Erster Eindruck: Es riecht nach faulen Eiern. Willkommen auf der Insel des Vulcanus! Der römische Gott des Feuers hat sich einen denkbar passenden Ort ausgesucht, um seine Wunderwaffen zu schmieden.

Das wird dir schon klar, bevor du einen Fuß auf die liparische Insel Vulcano setzt: Heftiger Schwefelgeruch schlägt dir schon an der Anlegestelle entgegen.

Das Eiland im Tyrrhenischen Meer nördlich von Sizilien ist nicht nur Namensgeber des Begriffs Vulkan, hier lässt sich auch Bekanntschaft mit einem Bilderbuchexemplar schließen: Zwischen Ginsterbüschen und Ziegenherden wanderst du in einer knappen Stunde hinauf zu den Aschefeldern am perfekt geformten Kraterrund. Oben lässt der göttliche Schmiedekünstler ordentlich Dampf ab, der Boden ist an vielen Stellen schweflig gelb.

Rauchzeichen: Der Feuergott lässt auf Vulcano Dampf ab.

Du könntest zwar auf den Grund des perfekt geformten Gran Cratere mit seinen 500 Metern Durchmesser hinabklettern, wie dies erkennbar schon mancher Besucher getan hat. Aber du solltest es tunlichst vermeiden: Da unten bilden sich leicht toxische Gase.

Vom Vulkan aus siehst du Lipari, Salina und Panarea

Versäumen solltest du allerdings keinesfalls, dich auch mal zur anderen Seite umzudrehen: Die Hauptinsel Lipari ist nur einen Katzensprung entfernt – du könntest beinahe hinüberschwimmen. In größerer Distanz lassen sich Salina, die Reicheninsel Panarea und sogar das beinahe gleichschenklige Dreieck des Strombolis ausmachen. Womit schon mal drei der sieben bewohnten Liparischen Inseln – auch Äolische Inseln genannt – aufgezählt wären.

Wieder hinabgestiegen auf Meeresshöhe empfiehlt sich noch schnell eine Open-Air-Fangopackung im Schlammloch, dem Vasca di Fanghi. Inmitten der Pfütze hocken die Gäste und schmieren sich andächtig Schwefelbrei ins Gesicht, der bei Rheuma, Hauterkrankungen und noch ein paar anderen Leiden Abhilfe schaffen soll. Abwaschen lässt sich die Pampe in den blubbernden warmen Meeresquellen ein paar Meter weiter.

Open-Air-Fangopackung im Schlammloch, dem Vasca di Fanghi auf Volcano.

Und wie lebt es sich auf einem schlummernden Vulkan, der als einer der gefährlichsten in Europa gilt – auch wenn der letzte Ausbruch schon mehr als 100 Jahre zurückliegt? „Ich schlafe prima“, sagt der Mittvierziger Renzo. Er kennt es nicht anders: Renzo ist hier geboren. „Unser Vulkan wird von Wissenschaftlern engmaschig überwacht“, sagt er.

Jedes noch so leichte Rumpeln wird gemessen, und das ist auch gut so: Im Sommer kommen täglich mehrere Tausend Gäste von Sizilien und den anderen Inseln herüber. Knapp 500 Einheimische leben hier ganzjährig.

Vulcano und Stromboli auf der Leinwand

Renzo weiß, was nur wenige Besucher wissen: „Der große italienische Star Anna Magnani hat 1949 hier in dieser Abgeschiedenheit gedreht.“ Ihr Film hieß, wen wundert’s, „Vulcano“ – und fand vor allem deshalb weltweit Aufmerksamkeit in den bunten Gazetten, weil zeitgleich der schwedische Hollywoodstar Ingrid Bergman drüben auf Stromboli, nun ja, „Stromboli“ drehte.

Unten am Strand von Volcano reihen sich die bunten Schiffe der Fischer aneinander.

Es handelte sich um ein echtes Konkurrenzunternehmen: Bergman hatte Magnani erst den Regisseur Roberto Rossellini ausgespannt und dann auch noch deren Rolle in „Stromboli“ weggeschnappt. So stellte Magnani kurzerhand ihr eigenes Hollywood-Melodram auf der Nachbarinsel auf die Beine, in dem sie ebenso wie Bergman als gequältes Frauengeschöpf an ein niederträchtiges Inselvölkchen gerät. Aufnahmen von speienden Vulkanen gehören in beiden Filmen gewissermaßen zum Bonusmaterial – und gut gehen leider beide Geschichten nicht für die Protagonistinnen aus.

Die Stromboli-Bewohner haben dieses sinnträchtig „Krieg der Vulkane“ genannte Kinoduell bestens vermarktet: Durch den Film nahm der Tourismus auf dem entlegenen Eiland seinen Aufschwung. Sowohl eine Bar Ingrid als auch eine Tafel an Bergmans damaligem Wohnhaus ehren die Schauspielerin auf Stromboli.

Der Vulkan gab der Insel Stromboli ihren Namen.

Heute quälen sich Touristen dort in Scharen hinauf zum mehr als 900 Meter hohen Gipfel, um vorrangig abends einen Blick auf das rot glühende Feuerwerk des hyperaktiven Vulkans zu werfen.

Die weniger schweißtreibende Alternative: Du lässt dich auf einem Boot aufs Meer hinausfahren und beobachtest aus der Distanz die Sciara del Fuoco – die Feuerrutsche, über die sich der Stromboli heißer Lava und Gesteinsbrocken entledigt.

Salina: Insider-Tipps vom Einheimischen

Bei so viel Explosionsgefahr kann zwischendurch ein entspannter Ausflug auf die grünste liparische Insel Salina nur guttun.

Während wir noch an der Bushaltestelle im Hafen von Santa Marina Salina warten, kommt ein älterer Herr daher, stellt sich als Alfredo vor und beginnt auf Italienisch eine Konversation. Wie sich herausstellt, betreibt Alfredo die Bar mit der besten Mandel-Granita auf ganz Salina – so steht’s jedenfalls im Reiseführer, den wir in der Hand halten und auf den Alfredo verweist.

Gerade aber hat er nichts zu tun, und so bittet er, in seinen rostigen Fiat Uno einzusteigen. Anderswo würde man einen billigen touristischen Schleppertrick vermuten, hier nicht. Anschnallen? Ach wo. Alfredo grinst über deutsche Sicherheitsbedenken. Dann kurvt er los über manchmal bedenklich schmale Sträßchen und gestikuliert frohgemut am Steuer. Er hat beschlossen, uns seine geliebte Insel zu präsentieren, allen sprachlichen Hindernissen zum Trotz.

„Salina ist die schönste von allen Inseln“, sagt er, wenn wir recht verstehen, im Brustton der Überzeugung. Da könnte er recht haben. Unterwegs verweist Alfredo hier auf die Reben, aus denen der goldgelbe, süße Malvasia-Wein gewonnen wird, und dort auf Felder voller Kapernsträucher: Für beide Produkte wird Salina im ganzen Land gerühmt. Dann lässt Alfredo die Gäste zwischen Wildrosen, Olivenbäumen und Thymiansträuchern aussteigen. Denn eine Wanderinsel ist Salina auch. „Oder soll ich Sie doch noch schnell zum Hafen zurückfahren?“

Auf Lipari ist mehr los

Wer es ein bisschen trubeliger mag, der ist auf der Hauptinsel Lipari richtig: Das gleichnamige Städtchen mit immerhin rund 6.000 Einwohnern verfügt sogar über eine Ausgehmeile, den Corso Vittorio Emanuele. Dort üben sich in der Hauptsaison sowohl Einheimische als auch Touristen in der Passeggiata, in der Kunst des Promenierens zwischen Boutiquen, Bars und Cafés.

Die Marina Corta auf Lipari lädt zu einem Spaziergang ein.

An beiden Enden des Korsos stößt du auf Häfen: Im Süden schaukeln in der Marina Corta bunt bemalte Fischerbötchen. Sowohl wettergegerbte Seebären als auch ausgehfreudige Stadtjugend treffen sich – fein voneinander getrennt – beim Nachmittagsplausch und genießen die sanfte Brise außerhalb der engen Gassen.

Im Norden der Flaniermeile bildet die Marina Lunga den Anlaufpunkt für die Tragflächenfähren, Aliscafi genannt, die im engen Takt zwischen den Liparischen Inseln hin- und herdüsen. Empfindsamen Gemütern kann es auf den Hochgeschwindigkeitsbooten schon mal schwummerig werden.

Auf der Hauptinsel Lipari wird der frische Fang direkt von Bord verkauft.

Frischer Fisch wird just neben der Anlegestelle in der Marina Lunga direkt vom Kutter feilgeboten. Wann die nächste Lieferung kommt? Bitte einfach auf die Möwen achten, die den Schiffen in den Hafen folgen!

Irgendwann steigt wohl jeder Lipari-Besucher den schon seit 6.000 Jahren besiedelten Stadtberg empor. Dort oben kann man die in ganz Italien gepriesenen archäologischen Museen besuchen, aber du kannst auch ganz einfach weit übers Tyrrhenische Meer schauen. In den letzten Strahlen der Abendsonne fängst du an zu überlegen, zu welcher Insel dein Ausflug am nächsten Morgen führen könnte.

Tipps für die Liparischen Inseln

Anreise: Flughäfen gibt es auf den Liparischen Inseln nicht, gerade diese Abgeschiedenheit macht ihren Reiz aus. Fähren starten von Palermo, Messina, Neapel oder Reggio Calabria. Von Milazzo in Siziliens Norden dauert die Überfahrt mit dem Tragflächenboot nach Lipari nur eine knappe Stunde. Aber Achtung: Wer auf dem Rückweg ein bestimmtes Flugzeug erwischen muss, sollte bedenken, dass bei starkem Wind auch immer wieder Verbindungen ins Wasser fallen – die Fähren sind stark windanfällig. Mit einer Zwischenübernachtung auf Sizilien bist du auf der sicheren Seite.

Beste Reisezeit: Von März bis November, in der Hauptsaison im Juli/August wird’s allerdings mächtig voll, vor allem auf der Hauptinsel Lipari. Das Klima ist mediterran.

Wo wohnen? Wem das Insel-Hopping keinen Spaß macht, dem sei Lipari als Basis empfohlen. Von hier aus lassen sich die anderen Inseln per Tagesausflug erreichen, Vulcano zum Beispiel in wenigen Minuten, nach Stromboli dauert die Überfahrt deutlich länger. 

Veranstalter: Studiosus beispielsweise hat Gruppenreisen zwischen acht und 14 Tagen im Programm. Die achttägige Variante „Urlaubstage im Lavaland“ in kleiner Gruppe mit Übernachtungen in familiengeführten Hotels kostet mit Flug ab 1.745 Euro. Marco Polo bietet eine achttägige Entdeckerreise mit Flug ab 1.399 Euro an.

Diese Reise wurde finanziert von Studiosus.