Das Erste, was ich von Schleswig sehe, ist der Wikingturm. Hoch ragt er in den wolkenlosen, blauen Himmel hinein, ein eindrucksvolles Gebäude, das auch ein wenig fremd wirkt in der immergrünen Schlei-Landschaft. Unwillkürlich muss ich an den atmosphärisch-bizarren Science-Fiction-Film „High-Rise“ (USA, 2016) denken. In einem 40 Etagen umfassenden Hochhaus kommt es nach einem Stromausfall zum Klassenkampf unter den Bewohnern, der am Ende eskaliert.

Der Wikingturm in Schleswig hat zwar nur 29 Stockwerke, ich stelle mir aber vor, wie sich der Himmel um die brutalistische Architektur schlagartig verdüstert und die Segelschiffe im Hafen der Schlei beginnen, bedrohlich zu schwanken.

Tatsächlich kommt die filmische Reminiszenz nicht von ungefähr, der in den 1970er-Jahren errichtete Bau war schon mehrfach auf der Leinwand zu sehen. Etwa in dem Spielfilm „Arschkalt“ von Regisseur André Erkau (Deutschland, 2011). Oder in der ZDF-Fernsehserie „Unter anderen Umständen“. Da ist der Wikingturm sogar im Vorspann zu sehen.

Der Wikingturm in Schleswig – markantes 90 Meter hohes Hochhaus.
Der Wikingturm in Schleswig – markantes 90 Meter hohes Hochhaus. Foto: Melanie Huber

Schleswig: Bekannt aus der Serie „Der Landarzt“

Aber nicht nur das achteckige Hochhaus ist durch Film und Fernsehen bekannt, sondern auch die Fischersiedlung Holm: Mehrmals schon diente die Siedlung nahe der Schleswiger Innenstadt als Filmkulisse für die Serie „Der Landarzt“. Nachvollziehbar: Das Viertel wirkt seltsam abgehoben von der Wirklichkeit. Und das auf mehreren Ebenen. Wer auf dem Holm lebt, lebt hier seit Generationen – und ist Mitglied der Totengilde, der Holmer Beliebung.

Die Traditionen der seit 1650 bestehenden Zweckgemeinschaft aus Familien unterschiedlichen Standes werden noch heute gepflegt. Jedes Jahr nach Pfingsten findet eine Totenfeier statt; Beliebungsbrüder in Festtracht mit Zylinder, die durch den Holm ziehen.

Den Tod haben die Holmer Bewohner immer vor Augen, denn in der Mitte des zwei Straßen umfassenden, äußerst hübschen Quartiers liegt der Friedhof. Um ihn herum sind die malerischen Häuser im Kreis angelegt. Hier hat man den Tod schon beim Frühstück am Tisch. Das ist genauso bizarr wie faszinierend. Holm heißt auf Dänisch übrigens „kleine Insel“, und tatsächlich war der Holm bis 1933 eine. Dann wurde er mit der Stadt verbunden.

„Tatort“-Dreh in Schleswig: „Borowski und der brennende Mann“

2012 wurden hier Szenen für die „Tatort“-Folge „Borowski und der brennende Mann“ gedreht: auf der Freiheit in Schleswig. Die Freiheit ist einer der jüngsten Ortsteile von Schleswig. Erst seit 2010 ist dies ein Wohngebiet. Zuvor war die Freiheit lange Zeit Kasernengelände – und ein beliebter Strandabschnitt.

Das ist sie noch immer, die Wege sind weitläufig und es gibt die „Heimat“ auf der Freiheit, ein Veranstaltungslokal. Stoff für weitere Filme bietet die Freiheit auf jeden Fall: Auf dem Boden des leeren Parkplatzes am Ufer etwa kann ich kreisrunde Reifenspuren sehen. Ich stelle mir Szenen mit jungen Erwachsenen vor, die abends mit ihren Autos zur Freiheit fahren, um dort ein paar Runden zu drehen. Im Hintergrund die abendglitzernde Schlei. Und aus der „Heimat“ tönt Schlager. Den Film würde ich mir ansehen.