7 Gründe, diesen Winter nach La Réunion zu reisen

7 Gründe, diesen Winter nach La Réunion zu reisen

Nimmst du von Paris aus den längsten Inlandsflug Frankreichs, landest du elf Stunden später im Paradies. Warum du schleunigst die Koffer packen solltest für La Réunion, weiß reisereporterin Jasmin.

La Réunion ist elf Flugstunden von Paris entfernt, trotzdem brauchst du nur deinen Personalausweis, keinen Reisepass.
La Réunion ist elf Flugstunden von Paris entfernt, trotzdem brauchst du nur deinen Personalausweis, keinen Reisepass.

Foto: imago/Westend61

Das Übersee-Département La Réunion ist ein kleines, französisches Inselwunder mitten im Indischen Ozean und lockt mit pupsenden Vulkanen, süßer Vanille und dem Versprechen eines Traumurlaubs. Sieben Gründe, warum du hinreisen musst:

1. Weil du mit Personalausweis hinfliegen kannst

Den Namen hast du vielleicht gehört, kannst aber nicht zuordnen, wo genau sich die Insel versteckt. Kein Wunder, La Réunion ist nur ein winziger Farbklecks im Indischen Ozean – 700 Kilometer östlich von Madagaskar, 200 Kilometer westlich von Mauritius. Erst kamen arabische, dann portugiesische, englische und niederländische Seefahrer – und in der Kolonialzeit die Franzosen.

Die Insel ist seit 1946 französisches Übersee-Département und somit auch Mitglied der EU,daher kannst du mit Personalausweis statt Reisepass einreisen und mit dem Euro bezahlen.

Fun-Fact: Wegen der Lage in der Zeitzone MEZ+3 war die Insel der erste Punkt auf der Erde, an dem offiziell mit dem Euro eingekauft werden konnte.

La Réunion hat übrigens nur eine Fläche von 2.500 Quadratkilometern. Die 833.000 Einwohner nehmen das mit Humor und kontern mit einem kreolischen Sprichwort: „Auf La Réunion kann sich selbst die Ameise nicht verstecken.“

La Réunion gehört zu Frankreich – das merkt man der Insel aber nicht an...
La Réunion gehört zu Frankreich – das merkt man der Insel aber nicht an... Foto: Jasmin Kreulitsch

2. Wegen der kreolischen Kultur nach La Réunion reisen

La Réunion gehört zu Frankreich, das Leben auf der Insel ist aber völlig anders, denn die „Metropole“, wie das Mutterland bezeichnet wird, ist weit weg. Ursprünglich wurden die Nachkommen der kolonialen Siedler und Sklaven als Kreolen bezeichnet, heute gilt jeder, der auf der Insel geboren wird, egal ob weiß oder schwarz, als Kreole.

Das Wort kommt vom lateinischen Wort „creare“, was nichts anderes heißt als „kreieren, etwas schaffen“. Im Falle der Kreolen bedeutet das, etwas Neues auf der Insel zu schaffen.

Deshalb ist man stolz auf die sogenannte „Métissage“ – die Verschmelzung von Haut- und Haarfarben, von Ethnien, Kulturen und Herkunft. Heute haben Réunionaisen eine klare Reihenfolge, wenn sie ihre Herkunft beschreiben: Kreole, Franzose, Europäer.

Jeder, der auf der Insel La Réunion geboren wird, egal ob weiß oder schwarz, ist ein Kreole.
Jeder, der auf der Insel La Réunion geboren wird, egal ob weiß oder schwarz, ist ein Kreole. Foto: Jasmin Kreulitsch

3. Weil die Vanille auf La Réunion entdeckt wurde

Das berühmteste Produkt der Insel ist Vanille, die Geschichte dazu ist fast noch berühmter: Als die Vanillepflanze 1822 auf die Insel kam – damals Île Bourbon, heute Île de la Réunion genannt –, fing sie zwar an zu blühen, aber niemand wusste, wie man zu den Samenkapseln kommt.

Es war der zwölfjährige Sklavenjunge Edmond, der zufällig die Lösung fand: Weil er wütend auf seinen Herrn war, zerdrückte er ein paar Blüten – und wenige Monate später wuchsen an der Pflanze, die bisher keine Früchte tragen wollte, üppige Schoten.

Der achtlose Griff des Knaben erreichte im Jahr 1841 das, was niemand zuvor schaffte: eine Vanillepflanze „künstlich“ zu befruchten. Im ersten Jahr wurden 2.000 Vanilleschoten geerntet, heute sind es fünf Millionen jährlich – und noch immer wird auf den Vanilleplantagen jener Handgriff angewendet: „le geste d’Edmond“.

Es lohnt sich übrigens, eine Plantage zu besuchen, zum Beispiel das Vanilleatelier Escale Bleue (Route Nationale 2 le Tremblet, Saint-Philippe). Die Vanille Bleue hat zwar ihren Preis (drei Schoten kosten etwa 13 Euro), ist aber echt, denn auf den Märkten bekommt man oft minderwertige Ware aus Madagaskar.

Im ersten Jahr werden 2.000 Vanilleschoten geerntet, heute sind es fünf Millionen jährlich.
Im ersten Jahr werden 2.000 Vanilleschoten geerntet, heute sind es fünf Millionen jährlich. Foto: Jasmin Kreulitsch

4. Wegen der pupsenden Vulkane nach La Réunion reisen

Der höchste Berg auf La Réunion legte den Grundstein für die Insel, als sich vor fünf Millionen Jahren ein Hotspot bildete und sich vor drei Millionen Jahren der Piton des Neiges aus dem Meer erhob. Aktiv ist der Vulkan heute nicht mehr, das überlässt er seinem kleineren Bruder, dem Piton de la Fournaise, der als einer der aktivsten Vulkane der Welt gilt und zuletzt im August 2017 ausbrach.

Die Réunionaisen sagen dann: „Le volcan il pète!“ – der Vulkan pupst. Panik muss man aber keine haben, da die Ausbrüche vorhergesehen werden können und mehr Attraktion als Gefahr sind. Doch natürlich verändert die Lava das Land. Die Insulaner bezeichnen jene Gebiete, in denen man die erkalteten Lavaströme findet, als „Le Grand Brûlé“ – die große Verbrennung.

Der höchste Berg auf La Réunion legte den Grundstein für die Insel.
Der höchste Berg auf La Réunion legte den Grundstein für die Insel. Foto: Jasmin Kreulitsch

5. Weil es auf La Réunion rasante Talkessel gibt

Der Piton des Neiges ist schuld daran, dass das eine oder andere Dorf entstanden ist, genauer gesagt „Calderen“, Vulkankessel. Weil die entleerten Magmakammern des Vulkans einst einbrachen, bildeten sich die Talkessel Cirque de Mafate, Cirque de Salazie und Cirque de Cilaos.

In Mafate liegt das Tal der zehn Dörfer, in dem nur 1.000 Menschen leben. Hier stößt man erneut auf eine lustige Übersetzung, denn „Mafate“ heißt „Stinkewasser“. Im 18. Jahrhundert flüchteten entlaufene Sklaven hierher zu den Schwefelquellen des Vulkans.

Fährt man in den Talkessel Cilaos, entdeckt man die schärfsten Kurven der Insel: Über enge und steile Serpentinen, holprige Straßen und schmale Tunnel führt der einzige Weg ins 5.000-Seelen-Dorf. Auf 40 Kilometer kommen hier 400 Kurven!

Es waren die Madagassen, die die Straße einst bauten; sie kreierten auch den Namen: Cilaos leitet sich vom Wort „Tsilaosa“ ab und bedeutet so viel wie „jemand, den man nicht verlassen kann“.

Wer übrigens mit dem Helikopter über La Réunion fliegt, bekommt die Schönheit der Insel in voller Pracht zu sehen (ab etwa 98 Euro pro Person).

Der Vulkan Piton des Neiges ist schuld daran, dass Vulkankessel entstanden sind.
Der Vulkan Piton des Neiges ist schuld daran, dass Vulkankessel entstanden sind. Foto: Jasmin Kreulitsch

6. Wegen der kreolischen Foodie-Momente

Heiß wird es auch in der réunionaisischen Küche: Französische, madagassische, chinesische und indische Einflüsse ergeben einen verführerischen Mix. Es duftet nach süßer Vanille, schwerem Rum, Früchten wie Papaya, Maracuja und Ananas und Gewürzen wie Kurkuma, Koriander und Kreuzkümmel.

Als Beilage gibt es immer eine Trilogie, „riz, grain, rougail“: Reis, Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen oder Erbsen und Rougail. Für Letzteres werden Früchte oder Gemüse (Chili, viel Chili!) klein geschnitten und mit Piment, Salz, Zwiebel und Öl gemischt.

Das Nationalgericht der Insel ist „Cari“, ein Ragout mit Huhn, Fisch oder Hülsenfrüchten, das mit Reis serviert wird. Die exotischen Geschmäcker kann man sich übrigens nach Hause mitnehmen, wenn man den Marché Forain in Saint-Pierre besucht.

Unbedingt nach der Babyananas „Queen Victoria“ Ausschau halten: Die braucht wie ein Baby neun Monate, um reif zu werden. Die Frucht wurde nach Königin Victoria benannt, die angeblich nur diese Ananas essen wollte. 13.000 Tonnen werden hier pro Jahr geerntet. Exportiert nach Paris kostet das süße Wunder stolze 8 Euro, auf der Insel dafür nur 2 Euro.


Einer der kreolischen Foodie-Momente: Hmmmmmm...
Einer der kreolischen Foodie-Momente: Hmmmmmm... Foto: Jasmin Kreulitsch

7. Wegen der Strände (und Haie!) Urlaub auf La Réunion machen

La Réunion hat jede Menge Strände und Buchten, anders als auf der Nachbarinsel Mauritius gibt es hier aber auch viele scharfkantige Lavaklippen, starke Strömungen – und Haie.

Das schränkt das Baden auf bestimmte Orte ein, ändert aber nichts am Traumurlaub, solange man die Warnschilder ernst nimmt. Am sichersten badet man (von November bis April liegt die Wassertemperatur bei 26 Grad) an der Westküste: In Étang-Salé-les-Bains findet man den einzigen Strand mit schwarzem Vulkansand; baden darf man allerdings nur bei grüner Flagge.

Ruhiger schwimmt man weiter nördlich rund um L’Ermitage und La Saline: Hier haben sich um ein Korallenriff Lagunen gebildet, in denen man relaxt planschen kann. Nicht zum Schwimmen, sondern zum Fotografieren ist das Cap Méchant: Hier sind die Klippen so scharf und die Brandung so gewaltig, dass einige Seefahrer ihr Leben lassen mussten. Und wieder lacht man über die Übersetzung: Cap Méchant bedeutet hinterhältiges Kap.

La Réunion hat jede Menge Strände und Buchten.
La Réunion hat jede Menge Strände und Buchten. Foto: Jasmin Kreulitsch

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