke sowieso gefahren wären, ist diese Reise deutlich nachhaltiger als ein Langstreckenflug. Zwar lasse sich manchmal ein Flug oder Bus nicht vermeiden. „Aber generell sollte man heutzutage vermehrt darauf achten, was für einen Fußabdruck man hinterlässt“, sagt Karsten dem reisereporter.

Das Reisen per Anhalter ist ein wenig planlos

So richtig durchgeplant ist dieser Trip allerdings nicht, denn Karsten war beschäftigt mit seiner Bachelorarbeit, die er erst drei Tage vor Beginn seines Abenteuers abgegeben hat. Dann hieß es noch nebenbei das richtige Equipment wie Zelt, Schlafsack und Kocher zu organisieren, und schon stand er das erste Mal mit ausgestrecktem Daumen am Straßenrand.

Es muss nicht immer das Auto sein beim Trampen...
Es muss nicht immer das Auto sein beim Trampen... Foto: privat

Was andere Leute vielleicht in Panik verfallen ließe, bedeutet für ihn die absolute Freiheit, denn so kann er sich einfach treiben lassen und entscheidet teils erst morgens nach dem Aufwachen, wohin er an dem Tag reisen wird. Das wäre natürlich nicht möglich, wenn alle Tickets schon gebucht wären.

Dass diese Form des freien Reisens auch ein Privileg ist, ist Karsten dabei durchaus bewusst: „Als Deutscher hat man das Glück, dass man eigentlich alle Visa unterwegs beantragen kann.“

Schlechtes Wetter? Keine Ausrede!
Schlechtes Wetter? Keine Ausrede! Foto: privat

Karsten vertraut beim Trampen seinem Instinkt

Aber: Einfach mal so nach China trampen, um die halbe Welt, durch 17 Länder, ohne Plan – ist das nicht wahnsinnig gefährlich? Dieser Frage muss sich Karsten öfter stellen, er nimmt das Ganze jedoch sehr gelassen und ist überzeugt, dass einem, solange man auf das eigene Bauchgefühl hört, wenig passieren kann.

Auf seinem bisherigen Weg habe das zum Glück auch gut geklappt und er habe fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Nur einmal gab es eine kleine Panne, über die er aber inzwischen schmunzeln kann: „Die einzige ungünstige Situation, die ich hatte, war, dass ich nach Istanbul wollte. Der Fahrer fuhr mich aber ans Meer, weil er meinte, es sei dort wesentlich schöner.“

Am meisten beeindruckt habe ihn bisher der Iran: „Dort habe ich so viele neue Eindrücke gewonnen und bin wirklich begeistert von dem Land und der Gastfreundlichkeit.“ Das Highlight waren drei Tage bei einer iranischen Familie im Zagros-Gebirge, wohin er einfach so von einer Reisebekanntschaft eingeladen wurde. 

Aber generell sei jede Fahrt etwas Besonderes, und das Trampen eröffnet einen ganz anderen, intensiven Kontakt zu den Menschen.

Ob es das Pärchen in Ungarn war, das Karsten zwei Tage lang mit um den See Balaton genommen hat, der Fahrer in der Türkei, der mitten auf der Autobahn einen Bus gestoppt und ihm dann das Ticket nach Istanbul bezahlt hat, oder der Mann im Iran, der ihn über 600 Kilometer bis nach Teheran mitgenommen und ihn dann mitten in der Nacht direkt vor seiner Unterkunft abgesetzt hat – Karsten hat ständig unglaubliche, überraschende und tolle Begegnungen und ist dankbar für jede einzelne.

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