Urlaub in Finnland: Lieber im Sommer oder Winter? | reisereporter.de

Urlaub in Finnland: Lieber im Sommer oder Winter?

Wenn du ein Land suchst, das nicht von Touristen überrannt wird, ist Finnland eine sichere Bank. Der reisereporter erzählt dir, was dich in Finnland sowohl im Sommer als auch im Winter erwartet. 

Ruhe findest du in Finnland überall, vor allem aber in der Natur.
Ruhe findest du in Finnland überall, vor allem aber in der Natur.

Foto: pixabay.com/kerttu

Zugegeben, Polarlichter werden mit Finnland weniger inflationär in Verbindung gebracht als mit Island – trotzdem sehen wir überall Bilder von Igluhotels, die vor einem mit Nordlichtern behangenen Himmel stehen.

Doch Finnland ist so viel mehr: Moosbewachsene Felsen, endlose Wälder, Verkehrsschilder mit Elchen, unzählige Seen und Inseln, MÜCKEN, zweifarbige Holzhäuser (ja, sie sind nicht immer nur rot und weiß!) und natürlich Saunen.

Viele Sommer- und Winterabende habe ich schon in diesem Land verbracht. Wenn ich daran zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an eines: diese unglaubliche Ruhe. Sie war da, als ich in Lappland auf einem zugefrorenen See stand und wusste, der nächste Nachbar wohnt neun Kilometer entfernt. Sie war da, als ich im Bus in Richtung Kotka saß und die Wälder an mir vorbeizogen. Und sie war da, als mein Kopf in einer Röhre des Sibelius-Denkmals in Helsinki steckte – zumindest dann, wenn es kurz windstill war.

Das Sibelius-Denkmal in Helsinki gehört zu den außergewöhnlichsten Skulpturen der Welt.
Das Sibelius-Denkmal in Helsinki gehört zu den außergewöhnlichsten Skulpturen der Welt. Foto: pixabay.com/anneileino

In der finnischen Sauna war sie definitiv nicht da. Jeder deutsche Saunagänger würde wahrscheinlich rückwärts wieder herausstolpern, wenn er das erste Mal die nordische Saunakultur kennenlernt: Hier wird mit Bier angestoßen, nachdem sich alle gegenseitig die Rücken mit selbst gesammelten Birkenzweigen abgedroschen haben. Anschließend geht’s ab ins Eisloch. Ruheräume, feste Zeiten und Angestellte, welche regelmäßig die Luft in der Kabine mit einem Handtuch durchwirbeln, kennt hier niemand. Selbst sind die Finnen. 

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Blutsauger gibt es nicht nur in Transsylvanien: Der finnische Sommer

Nun ist es schon gekommen, wie es kommen musste: Ich schreibe wild drauflos und will dir am liebsten alles auf einmal über dieses großartige Land erzählen. Struktur muss her. Fangen wir also mit den sommerlichen Erlebnissen im Land der tausend Seen an. 

In Südfinnland sind die Ausmaße des Polartages nicht so massiv, wie in Lappland, aber du spürst sie. Es wird einfach noch ein bisschen später dunkel als in Deutschland. Wenn du deinen Sommerurlaub in Finnland verbringen willst, musst du keine Angst vor kühleren Temperaturen haben. Es ist vergleichbar mit unserem Sommer.

Es gibt aber eine Sache, an der wirst du nicht vorbeikommen: Mückenschutz. Ich kenne Menschen, die rennen vor Wespen davon. In Finnland bin ich auch gerannt. Verfolgt von Mücken. Ein Besuch im Wald, um die leckeren und massenweise vorhandenen Blaubeeren zu sammeln, sollte also gut vorbereitet werden. 

Trotz der Mücken ist es in Finnland draußen am schönsten. An den zahllosen Seen stehen vereinzelte Häuschen, auch „Mökkis“ genannt. Viele Finnen aus den Städten besitzen eines und verbringen die langen Sommerferien dort.

Wenn du Wandertouren planst, kannst du dich auf kostenlose Grillplätze freuen und deinen Zeltplatz selbst raussuchen. Denn in Finnland gilt das Jedermannsrecht. Heißt: Jeder darf die Natur unabhängig vom jeweiligen Grundstücksbesitzer nutzen, sofern kein Schaden verursacht wird. 

Kleine Ferienhäuser sind des Finnen liebster Zufluchtsort.
Kleine Ferienhäuser sind des Finnen liebster Zufluchtsort. (Symbolbild) Foto: pixabay.com/finmiki

Die Küste Finnlands ist mindestens genauso zerklüftet wie das Landesinnere im Süden. Das bedeutet, es gibt zahlreiche kleine und größere Inseln vor der Küste, die es zu entdecken gilt. 

Von Eislöchern und Langlaufstrecken: Der finnische Winter

Ja, der finnische Winter ist kalt und dunkel, aber gleichzeitig ein großartiges Abenteuer. Sobald sich die Temperaturen der Null-Grad-Grenze nähern oder darunter fallen, legen die Finnen richtig los.

Sportplätze werden mit tonnenweise Wasser übergossen und in Eisbahnen verwandelt – denn ein Finne ohne Schlittschuhe ist kein echter Finne. Wenn du längere Zeit in Finnland lebst und es auch in den Wintermonaten dein Zuhause nennen kannst, solltest du einen der bekannten Flohmärkte besuchen.

Die „Kirpputori“ gehören zum Inventar des Landes und sind die beste Adresse, um dir günstige Schlittschuhe zu kaufen. 

Doch nicht nur auf dem Eis sind die eishockeyverrückten Finnen im Winter regelmäßig anzutreffen, sondern auch in den Wäldern. Langlauf gehört dort ebenfalls zum Volkssport, und Loipen gibt es überall abseits der Straßen.

Ebenfalls sehr populär: das Skispringen. In Lahti gibt es drei Schanzen, und die waren schon Austragungsort für etliche Weltmeisterschaften. Für Liebhaber der Skiabfahrt ist die Auswahl begrenzt, da es ganz einfach an hohen Bergen mangelt. 

Wenn dir Skifahren und Eislaufen zu langweilig sind, hat Finnland noch ein Ass für dich im Ärmel: Hundeschlitten! Die meisten Angebote für dieses Abenteuer gibt es in Lappland. Nach einer kurzen Einführung kannst du deinen Schlitten in der Regel selbst manövrieren. Und wenn dir das nicht geheuer ist, kannst du auch einfach mitfahren. 

Die Sauna kommt in Finnland ganzjährig zum Einsatz. Immerhin gehört zu fast jeder noch so kleinen Plattenbauwohnung eine Schwitzkammer. Im Winter gibt es allerdings noch einen besonderen Reiz: das Eisloch.

Ein See ist in Finnland eigentlich immer in greifbarer Nähe, und sobald er zugefroren ist, wird ein Loch reingeschlagen. Im besten Fall gibt es noch eine Leiter zum angenehmen Einsteigen. Und dann heißt es: Augen (und Nase) zu und durch. 

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Die Eislöcher werden nicht nur zum Plantschen benutzt, sondern auch zum Fischen. Eislochangeln ist bei vielen Finnen ein winterliches Lieblingshobby. Es lässt sich am ehesten mit einer Meditation vergleichen, nur in eiskalter Umgebung. Doch mehr als winzige Fische wirst du nicht fangen. Fängst du mehrere von den kleinen Exemplaren, ist das jedoch eine super Grundlage für das beliebte finnische Gericht „Kalakukko“. Was sich dahinter versteckt, kannst du hier lesen

Fazit: Keine Angst vor dem finnischem Winter!

Das Land der tausend See hat sowohl im Sommer als auch im Winter so viel zu bieten, dass sich Reisen während beider Jahreszeiten absolut lohnen. Willst du nach Finnland, um die Nordlichter zu sehen, solltest du dich für den Winter entscheiden. Aber auch davon abgesehen: Finnland ist im Winter definitiv eine Reise wert – und wenn du nicht gerade an das nördlichste Ende fährst, sind die Temperaturen nicht viel niedriger als bei uns. 

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