Das Idyll mit 300 Einwohnern ist einst der mutigen Aufmüpfigkeit entsprungen. 1667 wurde Arnis von 65 Familien aus Kappeln gegründet. Die hatten keine Lust, sich dem Lehnsherren zu beugen. Stolz und das Flair von Freiheit sind immer noch präsent.

Prompt bekamen die Abtrünnigen, die dem Gerichts- und Kirchenherrn Detlef von Rumohr den Eid verweigert hatten, von Herzog Christian Albrecht das 800 mal 200 Meter kleine Eiland zur Besiedelung. Sie hatten sich gleich an die höchste Stelle gewandt.

Schnell legten sie los, planten akribisch und raffiniert: Straße in der Mitte, Giebelhäuschen dicht an dicht zu den Seiten, Gärten für Gemüsebau und Haustiere mit Zugang zur Schlei und Steg für Fischerboot hinterm Haus – fertig ist die Stadt im Miniformat. Stadtplaner heute könnten es nicht besser machen. Dass 100 Jahre später ein Damm zum Festland aufgeschüttet wurde, der wirtschaftlichen Aufschwung und noch viel später die Touristen brachte, folgt der Logik einer aufstrebenden kleinen Gemeinschaft.

Eine Hauptstraße in Regenbogenfarben

Als Besucher nähert man sich auch heute passender „von See“ als über den Damm. Die kleine private Fähre hält am südlichen Schleiufer in Sundsacker in der Gemeinde Winnemark. Gemütlich. Wer vor dem Feierabend des Fährmanns wieder abreist, kann das Auto hier sogar stehen lassen.

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Auf kleinstädtischem Kopfsteinpflaster geht es ein paar Meter hinauf, und die „City“ ist erreicht. Welch Anblick! Blühende Stockrosen in allen erdenklichen Farben, üppige Rosen, Lavendel in Kübeln vor den Eingängen, die puscheligen grünen Köpfe uralter Linden tauchen die Hauptstraße selbst bei bewölktem Himmel in Regenbogenfarben. Wohin zuerst? Rechts oder links?

Beide Richtungen sind zauberhaft

Ein paar Schritte nach rechts fällt der Blick auf das herrschaftliche Gebäude mit hohen Fenstern und Uhr über der Eingangstür. „Rathaus“ steht darüber. Natürlich gibt es auch eine Rathaustreppe mit Podest. Schlendernd ist Arnis’ nördliches Ende von hier aus in zehn Minuten erreicht.

Ein Muss: auf der Bank den Ausblick auf die Biegung der Schlei, die sich in Richtung Kappeln weitet und Raum für kleinere Segelregatten gibt, genießen. Und schon wieder ist zwischen links und rechts zu wählen. Sicher ist aber: Beide Richtungen sind zauberhaft, beide Uferwege führen um die Stadt herum.

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Arnis: Ein Paradies für Fotografen

Wie gut, dass die Fotografie nicht mehr auf Filme angewiesen ist. Sonst hätten Hobbyfotografen spätestens nach der Umrundung ein Dutzend Rollen voll: Blühende Gärten mit Obstbäumen, romantische Gartenlauben, Blumen und Beete wie aus dem Bilderbuch, Bootsstege mit modernen und restaurierten klassischen Jachten, Fischerboote und Netze, die auf Holzgestellen im Wind trocknen.

Fischernetze, die auf Holzgestellen am öffentlichen Spazierweg zwischen Ufer und Gärten Uferweg trocken, sind Zeugen gelebter maritimer Geschichte.

Kleinod mit Sommerfrische-Charme

Von hier erschließt sich, wie die Arnisser ihre Freiheit auf begrenztem Raum schon früh in Wohlstand ummünzten: Der Schiffbau war und ist für das Städtchen bedeutender Wirtschaftszweig. Vier Werften, teils auf klassische Holzjachten spezialisiert, und Hallen, in denen Hausboote und Katamarane gebaut und größere Schiffe repariert werden, erstrecken sich jenseits der Fähre.

Klassischer Holzbootsbau, ob Motor- oder Segeljacht, sind in Arnis ebenso wie schnittige moderne Segelboote und Wassersport jeder Art zu Hause.

Zudem gibt es hinter dem Verbindungsdamm zum „Festland“ eine große Segelclub-Marina mit einem erstklassigen Restaurant. Überall weisen dezente Schilder zu versteckten Ferienwohnungen. Und zu Lokalen, Bäckerei, Boutique sind es aus jeder Richtung nur ein paar Schritte. Das gilt auch für die historische Schifferkirche, die von erfolgreichen Seefahrerzeiten der Arnisser zeugt.

Wer die Augen aufhält, entdeckt auch noch ein historisches architektonisches Kleinod mit Sommerfrische-Charme – die Schleiperle. Der himmelblaue Pfahlbau über dem Wasser hat zwar als Fischlokal geschlossen. Nun eröffnet er aber neu als Café mit einer traumhaften Aussicht.

Schleiperle | Strandweg 125, 24399 Arnis | Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montag von 12 bis 17 Uhr

Arnis: Was du wissen musst

Arnis ist mit 300 Einwohnern Deutschlands kleinste Stadt und erzwang aufgrund der räumlichen Enge und der Insellage von Beginn an städtische Struktur. 2017 wurde das Städtchen 350 Jahre alt. Stadtrechte erhielt Arnis allerdings erst 1934, weil eine Verwaltungsreform dafür eine Lücke bot. Dem Stolz der Arnisser als Kämpfer für Unabhängigkeit kam das entgegen.

Zu erreichen ist Arnis von Eckernförde aus mit dem Auto über die Bundesstraße 203 auf zwei Wegen: Man fährt bei Karby in Richtung Sundsacker ab (24 Kilometer ab Eckernförde) und nimmt die Fähre, wo sich auch ein kleiner Parkplatz befindet. Die Fähre verkehrt von 8 bis 18 Uhr, manchmal auch bis 19 Uhr. Alternativ fährt man über Kappeln (28 Kilometer ab Eckernförde) nach Arnis (weitere fünf Kilometer). Am Ortseingang gibt es einen großen Parkplatz.

Essen kannst du in Arnis in mehreren Restaurants. Feinschmecker kommen im Yachthafen Arnis Grödersby in der Specht Speisewirtschaft auf ihre Kosten (abends mit Reservierung).

Specht Speisewirtschaft | Friedenshöher Str., 24376 Grödersby | Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 18 bis 21 Uhr, Sonntag von 12 bis14:30 Uhr und von 18:00 bis 21 Uhr

Die kleine private Fähre bringt Autos, Fahrräder, Fußgänger und Lieferverkehr von Sundsacker in Winnemark direkt in die Mitte der kleinen Stadt.