Jeder, der schon einmal in einem Hotel übernachtet hat, dürfte die Papier- oder Plastikschilder kennen, mit denen du dem Personal unmissverständlich mitteilen kannst, dass du deine Ruhe willst. Aber hast du schon mal 15.000 verschiedene „Bitte nicht stören“-Schilder gesehen?

Der Italiener Edoardo Flores hat nicht nur so viele gesehen – er besitzt sie sogar. Tendenz steigend. Wie das geht? Ganz einfach: In seinem Beruf als Beamter war er international unterwegs. Mittlerweile ist er in Rente, seine Sammlung wächst trotzdem stetig weiter. 

Tausende Arten des Nichtstörens

Aus über 200 Ländern weltweit stammen seine Schilder, hauptsächlich aus Hotels, aber auch von Kreuzfahrtschiffen, Krankenhäusern, Flugzeugen oder Bildungseinrichtungen. Allein 556 kommen aus Deutschland. Wie kam es zu diesem sonderbaren Zeitvertreib?

Stolzer Sammler: Edoardo Flores mit einem seiner „Bitte nicht stören“-Schilder.

Am Anfang waren es nur ein paar Andenken, die Flores von seinen Dienstreisen mitbrachte. „Sie hingen in meinem Büro, wo sie ein Freund von mir sah. Er fragte, warum ich sie nicht einfach sammle. Seitdem bringe ich jedes Mal diese Andenken mit“, erzählt Edoardo Flores dem reisereporter.

Holz, Perlen oder Schnörkel: Manche Schilder sind wirklich außergewöhnlich.

Ein Lieblingsschild habe er nicht – immerhin falle die Wahl bei mehr als 15.000 Exemplaren nicht leicht. Am meisten mag er aber Schilder aus Asien. Denn einige Hotels in asiatischen Ländern würden mit lokalen Künstlern zusammenarbeiten, die einzigartige Holzschilder anfertigen: „Im Gegensatz zu den Papierschildern kann ich diese natürlich nicht einfach mitnehmen. Manche Hotels verkaufen sie mir aber.“

Von Heiligen und Kuscheltieren

Sein seltenstes Exemplar kommt allerdings aus dem Vatikan und ist nicht besonders hübsch – dafür stammt es aus dem Domus Sanctae Marthae, dem Gästehaus in der Vatikanstadt, in dem sogar der aktuelle Papst wohnt. Durch Flores’ komplette Sammlung kannst du dich übrigens auf seiner Website klicken.

Generell beobachtet Flores, dass „Bitte nicht stören“-Schilder in den letzten Jahren immer stylischer geworden sind: „Viele scheinen sich mehr Gedanken über Design und Formulierungen zu machen, was viele Schilder ziemlich ansprechend macht.“ Die Kreativsten kommen seiner Erfahrung nach aus den USA. Ansonsten gebe es aber kaum kulturelle Unterschiede. 

In Reih und Glied: Seine Sammlung bewahrt Eduardo Flores ordentlich auf.

Die unglaubliche Menge an Schildern bewahrt Flores in Kartons auf. Die größeren, wie beispielsweise Teddybären aus Schottland oder Kokosnüsse aus dem asiatischen Raum, stellt er auch bei sich zu Hause aus. Für die Zukunft träumt der Vielreisende aber von einer dauerhaften Ausstellung.

„Museum ist ein großes Wort, aber es wäre schön, einen festen Ort für die Sammlung zu finden.“ Immerhin werde er älter und frage sich schon, was mit seinen Schätzen irgendwann passiert. „Solange sammle ich aber weiter und habe keine Absicht, damit aufzuhören.“

Tipps für Sammelanfänger

Wenn du selbst mit dieser skurrilen Sammelleidenschaft anfangen willst, hat Edoardo sogar ein paar Tipps parat: „Involviere so viele wie möglich, egal ob Freunde oder Familienmitglieder, die häufig reisen. Andere Sammler freuen sich übrigens auch, wenn du dich bei ihnen meldest, und überlassen gern ihre doppelten Exemplare.“

Die schönsten Exemplare der Sammlung werden stolz präsentiert.

Generell gebe es aber nur eine Handvoll ernsthafter Sammler. Schließlich müsse man für dieses Hobby viel Reisen und in Hotels übernachten. 

Keinen Bock auf „Bitte nicht stören“?

Es geht aber sogar noch verrückter: Der Niederländer Niek Vermeulen hält den Weltrekord für die größte Sammlung aus – Spucktüten. Das waren 2012, bei Aufnahme ins Guinnessbuch, 6.290 von 1.191 verschiedenen Airlines. Na dann, lass dir die Wahl noch einmal durch den Kopf gehen.