Sarajevo steht selten auf der Bucket List von Reisenden – dabei ist die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina ein beeindruckendes Reiseziel. Sie liegt im Herzen der Dinarischen Alpen und ist damit von vielen Bergen umgeben. Die bekanntesten sind Trebević, Jahorina, Igman und Bjelašnica. Dort wurden 1984 auch die Olympischen Winterspiele ausgetragen.

Vier Jahre Belagerung

Wenige Jahre nach dem großen Sportereignis begann der Zerfall Jugoslawiens: Slowenien und Kroatien erklärten am 25. Juni 1991 ihre Unabhängigkeit, auch Bosnien und Herzegowina strebte nach der Abspaltung. Dies führte zu Spannungen zwischen den drei größten ethnischen Gruppen – muslimischen Bosniaken, bosnischen Serben und bosnischen Kroaten.

Der Konflikt eskalierte und mündete im Frühjahr 1992 in der Belagerung Sarajevos. Bosnisch-serbische Truppen und Teile der Jugoslawischen Volksarmee umzingelten 1425 Tage lang die Hauptstadt. Fast vier Jahre lang gab es nicht genügend Lebensmittel, keinen Strom und keine Heizung.

Ende 1995 unterschrieben der serbische Präsident Slobodan Milošević, der kroatische Präsident Franjo Tudjman und der bosnisch-herzegowinische Präsident Alija Izetbegović in Paris den sogenannten Friedensvertrag von Dayton. Am 29. Februar endete die Belagerung von Sarajevo offiziell.

Sonnenuntergang über Sarajevo. Die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina hat eine bewegte Vergangenheit.

Aktuelle Deals

Spannende Architektur

Die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina trägt auch heute noch Narben der fast vierjährigen Belagerung. Wer durch die Stadt läuft, wird außerdem auch die ein oder andere „Rose von Sarajevo“ entdecken. Dabei handelt es sich um ehemalige Krater. Im Schnitt schlugen während des Bosnien-Krieges etwa 300 Geschosse in der Stadt ein. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben die Stellen mit rotem Harz markiert – die Gedenkstätten erinnern daran, dass an dieser Stelle ein Mensch zu Tode kam.

Außerdem sehen Touristinnen und Touristen auch heute noch Einschusslöcher in den Hauswänden und halbe Ruinen. Trotzdem: Architektonisch gesehen ist die Stadt wahnsinnig spannend. Entlang des Flusses Miljacke und am Rande der Altstadt stehen Häuser aus der osmanischen Zeit, also aus dem 18. Jahrhundert. Die Altstadt selbst wird durch den im 15. Jahrhundert angelegten Marktplatz, den Baščaršija, dominiert, auf dem kleine Hütten aus Holz stehen. In manchen gibt es Souvenirs, Gewürze und Lebensmittel zu kaufen, andere sind Cafés, Pubs und Restaurants.

Auf dem Vorplatz des Basars Baščaršija steht der Brunnen Sebilj.

Alle Religionsgemeinschaften sind auf so dichtem Raum zu finden wie kaum an einem anderen Ort. Im alten Stadtkern steht auch die Gazi-Husrev-Beg-Moschee aus dem Jahr 1530, es ist die älteste und größte von mehreren Moscheen der Stadt.

Wenige Meter weiter stehen die römisch-katholische Kathedrale Herz-Jesu und die orthodoxe Kathedrale Mariä-Geburt. Auf der anderen Seite des Flusses steht die Synagoge von Sarajevo – sie gilt als drittgrößte Europas und wurde 1902 gebaut. In einer ehemaligen evangelischen Kirche ist inzwischen die Akademie der Künste untergebracht. 

Gehst du am Miljacke Richtung Osten, wähnst du dich fast in Wien. In der Kaiserlichen und Königlichen Zeit wurde Bosnien von der Österreichisch-Ungarischen Regierung annektiert. Neben dem im pseudo-maurischen Stil mit Streifen errichteten Rathaus, in dem auch die Nationalbibliothek untergebracht ist, sind zahlreiche Wohnhäuser in den markanten Pastellfarben des Historismus erhalten geblieben. 

Die österreichisch-ungarische Besetzung Bosnien und Herzegowinas hat auch in Sarajevo architektonische Spuren hinterlassen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

In den 1980er-Jahren entstanden mit den zwei Unis-Türmen die ersten beiden Hochhäuser mit Glasfronten. Firmen wie Microsoft, Ericsson und DHL haben hier ihre Büros.

Inzwischen gibt es auch moderne Shoppingmalls wie das City Center. Der Avaz Twist Tower ist ein hochmoderner Bürogebäudekomplex mit 40 Stockwerken auf 142 Metern. 

Gebäude spiegeln sich im Fluss Miljacka, der durch Sarajevo fließt.

Kunst, Kultur und Geschichte

Eines der bekanntesten Bauwerke Sarajevos ist die Lateinerbrücke. Dort ermordete Gavrilo Princip 1914 den österreich-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Ehefrau Sophie. Dieses Attentat gilt als Beginn des Ersten Weltkrieges.

Gegenüber der Brücke wurde das Sarajevo Museum errichtet, das die Geschichte der Stadt abbildet. Das Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina beschäftigt sich mit der Geschichte des gesamten Landes. Von 2012 bis 2015 musste das Museum geschlossen bleiben, die verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Landes konnten sich nicht auf die Finanzierung einigen, auch soll es Querelen um die Darstellung der Geschichte gegeben haben. 

Der Sarajevo-Tunnel ist ein kleines, letztes Stück der Unterführung, durch die Sarajevo während der Belagerung mit Nahrung, Medikamenten, Waffen und Treibstoff versorgt wurde. Nur wenige Meter misst der Fußweg unter der Erde noch, die Besucher abgehen können. Dafür muss man mit der Straßenbahn bis zur Endhaltestelle namens Ilidza fahren und dann noch ein ganzes Stück zu Fuß gehen.

Über den Tunnel wurde Sarajevo während der Zeit der Belagerung versorgt. Ein Stück davon ist heute noch zugänglich und dient als Museum.

Die Reste der Wettkampfstätten der Olympischen Winterspiele 1984 können Touristinnen und Touristen auf dem Trebević erkunden. Hinauf kannst du ganz einfach fahren. Die ursprünglich 1959 eröffnete Seilbahn wurde während des Bosnien-Krieges zerstört, 2017 wieder aufgebaut und 2018 erneut in Betrieb genommen.

Seit April 2018 fährt wieder eine Seilbahn aus dem Kessel auf den Berg Trebevic.

Von der Bergstation aus führen viele Wanderwege zur alten Bobbahn. Inzwischen erobert sich die Natur den Platz allmählich zurück. Viele Graffiti zieren die alte Bahn, inzwischen handelt es sich um einen echten Lost Place.

Ganz wichtig: Auch heute noch könnten sich in den Wäldern um Sarajevo noch alte Minen verstecken. Bleib daher unbedingt auf den ausgezeichneten Wegen!

Kulinarik in Sarajevo

Kafa, ein dicker, schwarzer Kaffee, ist der Einheimischen wohl liebstes Getränk. Der Genuss wird geradezu zelebriert. In den zahlreichen Kaffeehäusern, besonders am Bascarjia, gibt es aber auch Cappuccino oder sogar Milchkaffee. Wie in der Türkei beziehungsweise der gesamten arabischen Welt gibt es auch Salep, eine Art Orchideenknollen-Tee mit Milch.

Bier gibt es tatsächlich aus und in der Brauerei der Stadt, der Sarajevska Pivara. Die hauseigene Gaststätte erinnert wegen der Größe und Einrichtung an ein Bordrestaurant eines alten Kreuzfahrtschiffes, also eher an die „Titanic“ als an die „Aida“. Das Bier selbst schmeckt wie ein gutes, deutsches Pils.

Mehr Bier, auch englische, süffige Biere, gibt es im City Pub. Ein klassischer Irish Pub, wie man ihn praktisch in jeder Stadt Europas findet.

Sarajevo hat eine eigene Brauerei – in dem Gebäude ist auch ein großer Pub, in dem das Pils gleich getrunken werden kann.

Das beste Essen in Sarajevo gibt es aber an einfach vielen Ständen überall in der Stadt, ein bekannter Anbieter ist der Hodzic: Es geht um Börek und Cevapcici. Börek gibt es mit Weichkäse, Spinat oder Fleischfüllung, ganz wie es auch in Deutschland bekannt ist – nur frischer und besser.

Die kleinen, gut gewürzten Fleischröllchen werden auf einer heißen Platte angebraten und kommen mit rohen Zwiebeln in ein Fladenbrot.

Cevapcici werden in Bosnien und Herzegowina in einem Brot mit rohen Zwiebeln gegessen – heiß, fettig, lecker.

Shoppen in Sarajevo

In den Geschäften und Marktständen am Bascarjia gibt es viele Souvenirs, darunter wirklich reizend verzierte Holzschachteln, glänzendes Kaffee-Zubehör, filigraner Schmuck und natürlich auch schrille Kühlschrankmagnete, Aschenbecher und Postkarten.

Auf der größeren Straße Ferhadija, die seitlich des Marktes verläuft, gibt es Geschäfte für Modeschmuck, Accessoires und Markenklamotten. Internationale Ketten wie Zara, Nike und Lush findet man im Sarajevo City Center

Mobilität

Sarajevo hat einen Flughafen, von Deutschland aus wird er regelmäßig aus Dortmund, Memmingen, Köln/Bonn, Hamburg, Suttgart und Frankfurt angeflogen. Ab Wien, Zagreb, Ljubiljana und anderen Städten im Südosten gibt es auch zahlreiche Busverbindungen, vorwiegend fahren der Flixbus und Eurolines. Der gesamte Balkan ist an Busreisen gewöhnt, Züge gibt es dafür kaum.