Kunst auf Mallorca – Picasso und Sex | reisereporter.de

Es-Baluard-Museum: Panoramen, Picasso und Sex

Schon seit Langem beherbergt Mallorca eine Kunstszene. Und die ist ganz schön mutig. Wie mutig, das zeigt sich im Es-Baluard-Museum für zeitgenössische Kunst in Palma. Sightseeing der anderen Art.

Trotz bester Lage kein Touristenmagnet: Lange Warteschlangen sucht man vor dem Museum oft vergeblich.
Trotz bester Lage kein Touristenmagnet: Lange Warteschlangen sucht man vor dem Museum oft vergeblich.

Foto: Höland

Lange Warteschlangen suchst du vor dem Bau am Rande der Altstadt von Palma de Mallorca oft vergeblich. Dabei ist das Gebäude alles andere als unauffällig: Große Installationen säumen den Vorplatz, das Museum „Es Baluard“ selbst ist in einer umgebauten alten Festungsanlage untergebracht.

Innen erinnert wenig an das einstige Gemäuer. Stattdessen ist ein mehrgeschossiges Gewirr aus Treppen, langen Fluren sowie kleinen und großen Ausstellungsräumen entstanden.

Letztere widmen sich verschiedenen Kapiteln zeitgenössischer und moderner Kunst, die lose einen Bezug zu den Balearen hat: Ölgemälde Antonio Gelaberts zieren die Wände. Der Mallorquiner hat zahlreiche Alltagsszenen und Panoramen seiner Heimat Anfang des 20. Jahrhunderts auf Leinwand gebannt – und oft genug farbenfroh verändert.

Schon in den ersten Ausstellungsräumen wird dabei die Nähe Mallorcas zur französisch-spanischen Kunstszene im 20. Jahrhundert offensichtlich: Nebst einigen Keramiken von Pablo Picasso zeigt das Museum zahlreiche Gemälde von Joan Miró, der zu den bekanntesten Vertretern der klassischen Moderne gehört. Zwischen Kubismus und Surrealismus bewegen sich die Werke, deren Interpretation oft genug eine herausfordernde Denksportaufgabe darstellt.

Gewalt und Sex im abgedunkelten Keller

Der ganze Mut der Kuratoren offenbart sich aber erst im abgedunkelten Keller: Derzeit laufen dort Filme des mallorquinischen Künstlers Bernardí Roig. Und dessen Schwarz-Weiß-Filme haben es dank expliziter Gewalt- und Sexszenen in sich.

So flimmert auf einer der Leinwände die Nahaufnahme eines dicklichen Mannes, der sich selbst den Mund zunäht, ihm gegenüber ein einarmiger Gitarrenspieler, dessen Riffs den ganzen Raum ausfüllen. Und hinter einem Vorhang erwartet die Besucher eine absolut explizite Szene eines Paares beim Oralsex – ebenfalls in Schwarz-Weiß und mit spektakulärer Kameraführung.

Für Kinder ist das definitiv nichts, und auch manchen arglosen Besucher treiben diese Bilder rückwärts zur Tür hinaus. Alle anderen kommen im Es Baluard auf ihre Kosten und kriegen einen Nachmittag abseits der Touristenströme geboten. Und weil das Es Baluard nicht allzu groß ist, reicht es, für einen Besuch zwei bis drei Stunden einzuplanen.

Wer sich dann noch nicht satt gesehen hat, kann sich übrigens in den nahe gelegenen Galerien umsehen. Von denen haben sich viele in der Umgebung des Museums angesiedelt.

Es-Baluard-Museum für moderne und zeitgenössische Kunst | Plaça de la Porta de Santa Catalina, 10, 07012 Palma | Die Ausstellung von Bernardi Roig läuft noch bis September 2018

Zu den Mallorca Top Deals
Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Zur
Startseite