Ein kurzer Blick in die Vergangenheit: Geschichte der Hagia Sophia

Die Hagia Sophia, wie du sie heute siehst, entspricht dem Bild einer Moschee. Doch das war nicht immer so: Einst ließ Kaiser Konstantin an dieser Stelle eine Basilika erbauen, die jedoch nur knapp 40 Jahre später niederbrannte. Die im Jahr 415 neu errichtete Kirche fiel während des sogenannten Nika-Aufstandes im Jahre 532 ebenfalls den Flammen zum Opfer.

Ein letzter Wiederaufbau fand im Jahr 537 unter dem römischen Kaiser Justinian I. seinen Abschluss. Die Form der Kirche soll dem Kaiser der Legende nach im Traum offenbart worden sein. Unter der Bauleitung des Architekten Anthemios von Tralleis und des Mathematikers Isidor von Milet wurde das riesige Bauprojekt innerhalb von nur fünf Jahren fertiggestellt – der Ursprung der Hagia Sophia.

Mit einer Grundfläche von 70 mal 75 Metern war die Hagia Sophia die größte Kirche ihrer Zeit. Für die folgenden 916 Jahre galt sie als Hauptkirche des byzantinischen Reiches. Neben sowohl griechisch-orthodoxen als auch römisch-katholischen Gottesdiensten fanden in der Hagia Sophia ebenfalls Krönungen römischer Kaiser und wichtige Zeremonien statt.

Mit der Eroberung des ehemaligen Konstantinopels, dem heutigen Istanbul, durch die Osmanen im Jahr 1453 begann unter Sultan Mehmed der Umbau der mächtigen christlichen Kathedrale in eine muslimische Moschee. Der Altar, die Glocken sowie die christlichen Insignien wurden in diesem Zuge allesamt entfernt. Auch die zahlreichen Mosaike, die die ursprüngliche Kathedrale zierten, wurden bei den Umbaumaßnahmen zerstört oder verputzt.

Auch von innen ist die Hagia Sophia in Istanbul absolut sehenswert.
Auch von innen ist die Hagia Sophia in Istanbul absolut sehenswert. Foto: pixabay.com/BuyMeCovfefe

Stattdessen kannst du heute sowohl im Inneren des Gebäudes als auch im Außenbereich viele Symbole und Elemente des Islams entdecken: Dazu gehören unter anderem die vier Minarette an den Ecken des Grundbaus, eine Zisterne und Gebetsnischen.

Bis ins Jahr 1932 hinein wurde die Hagia Sophia als islamisches Gebetshaus genutzt, bis sie dann ein Museum wurde. Jedes Jahr wird sie während des Fastenmonats Ramadan jedoch wieder zur Moschee und lockt tausende Pilger an.

Sehenswertes im heutigen Museum

Atatürk, der erste Präsident der Türkei, veranlasste die Umfunktionierung der Moschee in ein Museum. Seit 1935 ist dieses für die Öffentlichkeit zugänglich und zählte in den letzten Jahren über drei Millionen Besucher pro Jahr. Für die Eröffnung des Museums wurden viele Mosaike aus der byzantinischen Zeit wieder freigelegt. Dass zur Zeit der Errichtung der Hagia Sophia eine klare Trennung von Staat und Kirche größtenteils nicht gegeben war, spiegelt sich in vielen dieser Mosaike wider:

Die Bilder zeigen sowohl biblische Personen, wie zum Beispiel Maria, Josef und den Erzengel Gabriel, als auch Darstellungen bedeutender römischer Kaiser. Neben den beeindruckenden Innenräumen findest du im Innenhof weitere Details aus der Osmanenzeit: Hier kannst du beispielsweise Herrschergräber und den Moscheebrunnen besichtigen. Vor dem Eingang siehst du Teile des Fundaments, die noch aus dem 5. Jahrhundert stammen, sowie Elemente des Glockenturms aus dem 13. Jahrhundert.

Die Kuppel der Hagia Sophia

Wenn du die Hagia Sophia besuchst, solltest du ein besonderes Augenmerk auf die kolossale Kuppel über dem Hauptschiff legen. Diese gilt mit ihrem Durchmesser von 31 Metern und einer Höhe von 56 Metern als wahres Wunder der Statik und dient somit als Vorbild vieler weiterer Kuppeldächer, die im Laufe der Zeit entstanden.

Das Außergewöhnliche an dieser Kuppel ist, dass sie trotz ihrer Größe von nur vier Säulen gehalten wird und quasi frei über dem Boden schwebt. Vor allem der imposanten Kuppel verdankt die Hagia Sophia daher ihren Anwärtertitel auf das achte Weltwunder.

Wer sich in der Hagia Sophia in Istanbul umschaut, sollte seinen Blick auch nach oben schweifen lassen.
Wer sich in der Hagia Sophia in Istanbul umschaut, sollte seinen Blick auch nach oben schweifen lassen. Foto: pixabay.com/aytan

Allgemeine Hinweise für den Besuch der Hagia Sophia

Du kannst die Hagia Sophia zu jeder Jahreszeit besuchen, da das Ayasofya Camii Müzesi ganzjährig ab 9:00 Uhr geöffnet ist. Von November bis Mitte April schließt das Museum bereits um 17:00, in den restlichen Monaten des Jahres kannst du ihr bis 19:00 Uhr einen Besuch abstatten. Der Eintritt kostet für einen Erwachsenen 40 Türkische Lira, was umgerechnet ungefähr 8,60 Euro entspricht.

Aber nicht nur das Innere der Hagia Sophia, sondern auch der gewaltige Bau der Kuppelbasilika an sich sind atemberaubend: Wenn du einen Panoramablick auf dieses Meisterwerk der Geschichte werfen möchtest, empfiehlt sich hierfür eine der Bootstouren auf dem Bosphorus, der als Meerenge das Marmarameer mit dem Schwarzen Meer verbindet und Istanbul somit in West und Ost teilt.

Ein besonders schöner Anblick bietet sich dir auch abends im Dunkeln, wenn die Hagia Sophia in gelbes Licht getaucht ist. Nicht umsonst gilt dieses Bauwerk als schönste Sehenswürdigkeit Istanbuls und ist daher während deiner Reise auf jeden Fall einen Besuch wert! Koste anschließend auf dem Vorplatz, auf dem dich viele kleine Stände erwarten, Maronen, Maiskolben und andere lokale Spezialitäten – und tauche auf diese Weise mit allen Sinnen in die türkische Kultur ein.