Nicht weit vom Küstenort Byron Bay liegt, versteckt in den grünen Hügeln Australiens, ein kleines Dorf namens Nimbin. Seit Jahren beherbergt dieses Dorf eine ganz bestimmte Klientel: Kiffer.

Nimbin ist berühmt für seine Hippie-Szene und seinen unkomplizierten Umgang mit dem grünen Kraut mit der berauschenden Wirkung. In Byron Bay gibt es gleich mehrere Anbieter, die ganze Horden von Backpackern mit Reisebussen in das Kifferparadies rund 70 Kilometer im Landesinneren kutschieren – und ich war einer dieser Backpacker.

Die Fotos sahen vielversprechend aus, das Image des Dorfs hörte sich entspannt an, und der knallbunt bemalte Bus versprach eine unterhaltsame Fahrt.

Sicherheitsanweisungen im „Groove-Bus“

Am Morgen machten wir uns also im sogenannten „Groove-Bus“ auf die eineinhalb Stunden lange Fahrt nach Nimbin. Der Bus war ausgebucht, über die Lautsprecher lief „White Rabbit“ von Jefferson Airplane, und unser Guide hatte lange Dreadlocks – mehr Kifferklischee ging also nicht.

Mit dem knallbunten Bus geht es von Byron Bay nach Nimbin.
Mit dem knallbunten Bus geht es von Byron Bay nach Nimbin. Foto: Facebook/Alex Quast

Während der Fahrt gab uns unser Guide aber ein paar Tipps für den Besuch im Hippie-Dorf. „Kauft euer Marihuana nicht beim Erstbesten. Geht in die kleinen Hinterhöfe, da kriegt ihr besseres Gras für weniger Geld“, lautete sein Ratschlag. Alle im Bus hörten genau hin und waren voller Vorfreude auf den anstehenden Rausch unter Hippies.

Die letzte Info, die uns unser Guide kurz vor der Ankunft in Nimbin noch an die Hand gab, betraf die Polizei: Kiffer hätten hier eigentlich nichts zu befürchten, meinte er. Die Polizei würde das Marihuana tolerieren und immer nur ein einziges Mal im Jahr eine Razzia im Dorf machen, um ihre Quote zu erfüllen. Nur ein einziges Mal im Jahr. Good to know.

Dichter Rauch macht sich/dich breit

Bisher war der Tagestrip also super: gute Stimmung, tolle Landschaft, nette Leute – alles entspannt. Auch bei der Ankunft in Nimbin war es ein Fest, in den empfohlenen Gassen und Hinterhöfen von den teils uralten Hippies Marihuana zu kaufen. Nach kürzester Zeit hatten alle die Taschen voller grüner Knollen.

Alltag in Nimbin: Althippies sitzen auf der Straße und kiffen.
Alltag in Nimbin: Althippies sitzen auf der Straße und kiffen. Foto: imago/imagebroker/giovannini

Gemeinsam setzten wir uns auf einen Parkplatz mit Blick auf die Hügellandschaft und ließen einen Joint rumgehen. Mit so einer heftigen Wirkung hatten wir aber nicht gerechnet: Innerhalb weniger Minuten kamen wir alle kaum noch zurecht und standen mit feuerroten Augen wie angewurzelt auf der Hauptstraße des Dorfs.

Der Rauch verfliegt – und ein Dorf rennt

Eigentlich kein Problem, so machen das schließlich fast alle in Nimbin. Dieser Tag – ausgerechnet dieser eine Tag! – sollte aber anders werden. Denn plötzlich kam ein ganzer Autokorso aus alten VW-Bullis und verrosteten Volvos die Hauptstraße hochgerast, Hippies hingen aus den Autofenstern und schrien durch die Straße: „Die Cops kommen! Schnell weg! Razzia!“

Während ich und meine berauschten Weggefährten zu keinerlei Reaktion in der Lage waren, sah ich, wie sich ein Polizeitrupp mit Spürhunden den Weg durch die Hauptstraße in unsere Richtung bahnte. Der eben noch so dichte Rauch im Dorf verflog urplötzlich und wir rannten, gemeinsam mit einer Horde Althippies und etlichen anderen Touris, bergab in eine kleine Wohnsiedlung.

Auch die Geschäfte an der Hauptstraße von Nimbin werden bei den seltenen Razzien untersucht.
Auch die Geschäfte an der Hauptstraße von Nimbin werden bei den seltenen Razzien untersucht. Foto: Facebook/Australian Hemp Party

Ja, das war wirklich eine völlig absurde Szene: Stell dir mal knapp 100 völlig bekiffte Menschen vor, die gemeinsam, breit grinsend, einen Hügel hinablaufen, die Polizei im Nacken.

Nach ein paar Hundert Metern leitete uns jemand in einen kleinen Hintergarten und verschloss das Tor. Hier konnten uns die Beamten nicht finden. Nach einer knappen Stunde gab es Entwarnung, wir konnten wieder auf die Straße und fuhren, ohne Festnahme, im „Groove-Bus“ zurück nach Byron Bay.

Was für unfassbares Pech, ausgerechnet den jährlichen „Razzia-Tag“ erwischt zu haben. Entspannt war dieser Trip nicht. Aber: Im Nachhinein war die Situation einfach nur witzig. Highlight für mich: der Eigentümer des Hintergartens, in dem wir uns versteckten, der nichts Besseres zu tun hatte, als während der Razzia allen „Flüchtigen“ im Garten seine Hasch-Kekse zu verkaufen. Lektion: Hippies lassen sich ihren Frieden einfach nicht nehmen.