Als Weihnachtsgeschenk bezeichneten viele in London das Abkommen, auf das sich Großbritannien und die Europäische Union Heiligabend 2020 geeinigt hatten. Doch das umfangreiche Papier bringt in vielen Bereichen Veränderungen mit sich, die einen krassen Bruch der europäisch-britischen Beziehungen bedeuten –auch für Urlauber.

70 Prozent der ausländischen Gäste in Großbritannien kamen vor der Corona-Pandemie aus Europa. Und das soll so bleiben, hoffen die Tourismusverbände der Insel. „Europa ist und bleibt ein bedeutender Markt für Großbritannien“, betonte Robin Johnson, Europadirektor von „Visit Britain“, bereits während der Brexit-Verhandlunge. Rund 27 Millionen Urlauber aus Europa reisen jährlich ins Vereinigte Königreich.

Antworten auf die wichtigsten Fragen für deinen England-Urlaub 2020:

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Benötigen Urlauber ein Visum für Großbritannien?

Nein, zumindest Europäer nicht. EU-Bürger dürfen für Urlaube auch weiterhin maximal 180 Tage im Jahr visumfrei in das Vereinigte Königreich einreisen, auch mehrfach. Von Oktober 2021 an benötigen sie dafür aber zwingend einen Reisepass – der Personalausweis wird dann nicht mehr wie bislang akzeptiert. Die britische Regierung plant zudem, mittelfristig bis zum Jahr 2025 eine elektronische Reisegenehmigung (ETA) einzuführen für solche Besucher und Transitreisende, die bislang kein Visum benötigen.

Wie ist es bei Reisen in die anderen britischen Gebiete?

Nordirland: Durch das Brexit-Abkommen ist die Zollgrenze zwischen den EU-Land Irland und dem britischen Nordirland de facto vermieden worden – das heißt, die Grenze verläuft nun durch die irische See, zwischen dem Norden und Süden der irischen Insel kann man weiterhin ohne Kontrollen reisen. Weil Irland bereits vor der EU-Mitgliedschaft zur Common Travel Area (CTA) der Briten gehörte, ist auch das Reisen zwischen Irland und Großbritannien weiterhin kontrollfrei möglich. Kanalinseln: Jersey, Guernsey und die weiteren Channel Islands im Ärmelkanal sind Kronbesitz und als solcher an die Einreisebestimmungen des Vereinigten Königreichs gebunden. Das gilt auch für die Isle of Man.

Gibraltar: Für Gibraltar gilt wegen dessen enger Verflechtung mit Spanien im Alltag eine Sonderregelung – der britische Außenposten am Mittelmeer ist zum 1. Januar 2021 dem Schengen-Raum beigetreten. Das bedeutet, die Grenzkontrolle zwischen Spanien und Gibraltar ist de facto aufgehoben. EU-Grenzbeamte kontrollieren nun die Einreise am dortigen Flughafen. Die weiteren britischen Überseegebiete gelten hingegen nun aus EU-Sicht als Drittländer.

Wird der Fähr- und Bahnverkehr vom Brexit beeinträchtigt?

Die Fährhäfen sind so etwas wie die Lebensader Großbritanniens. Über Dover, einen der größten Fährhäfen Europas, werden jährlich Waren im Wert von 15,5 Milliarden Pfund abgewickelt. Rund 14 Millionen Reisende kommen jährlich über die Verbindung Calais/Dünkirchen–Dover auf die Insel. Über die Burg Dover Castle heißt es seit Jahrhunderten: Fällt Dover Castle, fällt das Königreich. Man könnte das auf den Fährhafen übertragen: Ohne ihn würde der Warenverkehr nach Großbritannien zum Erliegen kommen. Daran kann zuallerletzt der britischen Regierung gelegen sein.

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Dan Bridgett, Kommunikationschef von P&O Ferries, bleibt insofern gelassen: Solange es Waren und Menschen gebe, die dort transportiert werden müssten, werde sein Unternehmen dies tun. Auch Anne-Laure Desclèves, Sprecherin des Eurotunnel-Betreibers Getlink, ist zuversichtlich, dass Reisende am Ende nichts von einer möglichen politischen Veränderung merken werden.

„Das Vereinigte Königreich war nie Teil der Schengen-Zone, deswegen gab es an der Grenze schon immer Passkontrollen.“ Und da Eurotunnel ein britisch-französisches Gemeinschaftsunternehmen sei, gehe sie davon aus, dass beide Länder an einem möglichst einfachen Grenzübertritt interessiert seien. Dass es zu Warteschlangen kommen kann, war bereits im Dezember 2020 zu sehen, als wegen der Corona-Pandemie Hunderte Lastwagen vorübergehend nicht mehr mit dem Zug durch den Ärmelkanal fahren konnten. Auf beiden Seiten des Kanals kommt es zudem nun zu teils strengen Kontrollen, weil Zollbeamte die Einhaltung der im Brexit-Abkommen geschlossenen Vereinbarungen kontrollieren. Autofahrer müssen sich auf teils deutlich längere Wartezeiten einstellen.

Was passiert nach dem Brexit mit meinem Flug?

Hier gibt es durch das Brexit-Abkommen grundsätzlich eine Entwarnung. Die gegenseitigen Landerechte sind gesichert, auch weiterhin fliegen europäische Airlines nach Großbritannien und britische nach Europa. Allerdings dürfen Fluggesellschaften aus dem Vereinigten Königreich nun keine innereuropäischen Verbindungen mehr anbieten – die sind Airlines aus der EU vorbehalten. Unter anderem Easyjet hat jedoch bereits vor Längerem einen EU-Ableger gegründet, British Airways ist unter andrem mit der spanischen Gesellschaft Iberia in der EU vertreten.

Gelten die EU-Fluggastrechte auch weiterhin für mich?

Nur eingeschränkt – die EU-Fluggastrechte gelten für Reisen, die innerhalb der EU begonnen werden, und für solche von EU-Airlines, die einen Flughafen innerhalb der Europäischen Union zum Ziel haben. Wer von einem deutschen Flughafen aus nach Großbritannien fliegt, kommt also auch weiterhin in den Genuss dieser Rechte. Wer mit einer Nicht-EU-Airline zurückfliegt, kann sich nicht darauf berufen. Allerdings plant Großbritannien, das eigene Recht für Reisende entsprechend anzugleichen.

Ändern sich die Zollfreimengen? 

Ja, und zwar erheblich. Großbritannien gilt seit 1. Januar 2021 für die EU als Drittland. Dadurch finden nicht mehr die EU-Richtlinien Anwendung, sondern jene für alle anderen Staaten. Das bedeutet, du darfst nur noch Waren im Gesamtwert von 430 Euro (auf dem Luft- und Seeweg) beziehungsweise 300 Euro bei allen anderen Reisearten in die EU einführen. Für Reisende unter 15 Jahren gilt ein Wert von maximal 175 Euro. Zudem sind nur noch 200 Zigaretten, 1 Liter Spirituosen, 4 Liter Wein und 16 Liter Bier in deinem Gepäck erlaubt. Im Umkehrschluss gelten nun allerdings auch die mitunter günstigeren Duty-Free-Preise für EU-Bürger an britischen Flughäfen. Wichtig: Wenn du aus Großbritannien in die EU zurückreist, darfst du nun bestimmte Waren nicht mehr einführen – unter anderem die meisten Pflanzen, außerdem tierische Produkte (dazu gehören auch Milchprodukte wie Käse). Arzneimittel sind nur noch für den persönlichen Bedarf gestattet, es gelten zudem Beschränkungen für bestimmte Wirkstoffe. Für Kaffee in deinem Reisegepäck wird nun die deutsche Kaffeesteuer fällig.

Eine Ausnahme gilt nach Angaben des deutschen Zolls für Nordirland: Das gehört zwar zum Zollgebiet Großbritanniens, wird aber zollrechtlich so behandelt, als ob es zum Zollgebiet der Europäischen Union gehören würde.

Darf ich meinen EU-Führerschein weiterhin in Großbritannien benutzen?

Ja. Für das Fahren mit dem eigenen in der EU zugelassenen Auto sei auch weiterhin nur eine grüne Versicherungskarte notwendig, heißt es bei der britischen Regierung. EU-Führerscheine würden weiterhin akzeptiert.

Kann ich den Euro in Großbritannien benutzen?

Nein, das Nutzen des Euro in Großbritannien funktioniert in der Praxis schon vor dem Brexit nicht. Dort gilt nach wie vor das Pfund Sterling als offizielle Währung. Sollten einzelne Kaufhäuser oder Geschäfte den Euro akzeptieren – zum Beispiel in London oder an der inneririschen Grenze –, ist dies meist mit einem sehr ungünstigen Umtauschkurs verbunden. Wer sparen will, tauscht vor dem Einkauf Euro in Pfund, nutzt Geldautomaten vor Ort oder zahlt per Kreditkarte.

Wird mein Urlaub in Großbritannien teurer?

Das ist zumindest auf absehbare Zeit äußerst unwahrscheinlich. Der Pfundkurs ist nach dem Brexit-Referendum massiv eingebrochen und hat sich seitdem nicht nennenswert erholt. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage sehen Finanzexperten auch jetzt keine schnelle Veränderung kommen.

Werde ich weiterhin mein Haustier mit ins Vereinigte Königreich nehmen können?

Ja – aber. Auch in bei der Mitnahme von Hunden und Katzen auf die Insel soll es bei der bisherigen Regelung bleiben, heißt es aus London. Aber: Probleme könnte es bei der Rückreise in die EU geben. Hier gelten nun auch bei Hunden und Katzen die Regelungen für Nicht-EU-Staaten. Heimtiere müssen insofern durch Tätowierung oder Mikrochip gekennzeichnet sein, eine gültige Tollwutschutzimpfung aufweisen und einen EU-Heimtierausweis haben, um wieder zurück nach Hause reisen zu können.

Zusätzlich sind Impfpapiere sowie gegebenenfalls der Befund des Bluttests mitzuführen. Die britische Regierung empfiehlt betroffenen Reisenden, mindestens vier Monate vor Abreise alle Einzelheiten mit einem Tierarzt zu besprechen.

Wird es teurer, in Großbritannien ein Handy zu nutzen?

Nein. Alle großen Mobilfunkanbieter haben zugesichert, dass Großbritannien Teil der europäischen Roamingrichtlinien bleibt. Brauche ich eine Auslandsreisekrankenversicherung? Jein. Zwar können EU-Bürger in England auch weiterhin mit der europäischen Gesundheitskarte Gesundheitsdienstleistungen des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes NHS in Anspruch nehmen, jedoch erfolgt damit stets nur eine Basisbehandlung. Die britische Regierung empfiehlt jedem Urlauber eine Auslandsreisekrankenversicherung, die erheblich mehr abdeckt.