„Weiße amerikanische Wilde, die zum Teil ein Neandertaler ist, kommt nach Afrika und schießt eine der seltenen schwarzen Giraffen nieder. Ihr Name ist Tess Thompson Talley. Bitte teilen“ – diesen provokanten Post teilte die afrikanische Zeitung „Africaland Post“ auf ihrem Twitter-Kanal „Africaland“ zusammen mit zwei Bildern der besagten Amerikanerin, auf denen sie stolz ihre Beute präsentiert:

Viele der Twitter-Nutzer kommentieren sehr selbstkritisch

Und die Leser kamen der Bitte nach. Sie teilten den Beitrag nicht nur beinahe 32.000-mal (Stand: 22. Juni), sie kommentierten auch fleißig. „Solche Menschen machen mich wütend“, schreibt einer. „Sie verdient es, dafür im Gefängnis zu verrotten. Das wäre eine starke Nachricht an die Welt“, schreibt eine andere. 

Auch wenn der Ton des Tweets fragwürdig ist und einzelne Kommentare darunter grenzwertig (eine Twitter-Seite wünscht der Amerikanerin, dass sie von den Tieren, die sie erlegt hat, totgetrampelt wird), die Zeitung greift ein ernstes Thema auf.

Viele Kommentare der afrikanischen Nutzer sind entsprechend selbstkritisch: „Sie hat uns dafür bezahlt und wir sind selbst schuld. Wir hätten ihre Dollar nicht annehmen sollen, dann hätte sie dieses Tier nicht erschießen können“, schreibt eine Nutzerin.

Denn: Das Jagen der teilweise bedrohten Tierarten ist legal möglich. Auch in Europa und Deutschland bieten Reiseveranstalter Jagdreisen ganz legal an.

Deutsche Reiseveranstalter bieten Großwildjagden im Internet an

Wer nach den Worten „Großwildjagd“ und „Reise“ googelt, findet Seiten deutscher Anbieter, die mit Bildern werben, auf denen Reisende mit Waffen vor ihrer Beute posieren. Darunter: Gnus, Wildkatzen, Elefanten, Bären und Zebras. Ganz einfach sind konkrete Angebote für Reisen zu finden, auf denen Interessierte ebenfalls Jagd auf die genannten Tiere machen können.

So kostet zum Beispiel eine Jagdreise in Namibia mit 14 Jagdtagen „inklusive Erlegung eines Geparden“ 8.000 Euro bei K&K Premium Jagd, eine Jagdführung mit zehn Jagdtagen auf Elefanten in Simbabwe 2.600 US-Dollar (etwa 2.250 Euro) bei Blaser-Safaris.

Die Wildtierjagd ist ethisch und ökologisch äußerst fragwürdig

Was die Jäger dazu treibt, die Tiere zu töten? Sie sind stolz auf ihre Ausbeute von solchen Reisen: Je seltener die Art und je größer Hörner, Mähnen und Stoßzähne der getöteten Tiere, umso höher der Preis für den Abschuss und umso höher der Statusgewinn für den Erleger.

„Internationale Jagdverbände wie der CIC oder Safari Club International (SCI) führen sogar Rekordbücher oder vergeben Medaillen für die kapitalsten Trophäen“, schreibt die Tierschutzorganisation Pro Wildlife.

Genau wie auf der Website der Tierschutzorganisation beschrieben und genau wie die Jäger auf den Seiten der Jagdreiseveranstalter, posiert auch Tess Thompson Talley auf Bildern, die sie auf Facebook veröffentlicht, stolz vor ihrer Beute.

Auf den Fotos präsentiert sie sich mit ihrer Waffe mit den erlegten Wildtieren. Die Großwildjagd ist aber nicht nur ethisch, sondern auch aus ökologischer Sicht fragwürdig, schreibt Pro Wildlife. Die widernatürliche Auslese durch die Großwildjäger könne fatale Auswirkungen auf das Überleben der Tierarten haben.

Die afrikanische Zeitung fordert mehr Verantwortung gegenüber Wildtieren

Auch die „Africaland Post“ geht in einem weiteren Kommentar unter ihrem sehr emotionalen Post noch einmal auf das Problem ein und begründet: „Wenn unsere sogenannte Regierung nicht in der Lage ist, unsere Wildtiere zu schützen, dann ist es Zeit dafür, dass wir aufstehen und Verantwortung für unseren Kontinent, unsere Ländereien, unsere Ressourcen und unsere Wildtiere übernehmen!“

Tess Thompson Talley und Follower, die sie unterstützen, rechtfertigen die Großwildjagd auf Facebook, indem sie anführen, dass sie die Tiere ja nicht einfach liegen ließen, sondern dass die Jagd dazu da sei, Menschen zu ernähren.

Die Frage, weshalb sie gerade vom Aussterben bedrohte Tiere jagen und deren Leichen wie Trophäen auf Facebook präsentieren, bleibt unbeantwortet.

Bedrohte Tiere werden erlegt und als Souvenirs nach Deutschland eingeführt

Tatsächlich dürfen Großwildjäger die erlegten Tiere auch mit in ihre Heimatländer nehmen. Auch in Deutschland ist das legal möglich. Selbst Jagdtrophäen von streng geschützten Tieren dürfen nach Deutschland importiert werden. Die deutsche Politikerin Steffi Lemke, Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen, bewertet dies als „völlig absurd“. 

„Viele dieser Tiere sind durch Wilderei und den Verlust von Lebensräumen durch die Auswirkungen der Klimakrise ohnehin schon vom Aussterben gefährdet. Dass ausgerechnet diese bedrohten Arten mit ihren Hörnern, Häuten oder Ohren als Souvenirs herhalten müssen, macht fassungslos“, so die Politikerin.

Hunderte von Jagdtrophäen gefährdeter Tiere würden jährlich nach Deutschland importiert. Auf eine Anfrage der Grünen im September 2017 kam heraus, dass 2016 insgesamt 32 Leoparden, 13 Geparden sowie zwischen 2005 und 2015 82 afrikanische Elefanten und zwischen 2012 und 2015 drei Spitzmaulnashörner eingeführt wurden. Letztere sind vom Aussterben bedroht. 

Zwar ist es in Deutschland verboten, kommerziell mit den Tieren zu handeln, die Einfuhr für den Privatgebrauch ist aber möglich. Das Bundesamt für Naturschutz kann Genehmigungen für die Einfuhr erteilen.

Auch der illegale Handel mit Wildtieren hat enorme Ausmaße

Der illegale Handel mit Wildtieren floriert ebenfalls. Bei der größten globalen Fahndung, die jemals stattgefunden hat, wurden im Mai in 92 Ländern 43 Tonnen Wildfleisch von Bären, Elefanten, Krokodilen, Walen und Zebras sichergestellt sowie 1,3 Tonnen Elfenbein und 27.000 Reptilien. 

In Israel wurde ein Mann festgenommen, weil bei der Fahndung mehrere Wildtiertrophäen in seinem Haus gefunden wurden, darunter die Körper von Füchsen, Mungos und Schakalen. Die Ermittler konnten den Mann identifizieren, weil er Jagdbilder in den sozialen Netzwerken gepostet hatte.

Die Fahndung vom 1. bis 31. Mai richtete sich gegen Menschen und Netzwerke, die weltweit an Wildtierkriminalität beteiligt sind. An der Operation waren Polizei-, Zoll-, Grenz-, Wildtier-, Forst- und Umweltbehörden beteiligt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen veröffentlichte die Ergebnisse diese Woche.