Unterwegs in der Túnel-Brennerei | reisereporter.de

Mallorca mit Schwips: Hier entsteht der Túnel

Wohl kaum ein Urlaub auf Mallorca vergeht, ohne Túnel zu kosten. Dass die Brennerei erfolgreich exportiert, hängt auch mit heimkehrenden Urlaubern zusammen, die das Getränk in Deutschland populär machten.

Fabrikleiter Biel Àngel Morey Garau vor der Destille.
Fabrikleiter Biel Àngel Morey Garau vor der Destille.

Foto: Höland

Ein Industriegebiet am Rande von Palma: Eine Lagerhalle reiht sich an die andere, auf der Straße stauen sich die Sattelzüge in der prallen Sonne. In der Luft liegt ein zartes Anisaroma. Es ist die Hauptzutat des Túnel-Likörs, mit dem es die hier ansässige Brennerei Antonio Nadal zu beachtlicher Größe gebracht hat.

Angefangen hat deren Geschichte vor 125 Jahren. Und dass der Name des Likörs an das deutsche Wort „Tunnel“ erinnert, hängt dem heutigen Fabrikdirektor Biel Àngel Morey Garau zufolge unmittelbar mit dem damaligen Zeitgeschehen zusammen: Die ursprüngliche Brennerei lag bei Sóller, und 1898 begannen nebenan die Bauarbeiten für den Tunnel, der das Bergdorf mit Palma verbindet. Zugleich suchte der damalige Eigentümer einen Namen für seinen Anislikör – Túnel war geboren.

Túnel: Hinein dürfen nur ausgewählte mallorquinische Kräuter

Doch obwohl die Brennerei seitdem zweimal umgezogen ist und der Besitzer wechselte, hat sich an der Herstellungsweise wenig verändert, wie Morey Garau bei einer Führung entlang der riesigen Tanks in der Halle betont.

Im ersten Schritt setzen die Brauer ein sogenanntes Mazerat aus Wasser und mallorquinischen Kräutern an, um die Aromen aus den Kräuterpflanzen zu lösen. Dabei seien besonders Kamille, Melisse, Rosmarin, Fenchel, Orange sowie Zitrone und Zitronengras für das Aroma entscheidend, wie Morey Garau erklärt – während ihn vor dem Mischbehälter eine regelrechte Kräuterduftwolke einhüllt.

Das eigentliche Brennen des Schnapses nennt er „unkompliziert“: Grüner Anis und Sternanis liegen einen Tag lang in einem Gemisch aus Alkohol und Wasser, bevor die Destille ihre Arbeit verrichtet. Dann erfüllt ein starker Anisgeruch die Hallen, während das Gemisch in der Destille verdampft. Im Kondensator wird der Dampf wieder abgekühlt und es entsteht ein flüssiger Anisschnaps.

Fabrikdirektor Biel Àngel Morey Garau vor der Túnel-Destille.
Fabrikdirektor Biel Àngel Morey Garau vor der Túnel-Destille. Foto: Höland

All das geschieht in einer Destille aus Deutschland – „dort werden die besten gebaut“, bekundet Morey Garau augenzwinkernd.

Die Destille wurde in Deutschland gekauft

Vermischt werden das Mazerat und der Anisschnaps in riesigen Tanks – was von außen gesehen unspektakulär abläuft, weil die Deckel geschlossen bleiben müssen. Und auch das Abfüllen unterscheidet sich kaum von Brauereien und Brennereien anderswo: Flasche um Flasche läuft über die Fließbänder, allein für Túnel mehr als 1,5 Millionen im Jahr.

Am Band zeigt sich, dass die Brennerei noch mehr Liköre herstellt: Etiketten für Karamellliköre, Rum und Wodkagemische liegen schon bereit. Insgesamt stelle sein Unternehmen etwa 200 Schnäpse und Liköre her, sagt Morey Garau.

Lange Regale: Mittlerweile stellt die Brennerei rund 200 Schnäpse und Liköre her.
Lange Regale: Mittlerweile stellt die Brennerei rund 200 Schnäpse und Liköre her. Foto: Höland

Trotzdem bleibt Túnel das Hauptprodukt, dass diesen Erfolg erst möglich gemacht habe: Denn vor etwa 25 Jahren wollte ein deutscher Großhändler den Anislikörhersteller aufkaufen. Die Brennerei lehnte ab, begann stattdessen zu exportieren.

Eine lukrative Entscheidung, mittlerweile verkauft sich Túnel laut Morey Garau in Deutschland besser als auf Mallorca – auch dank der Touristen, die das ihnen aus dem Urlaub vertraute Getränk in Deutschland bekannt gemacht hätten.

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