Zugegeben: Fürs Erinnerungsfoto sind die traditionellen Motorsegler besser geeignet. Überall in der Adria zwischen Kroatien und Italien kreuzen diese historisch anmutenden Schiffe mit den stolzen Segelmasten – die aber nur zur Schau den Schiffsrumpf schmücken, denn gefahren wird mit Motorkraft.

Die Motorjacht bietet mehr Komfort als die klassischen Motorsegler

Die Motorjacht „Vita“ ist da ehrlicher: Sie verzichtet auf Scheintakelage und romantische Segeloptik und setzt stattdessen ganz auf Komfort, den vor allem Passagiere, die häufiger an Bord eines Schiffes gehen, auf den althergebrachten Motorseglern inzwischen vermissen.

2014 hat Kapitän Silvio Vukovic umgerüstet. Sein altes Schiff, die „Mirabela“ mit klassischer Motorsegleroptik, hat er verkauft und stattdessen für 1,3 Millionen Euro die „Vita“ bauen lassen. Eine Werft in Split hat das 37 Meter lange Stahlschiff mit den beiden 700 PS starken Maschinen zusammengeschweißt.

Kapitän Silvio Vukovic manövriert die „Vita“ durch das Kornati-Inselparadies.

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18 Kabinen, davon zehn auf dem Hauptdeck, bieten Platz für bis zu 38 Passagiere. Auf dem Mitteldeck findet sich ein großer Aufenthaltsraum und noch einmal genauso viel Platz als Freiluftfläche – dort werden die Speisen eingenommen. Der Clou aber thront ganz oben.

Auf dem Sonnendeck der Motorjacht muss niemand Liegestühle reservieren

Weil keine Masten und Seile das 200 Quadratmeter große Sonnendeck blockieren, lässt es sich zur Hälfte mit einem netzartigen Sonnenschutz überspannen – bei bis zu 40 Grad Celsius im Schatten ein schöner Komfort. Und der weiträumige Platz hat noch einen weiteren Vorteil:

Das Oberdeck verfügt über 38 Sonnenliegen – Konkurrenz um die Ruheplätze gibt es nicht, niemand muss frühmorgens mit Handtüchern seine Liege blockieren. „Ich würde nicht mehr auf einem Holzschiff buchen“, sagt „Vita“-Passagier Jens Morchel aus Bremen.

Zwar sei das Miteinander von Passagieren und Crew dort stets gut, aber der Preis dafür sei die Enge, und lange Zeit gab es nicht einmal Klimaanlagen in den Kajüten. „Da bekommt man Elefantenfüße vor Hitze“, sagt der 60-Jährige. Alle zwei Jahre macht er mit seiner Ehefrau und einem befreundeten Paar eine Jachttour in der kroatischen Adria.

In der „Vita“ steckt Herzblut, sagt Kapitän Silvio Vukovic.

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Mit der Motorjacht kommt man herum, ohne ständig packen zu müssen

Es sei „eigentlich die beste Form des Reisens“, findet auch sein Mitfahrer Rainer Büssenschütt: „Tagsüber ist man an Deck, abends legt man in den schönsten Häfen direkt an der Promenade an – wir kommen herum, ohne ständig die Koffer packen zu müssen.“

Die Inseln Krk und Cres liegen auf der Route der „Vita“, das Inselparadies des Kornati-Nationalparks, malerische Städte wie Rab oder das kontrastreiche Zadar mit seiner röhrenden Wellenorgel, der hippen Solarinstallation auf der Promenade und den historischen Ausgrabungsstätten gehören zu den Zielen.

Jeden Abend macht die „Vita“ an einer anderen Strandpromenade fest, hier in Sali.

Tagsüber ist das Schiff unterwegs, immer wieder gibt es Badestopps in Buchten, die nur per Schiff zu erreichen sind, in denen es sich nach Muscheln und Seesternen schnorcheln lässt oder die Passagiere auf Luftmatratzen das Schaukeln der Wellen genießen.

Mehrere Generationen auf einem Boot

Frühstück und Mittagessen werden an Bord serviert, abends sucht sich jeder sein Lieblingsrestaurant im Hafen – und wer will, kann dort Nachtleben teilweise bis 3 Uhr früh genießen. Wo es gelegentlich zu laut wird, bittet Kapitän Vukovic die Hafenmeister um einen Anlegeplatz am Promenadenrand, wo die Musik nur gedämpft hinschallt.

Der zwölfjährige Jannis aus Erfurt ist der jüngste Passagier, er verbringt die Zeit mit Schnorcheln und Wettbewerben am Schachcomputer. „Cool“ sei die Tour, sagt er. Generationsübergreifend genießen die Reise auch Matthias Wolf aus Bamberg und seine Lebensgefährtin Anke Faust aus Dortmund, die ihre Tochter Nina Kaprolat und deren Freund Arne Syberg mitgebracht hat.

Generationsübergreifend genießen zum Beispiel Matthias Wolf und seine Lebensgefährtin Anke Faust (r.) die Reise mit Tochter Nina Kaprolat und ihrem Freund Arne Syberg (l.).

Erstmals 1988 ist Matthias Wolf mit dem Motorsegler durch die Adria gefahren, damals als 21-Jähriger mit Seeadler-Jugendreisen. Inzwischen ist es seine fünfte Tour, und es soll nicht die letzte sein: „Das Hotelzimmer liegt quasi direkt an der Hafenpromenade – das ist großartig“, sagt er.

Der Wettbewerb zwischen den Bootstourenanbietern ist groß

Von der modernen „Vita“ ist er überzeugt, seit er 2016 erstmals mitgefahren ist. „Zum Holzschiff möchte ich eigentlich nicht mehr zurück“, sagt er. Kapitän Silvio Vukovic freut sich über die positiven Reaktionen seiner Gäste. „In diesem Schiff steckt mein Herzblut“, sagt er und schlägt sich mit südländischem Temperament stolz auf die Brust.

„Ich habe die ‚Vita’ genau nach meinen Vorstellungen bauen lassen.“ Seit 120 Jahren fährt seine Familie im Adriatischen Meer zur See, seine Vorfahren haben einst große Sandtransporter für Baustellen auf den Inseln gesteuert. Damals war die Seefahrt vor allem ein nautisches Risiko – gefürchtete Stürme wie der ablandige Bora und der aus Süden aufkommende Jugo können Schiffe umwerfen, die Adria gilt als tückisch.

Heute aber machen vor allem wirtschaftliche Risiken der Seefahrt zu schaffen. Der Tourismus ist Hauptwirtschaftszweig in Kroatien, der Wettbewerb der Bootstourenanbieter ist groß. 700.000 Euro Kredit habe er für das Schiff aufnehmen müssen, verrät Kapitän Vukovic.

Der Urlaub auf der Motorjacht ist nicht billig

Aber Stammgäste berichten auch, dass im vergangenen Jahr bei einer Tour zur besten Sommerzeit einmal nur etwa zehn Passagiere an Bord gewesen seien. Und die Konkurrenz ist immens: Aktuell ist außer der „Vita“ eine weitere moderne Kreuzfahrtjacht unterwegs, zwei zusätzliche Boote sind bereits angekündigt.

Am härtesten ist der Wettbewerb im Süden der Adria, zwischen Dubrovnik und Trogir liegen oft 16 Motorsegler nebeneinander vertäut im Hafen. Kapitän Vukovic fokussiert sich daher seit zwei Jahren auf den nördlichen Teil der Adria.

Billig sind die Adriatouren längst nicht mehr, in der Saison 2018 kosten sie zwischen 600 und 960 Euro pro Person und Woche – bei eigener Anreise und eigener Abendverpflegung. „Wir leisten uns nur einmal im Jahr einen schönen Urlaub, aber der darf dann auch ein Erlebnis sein“, sagt Passagierin Anke Faust.

Im April sei sie mit ihrer Tochter auf einem Kreuzfahrtschiff in Norwegen gewesen, „da haben sich die Leute regelrecht ums Essen geschubst“, sagt sie. Die persönliche Atmosphäre auf der „Vita“ sei für sie unschlagbar: „Wenn man einmal so einen Urlaub erlebt hat, dann ist man eigentlich für jede andere Form des Standardurlaubs versaut.“