Mehrfach hatte das britische Unterhaus den Brexit-Deal abgelehnt – nach der Neuwahl nun die Kehrtwende: 358 Abgeordnete im britischen Unterhaus Ende 2019 für den Deal der Johnson-Regierung, 234 dagegen. Mit dem Votum wurde der Scheidungsvertrag im Grundsatz gebilligt und Großbritannien damit auf Kurs gebracht, die Europäische Union zum 31. Januar zu verlassen.

Einiges ist inzwischen für den Tag X vorbereitet – aber noch immer nicht alles. Vieles wird Bestandteil der Verhandlungen sein, die sich nun zwischen der EU und Großbritannien anschließen. Vor allem für den Tourismus aber sind verbindliche Vorbereitungen wichtig, denn rund 70 Prozent der ausländischen Gäste in Großbritannien kommen aus Europa.

Brexit: Urlauber sind verunsichert

Reisende sind verunsichert: Müssen sie sich auf Änderungen einstellen? Werden nach dem Brexit alle britischen Flugzeuge am Boden bleiben müssen, weil automatisch ihre Landeerlaubnis in der EU erlischt? Wird eine Lastwagenschlange die Autobahn nach Dover blockieren, weil die Fähren nicht mehr in der EU anlegen dürfen?

Der britische Tourismusverband versucht in diesen Tagen zu beschwichtigen: „Europa ist und bleibt ein bedeutender Markt für Großbritannien“, betont Robin Johnson, Europadirektor von VisitBritain. Rund 27 Millionen Urlauber aus Europa reisen jährlich auf die Insel. „Wir können Reisenden versichern, dass sich nichts ändern wird, egal was passiert.“

Der Teufel aber könnte im Detail stecken – und in der Tatsache, ob Großbritannien mit oder ohne ein Abkommen die Europäische Union verlässt. Antworten auf die wichtigsten Fragen für deinen England-Urlaub 2020:

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Großbritannien: Brauchen Urlauber bald ein Visum für die Einreise?

Nein. Für Reisende aus der EU wird sich nach dem Brexit bis 2021 zunächst nichts an den Einreiseformalitäten ändern. Die britische Regierung habe zugesichert, „Personalausweise von EU-Bürgern vorerst weiterhin als ausreichend für Reisen anzuerkennen. Die Einführung einer Visumpflicht für kurzfristige Aufenthalte von bis zu drei Monaten ist derzeit nicht beabsichtigt“, teilt das Auswärtige Amt mit. Reisende, die einen elektronischen Reisepass besitzen, kämen ebenfalls wie bislang schnell und unkompliziert durch den E-Gate Bereich.

Die britische Regierung stellt auf der Internet-Seite „Visiting the UK after Brexit“ weitere Einzelheiten für Touristen bereit. Demnach würde es selbst bei einem ungeregelten Austritt, dem sogenannten Hard Brexit, bei der Visabefreiung für EU-Bürger bleiben.

Allerdings hat die britische Regierung angekündigt, dass Personalausweise mittelfristig nicht mehr akzeptiert werden. Diese Regelung tritt voraussichtlich im Laufe des Jahres 2021 in Kraft.

Wird der Fähr- und Bahnverkehr vom Brexit beeinträchtigt?

Die Fährhäfen sind so etwas wie die Lebensader Großbritanniens. Über Dover, einen der größten Fährhäfen Europas, werden jährlich Waren im Wert von 15,5 Milliarden Pfund abgewickelt.

Rund 14 Millionen Reisende kommen jährlich über die Verbindung Calais/Dünkirchen–Dover auf die Insel. Über die Burg Dover Castle heißt es seit Jahrhunderten: Fällt Dover Castle, fällt das Königreich. Man könnte das auf den Fährhafen übertragen: Ohne ihn würde der Warenverkehr nach Großbritannien zum Erliegen kommen. Daran kann zuallerletzt der britischen Regierung gelegen sein.

Der Fährhafen von Dover mit seinen berühmten weißen Klippen ist eine wichtige Lebensader Großbritanniens. Wie der Verkehr vom Brexit beeinträchtigt wird, steht noch nicht fest.

Dan Bridgett, Kommunikationschef von P&O Ferries, bleibt insofern gelassen: Solange es Waren und Menschen gebe, die dort transportiert werden müssten, werde sein Unternehmen dies tun. Auch Anne-Laure Desclèves, Sprecherin des Eurotunnel-Betreibers Getlink, ist zuversichtlich, dass Reisende am Ende nichts von einer möglichen politischen Veränderung merken werden.
„Das Vereinigte Königreich war nie Teil der Schengen-Zone, deswegen gab es an der Grenze schon immer Passkontrollen.“ Und da Eurotunnel ein britisch-französisches Gemeinschaftsunternehmen sei, gehe sie davon aus, dass beide Länder an einem möglichst einfachen Grenzübertritt interessiert seien.

Die britische Regierung hat sich jedoch auf Warteschlangen aufgrund strengerer Zollkontrollen eingestellt. Tests auf der der M20 nach Dover deuten darauf hin, dass sie nach einem Brexit zumindest phasenweise Autobahnspuren sperren wird, damit sich der Lkw-Verkehr dort stauen kann. Dies wiederum würde für Autofahrer längere Fahrtzeiten zum Fährhafen Dover bedeuten.

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Was passiert nach dem Brexit mit meinem Flug?

Auch hier gibt es Entwarnung. Die gegenseitigen Landerechte sind durch einen Austrittsvertrag gesichert. Und selbst wenn es in den kommenden Verhandlungen noch Barrieren geben sollte, sind Übergangsfristen vereinbart worden. Sicherheitszertifikate für Flugzeuge, die für Gesellschaften in Großbritannien ausgestellt wurden, sind dann auch in der EU für weitere neun Monate gültig. Damit hätten Airlines ausreichend Zeit, für Europa notwendige Bescheinigungen zu erneuern.

EU-Fluggesellschaften wurde mehr Zeit gegeben, ihre EU-Besitzverhältnisse neu zu regeln. Eigentlich dürfen in einem Staat der Europäischen Union nur solche Airlines registriert sein, die mehrheitlich Eigentümern aus dem europäischen Wirtschaftsraum gehören.

Die betrifft in Deutschland unter anderem Tuifly. Sowohl Easyjet als auch Ryanair haben inzwischen Tochtergesellschaften in der EU gegründet, um diese Hürde zu umgehen.

Werden die EU-Fluggastrechte auch weiterhin für mich gelten?

Die EU-Fluggastrechte gelten für Reisen, die innerhalb der EU begonnen werden, und für solche von EU-Airlines, die einen Flughafen innerhalb der Europäischen Union zum Ziel haben. Wer von einem deutschen Flughafen aus nach Großbritannien fliegt, kommt also auch weiterhin in den Genuss dieser Rechte.

 

Ändern sich die Zollfreimengen?

Zumindest bis Ende 2020 nicht – bis dahin sind im Austrittsvertrag Übergansfristen vorgesehen, wonach alles beim Alten bleibt. In dieser Zeiten gelten für Reisende aus der EU bei der Ein- und Ausreise aus Großbritannien für Waren des persönlichen Gebrauchs großzügige Freimengen – wie überall innerhalb der Europäischen Union. Dazu zählen 800 Zigaretten, 110 Liter Bier, 90 Liter Wein und anderes. Diese Übergangszeit kann einmalig um bis zu zwei Jahre verlängert werden, sollte die Verhandlungen über die weiteren Beziehungen bis Ende 2020 nicht abgeschlossen sein.

Wird bis zum Ablauf der eventuell verlängerten Übergangsfrist kein Freihandelsabkommen in Kraft treten, geltem EU-Länder wie Drittstaaten – mit allen zollrechtlichen Grenzen. Die Freimengen wären dann bei der Einreise nach Großbritannien ein Liter Alkohol, vier Liter Wein, 200 Zigaretten und insgesamt Waren im Wert von 390 Pfund. Auf dem Rückweg in die EU sind die Mengen vergleichbar. Dies ist im Prinzip heute schon so bei Reisen in britische Krongebiete wie die Kanalinseln oder Gibraltar.

Für Zollfreimengen könnten nach dem Brexit dieselben Richtlinien gelten wie schon jetzt in britischen Überseegebieten wie Gibraltar.

 

Darf ich meinen EU-Führerschein weiterhin in Großbritannien benutzen?

Ja. Für das Fahren mit dem eigenen in der EU zugelassenen Auto sei auch weiterhin nur eine grüne Versicherungskarte notwendig, heißt es bei der britischen Regierung. EU-Führerscheine würden weiterhin akzeptiert.

Kann ich den Euro in Großbritannien benutzen?

Nein, das Nutzen des Euro in Großbritannien funktioniert in der Praxis schon jetzt nicht. Dort gilt nach wie vor das Pfund Sterling als offizielle Währung.

Sollten einzelne Kaufhäuser oder Geschäfte den Euro akzeptieren – zum Beispiel in London oder an der inneririschen Grenze –, ist dies meist mit einem sehr ungünstigen Umtauschkurs verbunden. Wer sparen will, tauscht vor dem Einkauf Euro in Pfund, nutzt Geldautomaten vor Ort oder zahlt per Kreditkarte.

Wird mein Urlaub in Großbritannien teurer?

Das ist äußerst unwahrscheinlich. Der Pfundkurs ist seit dem Brexit-Referendum massiv eingebrochen. Lag er zum Votum noch bei 1,30 Euro, ging es danach kontinuierlich nach unten. Derzeit notiert das Pfund bei etwa 1,16 Euro.

Das macht einen Urlaub in Großbritannien schon jetzt so günstig wie lange nicht mehr, was auch Visit Britain immer wieder in Marketingkampagnen betont. Finanzexperten gehen davon aus, dass das Pfund bei einem ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union noch mal um bis zu ein Fünftel an Wert verlieren würde. Wie es beim absehbar geregelten Austritt verläuft ist umstritten.

Werde ich weiterhin mein Haustier mit ins Vereinigte Königreich nehmen können?

Ja – aber. Auch in bei der Mitnahme von Hunden und Katzen auf die Insel soll es bei der bisherigen Regelung bleiben, heißt es aus London – selbst im Fall eines harten Brexit.

Aber: Probleme könnte es bei der Rückreise in die EU geben. Sollte das Vereinigte Königreich als Drittstaat eingestuft werden, gelten auch bei Hunden und Katzen die Regelungen für Nicht-EU-Staaten. Dann müssen Heimtiere durch Tätowierung oder Mikrochip gekennzeichnet sein, eine gültige Tollwutschutzimpfung aufweisen und einen EU-Heimtierausweis haben, um wieder zurück nach Hause reisen zu können.

Zusätzlich sind Impfpapiere sowie gegebenenfalls der Befund des Bluttests mitzuführen. Die britische Regierung empfiehlt betroffenen Reisenden, mindestens vier Monate vor Abreise alle Einzelheiten mit einem Tierarzt zu besprechen.

Wird es teurer, in Großbritannien ein Handy zu nutzen?

Nein, zumindest nicht im Fall eines geregelten Austritts. Dann sollen die Gebühren in Großbritannien dieselben bleiben wie im Netz des heimischen Mobilfunkanbieters. Anders könnte es im Fall eines Hard Brexit aussehen: Dann dürfen die Anbieter jeweils selbst bestimmen, wie viel sie für Telefonate und Datennutzung in Großbritannien verlangen, analog zu anderen Nicht-EU-Ländern.

Brauche ich eine Auslandsreisekrankenversicherung?

Ja. Nach einem Brexit – gleich welcher Art – können EU-Bürger mit der Europäischen Gesundheitskarte in Großbritannien keine medizinischen Leistungen mehr in Anspruch nehmen.

Ob deine Krankenversicherung Großbritannien gegebenenfalls trotzdem weiterhin in ihren Leistungen abdeckt, solltest du unbedingt vor Abreise klären. Bei einer Auslandsreisekrankenversicherung bist du in jedem Fall auf der sicheren Seite.