Was der Brexit für den England-Urlaub bedeutet – Infos für Reisende

Was der Brexit für deinen England-Urlaub bedeutet

Eigentlich wollte Großbritannien schon aus der EU ausgetreten sein – nun beantragte Theresa May einen Aufschub. Wie wirkt sich der Brexit auf künftige Reisen ins Vereinigte Königreich aus? Alle Fragen und Antworten im Überblick.

London Eye, Big Ben und Westminster Palace gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in London.
London Eye, Big Ben und Westminster Palace gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in London. Ob die Reise für Bewohner von EU-Mitgliedsstaaten auch nach dem Brexit im März 2019 ohne Visum möglich ist, steht noch nicht fest.

Foto: Julian Elliott/Visit Britain

Eigentlich wäre am 29. März 2019 der Stichtag für Großbritanniens Austritt aus der EU gewesen. Doch angesichts der Unklarheiten im Britischen Unterhaus hat Brüssel der britischen Premierministerin Theresa May einen Aufschub eingeräumt.

Einiges ist inzwischen für den Tag X vorbereitet – aber noch immer nicht alles. Vor allem für den Tourismus aber sind verbindliche Vorbereitungen wichtig, denn rund 70 Prozent der ausländischen Gäste in Großbritannien kommen aus Europa.

Brexit: Sommerurlauber sind verunsichert

Reisende sind angesichts der nahenden Sommersaison verunsichert: Müssen sie sich auf Änderungen einstellen? Werden nach dem Brexit alle britischen Flugzeuge am Boden bleiben müssen, weil automatisch ihre Landeerlaubnis in der EU erlischt? Wird eine Lastwagenschlange die Autobahn nach Dover blockieren, weil die Fähren nicht mehr in der EU anlegen dürfen?

Der britische Tourismusverband versucht in diesen Tagen zu beschwichtigen: „Europa ist und bleibt ein bedeutender Markt für Großbritannien“, betont Robin Johnson, Europadirektor von VisitBritain. Rund 27 Millionen Urlauber aus Europa reisen jährlich auf die Insel. „Wir können Reisenden versichern, dass sich nichts ändern wird, egal was passiert.“

Der Teufel aber könnte im Detail stecken – und in der Tatsache, ob Großbritannien mit oder ohne ein Abkommen die Europäische Union verlässt. Antworten auf die wichtigsten Fragen für deinen England-Urlaub 2019:

Großbritannien: Brauchen Urlauber bald ein Visum für die Einreise?

Nein – zumindest zunächst nicht. Für Reisende aus der EU wird sich auch nach einem Brexit vorerst nichts an den Einreiseformalitäten ändern, versichert Visit Britain. „EU-Bürger werden bis mindestens 2020 mit ihrem gültigen Personalausweis einreisen können“, teilte der Verband mit. Reisende, die einen elektronischen Reisepass besitzen, kämen ebenfalls wie bislang schnell und unkompliziert durch den E-Gate Bereich.

Die britische Regierung stellt auf der Internet-Seite „Visiting the UK after Brexit“ weitere Einzelheiten für Touristen bereit. Demnach würde es selbst bei einem ungeregelten Austritt, dem sogenannten Hard Brexit, bei der Visabefreiung für EU-Bürger bleiben.

Wird der Fähr- und Bahnverkehr vom Brexit beeinträchtigt?

Die Fährhäfen sind so etwas wie die Lebensader Großbritanniens. Über Dover, einen der größten Fährhäfen Europas, werden jährlich Waren im Wert von 15,5 Milliarden Pfund abgewickelt.

Rund 14 Millionen Reisende kommen jährlich über die Verbindung Calais/Dünkirchen–Dover auf die Insel. Über die Burg Dover Castle heißt es seit Jahrhunderten: Fällt Dover Castle, fällt das Königreich. Man könnte das auf den Fährhafen übertragen: Ohne ihn würde der Warenverkehr nach Großbritannien zum Erliegen kommen. Daran kann zuallerletzt der britischen Regierung gelegen sein.

Der Fährhafen von Dover mit seinen berühmten weißen Klippen ist eine wichtige Lebensader Großbritanniens. Wie der Verkehr vom Brexit beeinträchtigt wird, steht noch nicht fest.
Der Fährhafen von Dover mit seinen berühmten weißen Klippen ist eine wichtige Lebensader Großbritanniens. Wie der Verkehr vom Brexit beeinträchtigt wird, steht noch nicht fest. Foto: Jason Hawkes/Visit Britian

Dan Bridgett, Kommunikationschef von P&O Ferries, bleibt insofern gelassen: Solange es Waren und Menschen gebe, die dort transportiert werden müssten, werde sein Unternehmen dies tun. Auch Anne-Laure Desclèves, Sprecherin des Eurotunnel-Betreibers Getlink, ist zuversichtlich, dass Reisende am Ende nichts von einer möglichen politischen Veränderung merken werden.

„Das Vereinigte Königreich war nie Teil der Schengen-Zone, deswegen gab es an der Grenze schon immer Passkontrollen.“ Und da Eurotunnel ein britisch-französisches Gemeinschaftsunternehmen sei, gehe sie davon aus, dass beide Länder an einem möglichst einfachen Grenzübertritt interessiert seien.

Was passiert nach dem Brexit mit meinem Flug?

Auch hier gibt es Entwarnung. Im Falle eines geregelten Brexit, also bei Abschluss eines Austrittsvertrags, sind die gegenseitigen Landerechte gesichert. Und auch für den Fall eines harten Brexit sind inzwischen Übergangsfristen vereinbart worden: Sicherheitszertifikate für Flugzeuge, die für Gesellschaften in Großbritannien ausgestellt wurden, sind dann auch in der EU für weitere neun Monate gültig. Damit hätten Airlines ausreichend Zeit, für Europa notwendige Bescheinigungen zu erneuern – denn Großbritannien würde dann als Drittstaat behandelt.

EU-Fluggesellschaften wird zudem bis Oktober 2019 Zeit gegeben, ihre EU-Besitzverhältnisse neu zu regeln. Eigentlich dürfen in einem Staat der Europäischen Union nur solche Airlines registriert sein, die mehrheitlich Eigentümern aus dem europäischen Wirtschaftsraum gehören.

Die betrifft in Deutschland unter anderem Thomas Cook und Tuifly. Sowohl Easyjet als auch Ryanair haben inzwischen Tochtergesellschaften in der EU gegründet, um diese Hürde zu umgehen.

Andere Airlines stoßen möglicherweise auf größere Probleme: Ein Sprecher der britischen Airline Flybe forderte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) baldige Klarheit von der britischen Regierung. „Unsere Flugpläne für 2019 sind bereits veröffentlicht und im Verkauf.“ Allerdings seien 70 Prozent der Flybe-Flüge innerbritisch. Dies reduziere die Unsicherheit für die Airline deutlich.

Werden die EU-Fluggastrechte auch weiterhin für mich gelten?

Die EU-Fluggastrechte gelten für Reisen, die innerhalb der EU begonnen werden, und für solche von EU-Airlines, die einen Flughafen innerhalb der Europäischen Union zum Ziel haben. Wer von einem deutschen Flughafen aus nach Großbritannien fliegt, kommt also auch weiterhin in den Genuss dieser Rechte.

Ändern sich die Zollfreimengen?

Mit ziemlicher Sicherheit. Bislang gelten für Reisende aus der EU bei der Ein- und Ausreise aus Großbritannien für Waren des persönlichen Gebrauchs großzügige Freimengen – wie überall innerhalb der Europäischen Union. Dazu zählen 800 Zigaretten, 110 Liter Bier, 90 Liter Wein und anderes.

Es gilt als ausgeschlossen, dass dies auch nach dem Brexit der Fall ist. Dann werden, so die einhellige Ansicht der Behörden, die Richtlinien für Nicht-EU-Reisende gelten – wie schon jetzt in den nicht zur Europäischen Union gehörenden britischen Gebieten wie den Kanalinseln oder Gibraltar.

Dazu zählen bei der Einreise nach Großbritannien ein Liter Alkohol, vier Liter Wein, 200 Zigaretten und insgesamt Waren im Wert von 390 Pfund. Auf dem Rückweg in die EU sind die Mengen vergleichbar.

Für Zollfreimengen könnten nach dem Brexit dieselben Richtlinien gelten wie schon jetzt in britischen Überseegebieten wie Gibraltar.
Für Zollfreimengen könnten nach dem Brexit dieselben Richtlinien gelten wie schon jetzt in britischen Überseegebieten wie Gibraltar. Foto: imago/CHROMORANGE

Darf ich meinen EU-Führerschein weiterhin in Großbritannien benutzen?

Ja. Für das Fahren mit dem eigenen in der EU zugelassenen Auto sei auch weiterhin nur eine grüne Versicherungskarte notwendig, heißt es bei der britischen Regierung. EU-Führerscheine würden weiterhin akzeptiert.

Kann ich den Euro in Großbritannien benutzen?

Nein, das Nutzen des Euro in Großbritannien funktioniert in der Praxis schon jetzt nicht. Dort gilt nach wie vor das Pfund Sterling als offizielle Währung.

Sollten einzelne Kaufhäuser oder Geschäfte den Euro akzeptieren – zum Beispiel in London oder an der inneririschen Grenze –, ist dies meist mit einem sehr ungünstigen Umtauschkurs verbunden. Wer sparen will, tauscht vor dem Einkauf Euro in Pfund, nutzt Geldautomaten vor Ort oder zahlt per Kreditkarte.

Wird mein Urlaub in Großbritannien teurer?

Das ist äußerst unwahrscheinlich. Der Pfundkurs ist schon jetzt massiv eingebrochen. Lag er zum Brexit-Votum noch entspannt bei 1,30 Euro, ging es danach kontinuierlich nach unten. Derzeit notiert das Pfund bei etwa 1,17 Euro.

Das macht einen Urlaub in Großbritannien schon jetzt so günstig wie lange nicht mehr, was auch Visit Britain immer wieder in Marketingkampagnen betont. Finanzexperten gehen davon aus, dass das Pfund bei einem ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union noch mal um bis zu ein Fünftel an Wert verliert.

Werde ich weiterhin mein Haustier mit ins Vereinigte Königreich nehmen können?

Ja – aber. Auch in bei der Mitnahme von Hunden und Katzen auf die Insel soll es bei der bisherigen Regelung bleiben, heißt es aus London – selbst im Fall eines harten Brexit

Aber: Probleme könnte es bei der Rückreise in die EU geben. Sollte das Vereinigte Königreich als Drittstaat eingstuft werden, gelten auch bei Hunden und Katzen die Regelungen für Nicht-EU-Staaten. Dann müssen Heimtiere durch Tätowierung oder Mikrochip gekennzeichnet sein, eine gültige Tollwutschutzimpfung aufweisen und einen EU-Heimtierausweis haben, um wieder zurück nach Hause reisen zu können.

Zusätzlich sind Impfpapiere sowie gegebenenfalls der Befund des Bluttests mitzuführen. Die britische Regierung empfiehlt betroffenen Reisenden, mindestens vier Monate vor Abreise alle Einzelheiten mit einem Tierarzt zu besprechen.

Wird es teurer, in Großbritannien ein Handy zu nutzen?

Nein, zumindest nicht im Fall eines geregelten Austritts. Dann sollen die Gebühren in Großbritannien dieselben bleiben wie im Netz des heimischen Mobilfunkanbieters. Anders könnte es im Fall eines Hard Brexit aussehen: Dann dürfen die Anbieter jeweils selbst bestimmen, wie viel sie für Telefonate und Datennutzung in Großbritannien verlangen, analog zu anderen Nicht-EU-Ländern.

Brauche ich eine Auslandsreisekrankenversicherung?

Ja. Nach einem Brexit -- gleich welcher Art -- können EU-Bürger mit der Europäischen Gesundheitskarte in Großbritannien keine medizinischen Leistungen mehr in Anspruch nehmen.

Ob deine Krankenversicherung Großbritannien gegebenenfalls trotzdem weiterhin in ihren Leistungen abdeckt, solltest du unbedingt vor Abreise klären. Bei einer Auslandsreisekrankenversicherung bist du in jedem Fall auf der sicheren Seite.

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