Für einen kurzen Moment wird der markante Mann mit Goldkette, Sonnenbrille und kurzer weißer Hose nachdenklich. „Wenn ich das gewusst hätte“, sagt er und wiederholt gequält lächelnd: „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich lieber ein deutsches Bauunternehmen einfliegen lassen – es wäre alles dreimal so schnell gegangen.“

Peter Rebmann steht neben einem Leuchtturm auf Pearl Island, einer von insgesamt 700 Inseln der Bahamas, von denen nur 35 bewohnt und gerade einmal 16 erschlossen sind. Pearl Island ist seit Kurzem: seine Insel. Für die nächsten 20 Jahre hat sie Rebmann gepachtet und will aus ihr einen Touristenmagneten machen. „Mit der Option auf weitere 20 Jahre“, sagt er. Schaffe, schaffe, Häusle baue? Schwabe Rebmann interpretiert den Spruch aus seiner Heimat anders: Schaffe, schaffe, Insel kaufe. Und er hat Großes vor.

Eigene Insel: Von der Vision zur Eröffnung

Der 55-Jährige hat sich (s)einen Traum erfüllt. Von 1993 bis 2006 führte die Insel ein Bahamaer, danach passierte zehn Jahre lang nichts. „Wir hatten zwar von Beginn an eine Vision und eine ziemlich genaue Vorstellung, allerdings anfangs sehr mit Renovierungsarbeiten zu kämpfen“, erzählt Rebmann.

Am 3. Juni 2016 knallten auf Pearl Island – gleichermaßen Tagesausflugsziel, Ruhestätte und Veranstaltungsort – die Eröffnungssektkorken. Viermal hatte der Auftakt verschoben werden müssen. Rebmann ist ein ungeduldiger Mann, ein Macher, dem es im Sinne des Erfolgs nicht schnell genug gehen kann. Einen Koch hat er unlängst ausgetauscht, weil der zu viel Zeit mit der Dekoration und Verzierung der Gerichte verbrachte.

Privatstrand und sogar ein eigener Leuchtturm: Rebmann hat sich seinen Traum auf den Bahamas erfüllt.
Privatstrand und sogar ein eigener Leuchtturm: Rebmann hat sich seinen Traum auf den Bahamas erfüllt. Foto: Pearl Island Resort
Genauer gesagt: der Conchgerichte. Die Conch (gesprochen: „Konk“) ist eine Fechterschnecke, die vorzugsweise im Seegras im flachen Wasser lebt. Conchfleisch ist reines Muskelfleisch und schmeckt ähnlich wie frischer Tintenfisch. Gegessen wird es auf den Bahamas immer und überall. Morgens, mittags, abends, als Hauptspeise, als Salat, als Suppe, als Snack zwischendurch, wahlweise auch weich geklopft und frittiert, gebeizt in Limonensaft oder mit scharfen Chilis. „Bei uns gibt es die beste Conch der Bahamas“, sagt Rebmann. Das reklamieren übrigens alle für sich.

Die ehrgeizigen Pläne eines Auswanderers

„Unser Ziel ist es, Partnerschaften mit allen großen Kreuzfahrtlinien aufzubauen, die den Hafen von Nassau ansteuern“, sagt Rebmann. Nassau, die Hauptstadt der Bahamas, ist für die meisten Urlauber nicht nur erster, sondern fahrlässigerweise auch einziger Anlaufpunkt ihres Aufenthalts.

Hier, auf der Insel New Providence und der vorgelagerten Urlaubsinsel Paradise Island, leben rund 260.000 der 350.000 Einwohner. Einer von ihnen ist seit inzwischen sieben Jahren Peter Rebmann. Von seinem Balkon aus kann er Pearl Island sehen, mit dem Boot ist seine Insel in 20 Minuten zu erreichen.

60 Prozent der Bahamaer sind im Tourismus beschäftigt. Ihnen ist bewusst, dass sie häufig auf schwimmende Schweine und James-Bond-Filme – „Casino Royale“, „Feuerball“ und dessen 1983 erschienene Neuverfilmung „Sag niemals nie“ sind hier gedreht worden – reduziert werden.

Die Bahamas sind berühmt für die schwimmenden Schweine.
Die Bahamas sind berühmt für die schwimmenden Schweine. Foto: Günter Fermski
Und wer mag, der bekommt tatsächlich von einheimischen Touristenführern in nur wenigen Stunden das Einmal-bitte-alles-Paket serviert: Mit dem Boot geht es dann zum Schnorcheln in die James-Bond-Buchten, zum Schwimmen mit Ammenhaien zum Compass Cay (die Tiere haben hier sogar Namen und heißen etwa Woody, Jack oder Hermann). Weiter zu einer Insel, die von Bahamian Rock Iguana, einer seltenen Tierart, bewohnt wird – und, na klar, zu den schwimmenden Schweinen, die (kein Scherz!) mit @TheSwimmingPigs sogar einen eigenen Instagram-Kanal haben.

Die Bahamas haben mehr zu bieten, als nur schwimmende Schweine

Doch was bitte soll eigentlich die Attraktion sein an fünf Schweinen, die zu den ankommenden Booten schwimmen, um gefüttert zu werden? Es waren Farmer, die vor rund 30 Jahren die Vierbeiner auf Big Major Cay aus praktischen Erwägungen aussetzten – auf der unbewohnten Insel brauchte man schließlich keine Zäune. Heute wollen die Bahamas weg von ihrem Schweine-Image – denn sie haben gewiss mehr zu bieten. Viel mehr.

Den Glanz der Exumas, der Inseln, auf die sich die Schönen und Reichen gern zurückziehen: Magier David Copperfield hat sich die kleine Privatinsel Musha Cay zugelegt, Schauspieler Johnny Depp hat sich eingekauft. Die Ruhe, das Wasser, die Strände und die Schlichtheit: Mehr als ein Drittel der Fläche der Bahamas ist Naturschutzgebiet, es gibt 27 Nationalparks mit einer Gesamtfläche von mehr als 4.000 Quadratkilometern.

Der deutsche „George“ auf Long Island

Ortswechsel. Long Island, eine dem Namen entsprechend lang gezogene Insel mit nur einer einzigen durchgehend geteerten Straße. 130 Kilometer ist der Long Island Expressway lang, Ampeln oder Zebrastreifen gibt und braucht es nicht.

Der Rheinländer Jörg Friese, den hier alle nur George nennen, ist seit 1965 auf Long Island. Mit Frau und Kind hatte er damals Deutschland wegen einer Zeitungsanzeige verlassen in der Erwartung, ein Hotel vorzufinden, das er betreiben konnte. „Kein Telefon, keine Mechaniker, keine Touristen, kein Strom – wir waren viel zu dumm und viel zu jung. Und wir hatten auch kein Geld für ein Rückflugticket“, erzählt der 75-Jährige. Am zweiten Tag hatte dazu Hurrikan „Betsy“ das junge Ehepaar überrascht. „Das war unser Einstand auf Long Island“, sagt George und lacht herzlich.

Jörg „George“ Friese (75) hatte keinen leichten Start auf den Bahamas.
Jörg „George“ Friese (75) hatte keinen leichten Start auf den Bahamas. Foto: Günter Fermski
Aufgeben war für den Piloten keine Option. Friese ist ein Macher, der in sich ruht, überlegt und besonnen spricht. Man hört ihm gern zu, fotografieren lässt er sich nur ungern, so schüchtern ist er. „Die Bahamas spüren zehn Jahre nach der Wirtschaftskrise in den USA noch immer die Folgen“, erzählt er.

Mit dem Stella Maris Resort, das seine Tochter Jill Smith führt, hat er ein kleines Wohnparadies geschaffen, das 2.000 Gäste pro Jahr beherbergt. Mit seinem Sohn Joel betreibt er einen privaten Flugdienst. Zwei Maschinen hat er. „Wir brauchen eigentlich drei.“

190 Kilometer ist Long Island lang, zwischen 20 und 32 Kilometer breit. Die Hauptattraktion, ein mystischer Ort der absoluten Ruhe, liegt versteckt. Lediglich ein handgemaltes Schild weist dem Besucher den Weg durch Gestrüpp und Hügel hin zum Dean’s Blue Hole, einer runden unterseeischen Doline, die bis vor Kurzem als tiefste der Erde galt.

Beliebtes Reiseziel für Taucher: Deans Blue Hole auf Long Island.
Beliebtes Reiseziel für Taucher: Deans Blue Hole auf Long Island. Foto: Günter Fermski

Dean’s Blue Hole ist das Mekka der Freediver

202 Meter tief ist Dean’s Blue Hole, und es verfügt über ideale Bedingungen für das Apnoetauchen. Dabei versucht man, mit nur einem Atemzug möglichst tief hinabzugleiten. Vor einem Jahr wurde in China ein noch profunderes Loch entdeckt, das Dragon Hole. Es misst 300 Meter, ist aber schwer zugänglich, weil es auf offener See liegt.

Dean’s Blue Hole bleibt das Mekka der Freediver, wie die Extremsportler im Englischen genannt werden. Kein Kiosk, kein Bademeister, keine Tauchschule. Einfach nur: paradiesische Ruhe. Und zum Glück: keine Schweine.

Tipps und Infos für die Bahamas-Reise

Anreise: Mit British Airways geht es viermal die Woche über London nach Nassau. Lufthansa bietet beispielsweise Verbindungen von Frankfurt über Miami oder Atlanta an.

Beste Reisezeit: Die Bahamas liegen südlich von Florida und östlich von Kuba. Die Hauptreisezeit ist zwischen Dezember und Mai. Zwischen August und November können Hurrikane auftreten.

Unterkünfte: Hotels, Appartements und Ferienhäuser gibt es in allen Preisklassen – vor allem aber im gehobenen Preissegment.

  • British Colonial Hilton, Nassau: Das Hotel befindet sich auf einem acht Hektar großen, tropischen Gelände mit kleinem Strand und direktem Blick auf den Kreuzfahrthafen.
  • Grand Hyatt Baha Mar, Nassau: Das Luxushotel mit mehr als 700 Zimmern besitzt ein eigenes Kasino, mehrere Pools und einen großen Spabereich. Es liegt an einem der schönsten Strände auf New Providence – Cable Beach.
  • Stella Maris Resort, Long Island: Zimmer gibt es in sämtlichen Kategorien, zum Strand gibt es kostenlose Shuttlefahrten, außerdem werden zahlreiche Tagesausflüge gegen Gebühr angeboten.

Reisen auf den Bahamas: Alle Inlandsflüge gehen jeweils nur von und nach Nassau. Direktes Inselhopping ist also nur mit dem eigenen Boot möglich.

Weitere Informationen: www.bahamas.com/de