Kreuzfahrt geht schief: Wann du Geld zurück verlangen kannst

Wann du bei einer Kreuzfahrt Geld zurückbekommst

Schlechtes Essen, dreckige Kabinen, Route geändert: Was passiert, wenn auf die Vorfreude auf die Kreuzfahrt großer Frust an Bord folgt? Wann Passagiere Geld zurückverlangen können, weiß der reisereporter.

Was, wenn Passagiere unzufrieden sind mit ihrer Kreuzfahrt? Gibt es dann Geld zurück? (Symbolfoto)
Was, wenn Passagiere unzufrieden sind mit ihrer Kreuzfahrt? GIbt es dann Geld zurück? (Symbolfoto)

Foto: imago/Oliver Willikonsky

Kreuzfahrten boomen: 2,2 Millionen Deutsche waren im Jahr 2017 auf hoher See unterwegs. Was passiert aber, wenn die gebuchte Reise nicht so verläuft, wie man es sich gewünscht hat?

Weil Kreuzfahrten immer beliebter werden, hat sich die Stiftung Warentest des Themas „Rechte der Passagiere“ angenommen. Der reisereporter fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen:

Route geändert oder Landgänge ausgefallen: Geld zurück?

Das Kreuzfahrtschiff sollte eigentlich in Venedig halten, muss die Route aber ändern und lässt den Stopp ausfallen. Welche Rechte haben Passagiere dann? Wenn der Veranstalter die Tour vorab erheblich ändert oder aber verschiebt, dann können sie vom Reisevertrag zurücktreten. 

Wenn ein Landgang ausfällt, können sie den Reisepreis im Nachhinein mindern – meistens aber nur für denjenigen Tag, an dem er ausfiel. Und das auch nur, wenn der Veranstalter schuld war. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das Schiff kaputt war.

Anders sieht es aus, wenn Unwetter, politische Unruhen oder hoher Wellengang der Grund sind. Denn das sind außergewöhnliche Umstände – und damit gehen Passagiere leer aus.

Unannehmlichkeiten an Bord kein Grund für Reklamation

Ein fehlender, aber zuvor zugesagter Fernseher kann einen Preisnachlass rechtfertigen. Andere Unannehmlichkeiten an Bord – dazu gehören Hafengeräusche, Dieselgeruch an Deck, Lärm beim An- und Ablegen, starker Wellengang oder nervige Mitreisende – sind hingegen kein Grund zur Preisminderung, so Rechtsanwalt Kay Rodegra. Auch eine kurzfristig defekte Toilette kann als Unannehmlichkeit ausgelegt werden. 

Wenn die Schiffsmaschinen aber durchgängig so laut dröhnen, dass an Schlaf nicht zu denken ist, solltest du diesen Missstand sofort dem Veranstalter melden. Und du solltest den Mangel protokollieren, sprich: Welche Geräusche hast du wann gehört? Und mach Tonaufnahmen. Solche Dinge helfen, falls die Sache vor Gericht landet.

Nicht die gebuchte Kabine bekommen? Geld zurück!

Du hast eine Außenkabine mit Balkon gebucht, landest aber in einer Innenkabine? Dann ist das ein Reisemangel, urteilte ein Gericht. Ein Urlauber bekam in diesem Fall den vollen Reisepreis zurück, plus 80 Prozent des Preises als Schadensersatz.

Auch wenn du zum Beispiel durch das Bullauge in deiner Kabine auf eine Schiffswand statt wie gebucht aufs Meer schaust, kannst du Ansprüche geltend machen.

Wichtig ist aber immer: Beschwer dich zunächst beim Veranstalter. Der sollte dir eine neue Kabine zuweisen.

Schlechtes Essen an Bord kann ein Reisemangel sein

Das Essen am Buffet ist ständig leer, und wenn es mal aufgefüllt ist, schmeckt es mies? Tatsächlich hat ein Kläger vom Amtsgericht Rostock 5 Prozent Nachlass zugesprochen bekommen, weil er sich nach der Reise beschwerte.

In solchen Fällen ist es aber ganz wichtig, Protokoll zu führen und Fotos zu machen. Welche Speisen gab es am Buffet und welche nicht?

Am besten ist, du beschwerst dich schon während der Reise. Denn dann bekommt die Crew die Chance, nachzubessern.

Probleme mit dem Trinkgeld

Ein sonst eher selten auftauchendes Ärgernis sind automatische Abbuchungen von Trinkgeldern auf Kreuzfahrtschiffen. Diese Handhabung muss klar in den Verträgen stehen, ansonsten haben Gäste gute Chancen, dagegen angehen zu können. 

Unfälle an Bord: Hier gibt es kein Geld zurück

Schlechte Karten bestehen, wenn jemand an Bord stürzt oder sich anders verletzt. Das gehöre in die Kategorie „allgemeines Lebensrisiko“, so Rodegra. Selbst bei starkem Seegang – denn dass es den mal geben kann, ist vor Antritt schon klar.

Ist ein Magen-Darm-Virus ein Reisemangel?

Was ist, wenn an Bord das Norovirus oder eine andere Magen-Darm-Erkrankung ausbricht? Zuletzt betroffen waren 500 Passagiere auf der Karibikkreuzfahrt der „Oasis of the Seas“. Hier gibt’s schlechte Nachrichten für Passagiere: Das Amtsgericht Rostock entschied in einem Urteil, dass eine Magen-Darm-Erkrankung kein Reisemangel ist.

Betroffene Passagiere können demnach weder die Erstattung des Reisepreises noch Schadensersatz verlangen. Aber: Im oben genannten Fall will die Reederei Royal Caribbean freiwillig allen Passagieren den Reisepreis erstatten.

Neues Reiserecht: Das ändert sich für Passagiere

Kreuzfahrtpassagiere können nach dem neuen EU-Pauschalreiserecht ihre Ansprüche bis zu zwei Jahre nach dem Ende der Reise geltend machen und eine Minderung des Reisepreises durchsetzen.

Sollte es dabei zu Problemen kommen, hast du bald einen guten Ansprechpartner: Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr nimmt voraussichtlich im März 2019 ihren Dienst auf. Sie bietet Schlichtungen im Pauschalreiserecht an und wird beispielsweise auch für Mängel in der Unterbringung zuständig sein.

Grundsätzlich ist es so, dass es sich immer um Einzelentscheidungen handelt. Es gibt aber Fälle, in denen die Aussichten auf Erfolg oder Misserfolg ziemlich deutlich sind. Weitere Gerichtsurteile sind in der Würzburger Tabelle von Rodegra festgehalten. 

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Zur
Startseite