Besuch im Penismuseum in Reykjavík: Wer hat den längsten?

Penis-Museum in Reykjavík: Wer hat den Längsten?

Es begann mit einem Geschenk, einem Walpenis, und endete in einer Sammlung von Exponaten: Ein kurioses Museum in Reykjavík stellt Penisse aus. reisereporterin Dörte war dort.

Mit diesem Penis eines Pottwals begann die Geschichte des Penismuseums in Reykjavík.
Mit diesem Penis eines Pottwals begann die Geschichte des Penismuseums in Reykjavík.

Foto: Dörte Nohrden

Todesmutig nagst du am Gammelhai, badest in Hot Pots und kletterst auf eben erst erloschene Vulkane. Es gibt bekanntermaßen Vieles, was einen Island-Trip einzigartig macht. Und dann gibt es die Laugavegur, Reykjavíks Haupteinkaufsstraße, gesäumt von gemütlichen Cafés, Street-Art und adrett dekorierten Souvenirgeschäften voller Touristenklimbim. Doch dann stehst du plötzlich in einem Raum voller Penisse…

Alles begann mit einem außergewöhnlichen Geschenk, einem Walpenis

Denn hinter der unscheinbaren Hausnummer 116 – nahe der Busstation Hlemmur – befindet sich das „The Icelandic Phallological Museum“, das weltweit einzigartige Penismuseum.

Was für den Gründer Sigurður Hjartarson 1974 aus Spaß begann, hat sich bis heute zu einem beliebten Museum von internationalem Ruhm entwickelt.

Museumsmanager Thordur Thordason präsentiert eines der Exponate.
Museumsmanager Thordur Thordason präsentiert eines der Exponate. Foto: Dörte Nohrden

Von einem Kollegen bekam der heute 77-jährige pensionierte Lehrer damals das beste Stück eines Wals geschenkt und begann damit eine Sammlung von – genau – Penissen. Das hat sich erst auf der Insel, später über Ländergrenzen hinweg herumgesprochen.

286 Penisse stehen im Museum in Reykjavík

1980 waren es noch 13, zur Museumseröffnung 1997 schon 62 gespendete Exemplare – und heute findest du auf der Ausstellungsfläche ganze 286 Penisse und Penisfragmente von 100 Spezies, über die Hälfte davon aus Island, Heimatkunde plus.

Vor sechs Jahren übernahm der Sohn des Gründers, Hjörtur Sigurðsson. Er holte das Museum, das zwischenzeitlich im nordisländischen Husavik beheimatet war, 2012 zurück nach Reykjavík und modernisierte es.

Gräuliche, getrocknete Geschlechtsteile von Meeressäugern ragen beängstigend starr und spitz in den Raum hinein, zu Lampenschirmen verarbeitete Stierhoden baumeln von der Decke, und rund herum in den Regalen verteilen sich Exponate in fünfprozentigem Formalin.

Konkurrenzloser Gigant des Museums ist der Pottwalpenis

Wie etwa der fleischige Penis eines Kleinen Tümmlers, der samt Hoden gerade eben in ein großes Einweckglas passt. Oder das beste Stück einer Giraffe, welches das Dromedar prompt in den Schatten stellt. Doch konkurrenzloser Gigant des Museums ist der Pottwalpenis.

Der Giraffenpenis (vierter v.l.) stellt so manch anderen in den Schatten.
Der Giraffenpenis (vierter v.l.) stellt so manch anderen in den Schatten. Foto: Dörte Nohrden

Mit stolzen 75 Kilogramm und 1,70 Meter Länge präsentiert er sich baumstammgleich in einem Riesenzylinder. Der Penisknochen eines Hamsters hingegen ist das kleinste Museumsstück – und nur mit einer Lupe zu erkennen.

Wie es sich für ein wissenschaftliches Museum gehört, ist jedes Exponat genauestens etikettiert und in meist elf Sprachen, inklusive lateinischer Bezeichnung, beschriftet.

Sogar Kataloge liegen bereit. Neben der folkloristischen Abteilung, in der unter anderem das unsichtbare Geschlechtsteil eines Elfen die Besucher amüsiert, sei natürlich auch das des Menschen von besonderem Interesse, erzählt Museumsmanager Þorður Þorðarson (Thordur Thordarson), der auch Schulklassen durch die Ausstellung führt.

100 Besucher lockt das Phallusmuseum täglich an

2011 füllte ein menschlicher Penis die lang währende Lücke der Phallussammlung. Bereits 15 Jahre vor seinem Tode versprach der Isländer Pall Arason dem Museum sein bestes Stück. Schließlich habe er als Womanizer besonders viele Frauen damit beglückt.

Als er im Alter von 95 Jahren schließlich starb, wurde sein Glied tatsächlich fachmännisch chirurgisch entfernt. Grau und verschrumpelt schwimmt es nun in Formalin.

Neben echten menschlichen Penissen gibt es im Penismuseum von Reykjavik auch Abdrücke der Penisse der isländischen Handballnationalmannschaft.
Neben echten menschlichen Penissen gibt es im Penismuseum von Reykjavik auch Abdrücke der Penisse der isländischen Handballnationalmannschaft. Foto: Dörte Nohrden

Daneben gibt es auch Abdrücke menschlicher Exemplare – eine Sammlung ist dem isländischen Handball-Nationalteam gewidmet, als Dank für die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Peking 2008. Die silbernen Abdrücke stammen aber nicht von den Originalen.

Für den Fall des Ablebens der jeweiligen Spender hängen bereits sechs weitere Schenkungsurkunden der Gattung Mensch an den Wänden – darunter die des erst 48-jährigen US-Amerikaners Jonah Falcon, dem derzeitigen Weltrekordhalter in Sachen längster Penis.

Doch über seine 34 Zentimeter, die er stolz auf einem Foto präsentiert, könnte der Elefant direkt nebenan wohl nur müde schmunzeln.

Durchschnittlich 100 neugierige Besucher verschlägt es täglich ins Phallusmuseum – bei einem Frauenanteil von 60 Prozent. Und wenn sich die automatische Glastür hinter ihnen wieder schließt, spazieren sie amüsierter, erstaunter und klüger als zuvor von dannen.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren
Zur
Startseite