Als ich den Winter in Finnland verbrachte, war nicht nur das fehlende Sonnenlicht ungewohnt, sondern auch einige Essgewohnheiten. Die einen lernte ich lieben, die anderen – und da muss ich ehrlich sein – kamen mir einmal und nie wieder auf den Teller. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.

Deshalb verrate ich dir meine zehn Highlights auf einer Skala von lecker bis igitt:

1. Quietschkäse

An einem meiner ersten Abende bei Freunden gab es gegrillten Käse. Nichts besonderes eigentlich. Aber der Leipäjuusto, auch Knisterkäse genannt, lässt sich nicht leise essen. Am ganzen Tisch quietschte es zwischen den Zähnen.

Lustig und lecker zugleich. Für den milden Käse wird Milch gesäuert und gebraten. Anschließend wird der Käse in einer Pastetenform gebacken und in Scheiben geschnitten. Dazu gibt es traditionell Moltebeerenmarmelade. Definitiv lecker!

2. Karelische Piroggen

Meine unangefochtenen Lieblinge, die ich mehrmals im Jahr in Deutschland schmerzlich vermisse, sind Karjalanpiirakka. Karjawas? Übersetzen lässt es sich am ehesten mit „Teigtasche mit Reisfüllung“.

Dabei sind es weniger Taschen als vielmehr kleine Schiffchen. Der herzhafte Milchreis ist die Füllung und kann auch durch Kartoffelbrei oder Möhren ersetzt werden. Der Roggenteig wird ganz dünn ausgerollt und anschließend mit einem Klecks Füllung in der Mitte versehen.

Das Rezept für Karjalanpiirakka ist einfach, aber aufwendig. Deshalb werden die Teigtaschen in finnischen Küchen auch gleich in Massen gebacken, und dann gibt es die nächsten Tage nichts anderes.

Sind die Schiffchen fertig, werden sie mit Eibutter bestrichen und gegessen, ein Muss bei jedem Finnlandbesuch. Und ich weiß jetzt, was ich am Wochenende unbedingt backen muss. Auf der Skala von lecker bis igitt? Superlecker!

3. Schwarzwurst

Und so schnell ist der Igitt-Tiefpunkt meiner Skala erreicht.

Mustamakkara oder auch Schwarzwurst stammt aus Tampere und ist eine Blutwurstspezialität, die mit Preiselbeeren gegessen wird. Blutwurst steht zwar nicht nur in Finnland auf der Speisekarte – optisch schießt die Mustamakkara aber den Vogel ab. Denn: Sie ist nicht verkohlt, sondern gewollt tiefschwarz und einfach nur bäh.

4. Ohrfeigen

Ohrfeigen essen, geht’s noch? Die spinnen, die Finnen! Zumindest was die Namensgebung für ganz einfache Zimtschnecken angeht: Korvapuusti (zu deutsch: Ohrfeigen) gehören zu jedem Finnland-Urlaub, zumindest kulinarisch.

Die duftenden Brötchen werden mit grobem Zucker bestreut und sind bei jedem Bäcker zu bekommen. Oft werden sie auch unter dem Namen Pulla verkauft.

Woher der Name Ohrfeigen kommt, darüber kann nur spekuliert werden. Eine Theorie besagt, dass der schwedische Name für Zimtschnecke „gifflar“ bei den Finnen die Assoziation zum französischen Wort „gifle“ hervorgerufen hat. Denn das bedeutet übersetzt Ohrfeige.

Auf meiner Skala bekommen die leckeren Ohrfeigen definitiv ein lecker!

5. Fazer-Schokolade

Vergesst Milka, Schogetten und Co. — zumindest wenn ihr in Finnland seid. Dort steht Fazer an der Spitze der Schokoladencharts. Und das zu Recht.

Wenn ich eine Tafel Fazer-Schokolade in den Händen halte, fühle ich mich wie der kleine Junge aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Die Tafeln sind etwa doppelt so groß und doppelt so dick wie eine Milkatafel bei uns. Und: Es gibt die leckersten Sorten von Popcorn über salziges Toffeecrunch bis hin zu Blaubeer-Joghurt-Crisps.

Finnland wäre nicht Finnland, wenn es nicht auch Sorten mit Lakritze gäbe. Die gibt es mehrfach: mit Drops, gefüllt mit flüssiger Lakritze oder mit ganzen Dragees.

Hier scheiden sich wieder die geschmacklichen Geister, zumindest meiner sagt: pfui! Bei allen anderen Sorten schlägt die Skala in Richtung lecker durch die Decke.

6. Salzlakritze

Bei Salzlakritze, auch Salmiakki genannt, muss ich ein Zugeständnis machen. Ich HASSE Lakritze.

Eigentlich. Denn es gibt eine einzige Sorte in Finnland, die schmeckt sogar mir: Pantteri sind Gummitiere aus Lakritze mit einem süßen Überzug, und sie sind eine Empfehlung für jeden, der mit Lakritze eigentlich nichts am Hut hat.

Für die Finnen ist Lakritze sozusagen ein Grundnahrungsmittel. Deshalb verarbeiten sie sie auch in allen möglichen Variationen. Salmiakki-Likör ist eine davon: Purer Lakritzgeschmack mit 32 Prozent Alkoholgehalt. Muss man mögen und schmeckt wahrscheinlich mit jedem Glas besser. Auf meiner Skala pegelt sich Lakritze also im unteren Drittel ein. 

7. Fischbrot

Die nächste kulinarische Überraschung erlebte ich, als mir meine Gastmutter das erste Mal kleine frittierte Fische vorsetzte. Und da war noch alles drin und dran. Igitt!

Aber na ja, aus Höflichkeit musste ich wenigestens probieren. Und dann die Überraschung — richtig lecker! Die kleinen Maränen (finnisch: Muikku) bekommst du auf jedem Markt fertig zum Naschen. Ein Muss für Fischfreunde.

Doch es geht noch mehr – und das hat einen Namen: Kalakukko, Brot mit Fischfüllung. Die kleinen Muikkos werden in einen einfachen Brotteig aus Roggen und Weizen gewickelt und anschließend gebacken. Dann muss das Fischbrot noch etwa sieben Stunden bei 100 Grad Celsius weiterbacken.

Von einem Finnen zubereitet: lecker! Als ich versuchte, es nachzumachen, wollten es nicht mal die Katzen fressen. Dieses Gericht trifft deshalb die goldene Mitte meiner Skala.

8. Roggenbrot

Wer länger im Ausland lebt, vermisst neben Freunden und Familie oft recht schnell das deutsche Brot. 2014 wurde es sogar offiziell als innerdeutsches Kulturerbe in die Unesco-Liste eingetragen. Doch ich muss diese Monopolstellung anzweifeln, denn ein finnisches Roggenbrot verdrängt jede deutsche Variante vom Teller. Zumindest von meinem. 

Roggen gehört zu den Getreidearten, die auch unter den rauen nordischen Bedingungen wachsen. Das finnische Roggenbrot ist sehr flach und oft rund mit einem Loch in der Mitte. In den Supermärkten gibt es das Brot aber auch in rechteckiger Form, perfekt für eine Scheibe Käse.

Angeberwissen: Traditionell wurden die Brote nach dem Backen auf eine Stange gefädelt und zum Trocknen unter die Decke gehängt. Daher kommt das Loch in der Mitte des Brotes.

Wenn ihr also gern Brot esst und einen Urlaub in Finnland geplant habt, könnt ihr euch entspannen – es gibt auch dort leckeres Brot. Und dann pegelt es sich auf der Leckerskala auch noch ziemlich weit oben ein. 

9. Rentier

Freunde von Rudolph und dem Weihnachtsmann müssen jetzt ganz stark sein. Denn: Auch Rentier (finnisch: Poronkäristys) kommt in Finnland regelmäßig auf den Teller.

Ich muss zugeben, dass ich es selbst nicht gegessen habe. Aus Gründen…

Aber Menschen, die es gekostet haben, bezeichnen es als sehr zart und vergleichbar mit Wild. Und im Gegensatz zu unseren Breiten ist es eher schwierig, Rentierfleisch nicht aus artgerechter Haltung zu essen. Die Tiere leben nämlich das ganze Jahr über in der freien Natur von Lappland, fressen sich an Gräsern und Flechten satt.

Serviert wird Rentier oft in Form von Geschnetzeltem mit Kartoffelbrei und Preiselbeeren. 

10. Flammlachs

Ein Flammlachsbrötchen haben sicher viele schon mal gegessen. Allerdings nicht in Finnland, sondern auf einem deutschen Weihnachtsmarkt – dort erfreuen sich die finnischen Stände recht großer Beliebtheit. In Leipzig gibt es sogar ein eigenes finnisches Dorf zur Weihnachtszeit.

Aber zurück zum Feuerlachs, wie er auch gern genannt wird: Die Finnen bereiten ihn zu jeder Jahreszeit zu. Traditionell werden die Lachshälften auf Brettern befestigt, welche vorher mehrere Stunden in Wasser lagen. Dadurch verkohlen sie nicht so schnell und saugen das Fett des Fisches nicht auf. Der Fisch wird mit Nägeln befestigt und dann für mehrere Stunden ans Feuer gestellt. Gewürzt wird der Lachs lediglich mit Salz und etwas Zitrone.

Verzehrt wird er im Brötchen oder zu Salat – unbedingt probieren!