Fluggäste verzichten auf 5 Mrd. Euro Entschädigungen pro Jahr

Entschädigungen: Fluggäste verzichten auf 5 Mrd. Euro

Du willst in den Urlaub und dein Flug hat Verspätung oder wird sogar gestrichen. Den Ärger kann dir keiner nehmen, aber ein Recht auf Entschädigung hast du in den meisten Fällen trotzdem. Wir fassen zusammen.

Bei Verspätungen von Flugzeugen kann die Wartezeit schon mal ins Unermessliche steigen. (Symbolfoto)
Bei Verspätungen von Flugzeugen kann die Wartezeit schon mal ins Unermessliche steigen. (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Jay Wen

Die Koffer sind gepackt, die Nacht war kurz vor lauter Aufregung, und endlich geht es los in Richtung Flughafen. Seit Wochen freust du dich auf diesen Urlaub, und schon in wenigen Stunden wirst du die Welt von oben sehen. Denkste! Am Flughafen angekommen, ist die Tafel voller roter Balken: „Flug annulliert“, „Flug gestrichen“. Jetzt geht die Odyssee los. Ewig warten oder wieder nach Hause fahren, Urlaubstage verlieren und später fliegen. 

Unwissenheit der Passagiere schenkt Airlines rund fünf Milliarden Euro pro Jahr

Rund 13 Millionen Betroffene belassen es bei diesen Möglichkeiten und wissen nicht, dass ihnen eine Entschädigung zusteht. Die Zahlen kennt Dirk Busse von der Internetplattform „AirHelp“. Er sagt: „Damit sparen die Airlines mehr als fünf Milliarden Euro, die eigentlich ihren geschädigten Passagieren zustünden!“

Das Portal startete eine europaweite Umfrage mit ernüchternden Ergebnissen: Fast 90 Prozent der deutschen Fluggäste kennen ihre Rechte nicht, wenn sich ein Flug verspätet oder er gar annulliert wird.

Befragt wurden insgesamt über 7.000 EU-Flugreisende. Damit sind die Reisenden aus Deutschland mit am schlechtesten informiert, nur Spanien ist noch schlechter dran. Unter allen Befragten wussten nur 14,6 Prozent völlständig über ihre Rechte Bescheid.

Bei Streiks und Unwettern hast du kein Recht auf Entschädigung

Die Studie ergab auch, dass 27 Prozent denken, die Airline würde ihnen eh nicht zuhören, wenn sie eine Entschädigung anfordern würden, und 24 Prozent wussten gar nicht, wie sie das überhaupt anstellen sollen.

Ein paar Regeln solltest du natürlich beachten. Zunächst einmal steht dir nichts zu, wenn sich dein Flug aufgrund von Streiks, Unwettern oder anderen Umständen verspätet oder er gar gestrichen wird. Denn der Grund für die Probleme müssen von der Airline verschuldet worden sein. Wenn das der Fall ist, stehen dir bei Kurzstrecken 250 Euro zu, bei Mittelstrecken 400 Euro und bei Langstrecken sogar 600 Euro. 

Laut der Website „EUclaim“ führten vor allem Streiks und schlechtes Wetter zwischen Januar und März zu Verspätungen und Annullierungen. In diesem Jahr gab es 77 Problemflüge in Deutschland – pro Tag. Die Experten machen dafür vor allem die Streiks von Air France und Austrian Airlines und das schlechte Wetter verantwortlich. Beides also keine Fälle, in denen dir eine Entschädigung zustehen würde. 

Im letzten Jahr erwischte es die Passagiere eines Condor-Fluges von Palma de Mallorca nach Köln. Ganze zwei Tage, zwei Stunden und 44 Minuten mussten die Reisenden auf ihren Rückflug nach Deutschland warten. Als Grund nannte die Fluggesellschaft technische Probleme. Ein klarer Fall für einen Entschädigungsanspruch.

Airlines müssen auf Rechte hinweisen

2013 entschied das Amtsgericht in Hannover, dass Fluggesellschaften dazu verpflichtet sind, die Fluggäste über ihre Rechte aufzuklären. Die Lufthansa erklärt auf Anfrage des reisereporters, dass die Fluggäste bereits bei der Buchung beziehungsweise auf der Internetseite ausführlich über die bestehenden Rechte aufgeklärt werden.

Schauen wir doch mal nach: Natürlich prankt der Bereich der Fluggastrechte nicht direkt oben auf der Lufthansa-Startseite, also geben wir unseren Suchbegriff in der Suchmaske ein. Und siehe da: Direkt das erste Ergebnis führt uns auf eine neue Seite, auf der die Rechte der Passagiere erklärt werden. 

Auch Germania versichert dem reisereporter, die rechtlichen Vorgaben einzuhalten. Dort findest du deine Rechte recht schnell, wenn du den Suchbegriff in die Suchmaske eingibst. Direkt das erste Ergebnis leitet dich zu den allgemeinen Beförderungsbedingungen. 

Bei Condor funktioniert die Suche ähnlich, allerdings musst du dich dort durch die AGB wühlen, um deine Rechte zu finden. Die Airline habe nach eigener Aussage andere Erfahrungen gemacht, als die Studie hervorgebracht hat. „Unsere Erkenntnisse sind, dass nahezu 100 Prozent aller Kunden genau wissen, was ihre Rechte sind“, antwortet das Unternehmen auf reisereporter-Anfrage.

Das zeige das Feedback bei Verspätungen. Von diesen scheint die Fluggesellschaft generell kaum betroffen zu sein. „Wir beobachten, dass Flüge immer pünktlicher werden. Insbesondere bei Verspätungen von über drei Stunden liegen wir bei einer Quote von unter einem Prozent“, sagt Condor. 

Fazit: Du findest deine Rechte auf den Internetseiten der Airlines und kannst dich dort informieren. Die Voraussetzung ist natürlich, dass du deine Rechte zumindest ahnst – und das scheint nur bei jedem zehnten Deutschen der Fall zu sein.

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