Es ist der Sonnenuntergang, immer wieder der Sonnenuntergang. Über der Karibikinsel Aruba bricht der Abend herein, und im hippen Strandrestaurant Barefoot spielen Thunfisch, Steak und Hummer plötzlich nur noch eine Nebenrolle. Wie ferngesteuert springen die Gäste auf und waten in ihren Flipflops durch den tiefen Sand zum Wasser. Smartphone hoch, tipp, fertig ist das perfekte Foto vom orange gefärbten Meer, bereit zum Posten bei Instagram & Co.

Es klingt banal, doch Strand und Sonne sind noch immer die schlagendsten Argumente für einen Urlaub hier in der Karibik. Aruba, gemeinsam mit Bonaire und Curaçao eine der drei ABC-Inseln vor der Küste Venezuelas, ist eines der besten Beispiele dafür: Im Zentrum wirkt die nur 180 Quadratkilometer große frühere niederländische Provinz trocken wie ein Knäckebrot, durchwachsen von hohen Kakteen und steinigen Straßen.

Doch an die weißen Sandstrände der Küste schließt sich kristallklares Meereswasser an. Jeder Strandspaziergang wird zu einem Ausflug in die Kulissen der feinsten Ferienkataloge.

Die paradiesischen Strände locken viele Reisende auf die Karibikinsel Aruba.


Anthony Hagedoorn sieht sich die Strände lieber vom Wasser aus an. Der Kapitän des Segelboots „Tranquilo“ ist rund um die Insel unterwegs, um Besuchern Wasser, Meereswelt und Riffs näherzubringen. „Die Menschen kommen wegen der Sonne her“, sagt der gebürtige Arubaner mit seinem niederländischen Akzent. Er lehnt sich zufrieden an seinem Steuerrad zurück, und er legt noch einmal nach: „Wir haben hier einfach immer gutes Wetter.“

Die Menschen kommen wegen der Sonne her. Wir haben hier einfach immer gutes Wetter.

Anthony Hagedoorn, Segelbootskapitän

Und in der Tat: Statistisch gesehen gibt es auf Aruba zwar 120 Regentage pro Jahr, doch beschränkt sich der Niederschlag oftmals auf ein paar Minuten, und das nicht selten mitten in der Nacht. Durchschnittstemperatur: 28,6 Grad Celsius. Empfohlener Sonnenschutzcremefaktor: 50 – mindestens. Klingt paradiesisch und ist es auch.

An der Spanish Lagoon mit Fischen schnorcheln

An der Spanish Lagoon im Südosten Arubas stoppt Hagedoorn seine „Tranquilo“. Streng genommen gibt es hier nicht wirklich etwas zu sehen, doch das leuchtend hellblaue Wasser ersetzt jede Attraktion. Die Gäste schnorcheln an Fischen vorbei durch das badewannenwarme Wasser.

Hätte man kurz zuvor nicht die Müllhalde der Insel passiert, es würde alles viel zu gemalt wirken, als könnte es wirklich sein. Ist es aber, und es ist nur ein kurzer Ausschnitt, wie sich am nächsten Tag zeigt: Baby Beach, Palm Beach, Eagle Beach – die Namen unterscheiden sich, die Kulisse bleibt – stets Orte der Entspannung aus weißem Sand und beneidenswert klarem Wasser.

Aloe Vera ist wichtig für die Insel

Zu dieser entspannten Umgebung passt ein Hauptexportartikel der Insel: Pflegeprodukte aus der Aloepflanze. Die ist zwar eigentlich nicht heimisch in diesen Breitengraden, doch brachten die Niederländer sie im 19. Jahrhundert hierher. „Aloe hilft gegen Sonnenbrand“, sagt Linda, eine junge Frau, die für den Hersteller Aruba Aloe Besucher durch den Betrieb führt. Und sie legt nach: Der pflanzliche Wirkstoff sei gut gegen fettige Haut, perfekt zum Abschminken und jung hält er die Haut auch noch.

Aloepflanzen sind einer der wichtigsten Exportartikel von Aruba. Die Einheimische Linda zeigt auf dem Gelände von Aruba Aloe, wie die Pflanze verarbeitet wird.

Das Gel der Aloepflanze, ein wahres Wundermittel. Seit 1890 produziert Aruba Aloe seine Pflegeprodukte und ist damit nach eigenen Angaben der weltweit älteste Hersteller in diesem Segment. In immerhin 30 Ländern werden die Produkte made in Aruba inzwischen vertrieben. Für die lokale Wirtschaft ist Aloe gemeinsam mit dem Tourismus ein wichtiger Einnahmezweig im Überleben als autonome Insel.

König Willem-Alexander ist offizielles Staatsoberhaupt

1986 trennte sich Aruba politisch von den Niederländischen Antillen und wurde zu einem autonomen Land innerhalb des Königreichs der Niederlande. Das verwirrt Besucher aus der Europäischen Union mitunter. Niederländisch ist mit dem lokalen Sprachmischmasch Papiamentu bis heute offizielle Amtssprache, König Willem-Alexander der Niederlande bleibt offizielles Staatsoberhaupt.

Der Florin ist die eigene Währung – doch die nutzt kaum ein Reisender, allerdings auch nicht den Euro. Fast jedes Geschäft zeichnet seine Preise in US-Dollar aus, der den Florin im Alltag mehr oder weniger verdrängt hat. Der Grund liegt weit zurück: Im 20. Jahrhundert betrieb Aruba eine der größten Erdölraffinerien der Welt. In dieser Zeit rückte die Insel wirtschaftlich eng an die USA.

In San Nicolas bestimmen Graffitis das Straßenbild

Die mächtige Industrieanlage ist 2012 stillgelegt worden. Doch noch immer bestimmt sie das Bild der zweitgrößten Stadt der Insel, San Nicolas, allein wegen ihrer Größe. Das Museum of Industry ist seit zwei Jahren dabei, dies zu ändern. Es organisiert die Aruba Art Fair, ein jährliches Festival, für das internationale Künstler ganze Gebäude des Ortes bemalen. „Jedes dieser Gemälde erzählt seine eigene Geschichte“, sagt Edward Fraser, der für das Museum Touren organisiert.

Ein Gecko, der aus einer Häuserwand ragt, ein rosafarbener Flamingo und eine Tänzerin in Mosaik: Etliche Gebäude sind in den vergangenen beiden Jahren bereits umgestaltet worden, ganz San Nicolas ist eine bunte Graffitiwelt geworden.

Während der jährlichen Aruba Art Fair gestalten Künstler die Wände von Gebäuden in San Nicolas mit Graffitis. Die Stadt ist deshalb ein gutes Ziel für Fans von Street Art.


Für den Ort ist die Aktion eine wichtige Überlebensstrategie: Während in der Hauptstadt Oranjestad der Kreuzfahrttourismus boomt und an der Westküste die meisten großen Hotelanlagen Arubas stehen, ist der Südosten seit der Schließung der Raffinerie etwas abgehängt. Für Besucher ist dies allerdings kein großer Verlust – die Graffiti geben allemal mehr Sehenswertes her als eine Erdölanlage.

Der nächste Abend endet ohnehin wieder an altbekanntem Ort: dem Strand. Das Restaurant heißt diesmal Elements, der Rest bleibt gleich: Fisch gibt’s, und einen Sonnenuntergang par excellence gratis dazu. Ein Foto zum Posten? Wir verschieben es auf den nächsten Tag. Denn eines ist auf Aruba schließlich sicher: Auch morgen wird hier die Sonne wieder untergehen.

Tipps für deine Reise nach Aruba

Anreise: Mit dem Flugzeug via USA (unter anderem mit Stopp in Miami, Charlotte oder Fort Lauderdale). Tui bietet mehrmals pro Woche Direktflüge ab Amsterdam an. Auch KLM bedient diese rund zehn Stunden dauernde Verbindung, in unserem Test allerdings mit alten Maschinen und wenig Komfort.

Wetter: Es ist immer heiß und trocken. Die Niederländischen Antillen liegen außerhalb der Hurrikangefahrenzone, es regnet selten und es weht fast immer ein leichter Wind.

Unterkunft: Familienfreundliches Hotel nahe der Hauptstadt und des Druif Beachs: Divi Village Golf Beach Resort, J. E. Irausquin Boulevard 93, Oranjestad.
Zentral in der Hauptstadt, mit Flamingo-Privatinsel: Renaissance Resort, L. G. Smith Boulevard 82, Oranjestad.
Einfach, aber modern, direkt am Strand: Holiday Inn Resort, 230 J. E. Irausquin Boulevard, Palm/Eagle Beach.
Edel, modern und in bester Strandlage: Marriott Resort & Casino, L. G. Smith Boulevard 101, Palm/Eagle Beach.

Gesundheit: Die üblichen Reiseimpfungen werden allgemein empfohlen, Malaria kommt auf der Insel bislang nicht vor. Leitungswasser ist so gut aufbereitet, dass es nach offiziellen Angaben bedenkenlos getrunken werden kann.

Fortbewegung: Am internationalen Flughafen gibt es viele große internationale Mietwagenunternehmen. Taxis fahren nach staatlich festgesetzten einheitlichen Preisen. Es gibt auf der ganzen Insel ein dichtes Netz an Bussen, die häufig im Zehn-Minuten-Takt fahren.

Währung: Fast überall kann mit dem US-Dollar bezahlt werden, die meisten Preise sind auch in ihm ausgewiesen. Im Prinzip verfügt Aruba aber über eine eigene Währung mit eigenen Banknoten und Münzen: den Florin. Geldautomaten addieren eine Gebühr zur Abhebung.

Die Reise wurde unterstützt von der Aruba Tourism Authority. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.