Plädoyer: Mach einen Fernbus-Roadtrip durch Europa | reisereporter.de

Plädoyer: Mach einen Fernbus-Roadtrip durch Europa

Ein Roadtrip durch die USA ist der Wahnsinn – aber auch wahnsinnig weit weg. Das Plädoyer unserer reisereporterin Eva-Maria: Mach lieber einen Roadtrip durch Europa! Und zwar ganz easy mit dem Fernbus.

Der Zentrale Omnibusbahnhof in Berlin.
Der Zentrale Omnibusbahnhof in Berlin, Startpunkt des reisereporter-Roadtrips durch Europa.

Foto: imago/Raimund Müller

Eine Auszeit nehmen, mit dem Auto durch die USA oder eine Rundreise durch Neuseeland, Backpacking in Südostasien – das verdient langsam schon fast die Bezeichnung abgedroschen. Warum nicht mal Luxemburg erkunden, statt in Saigon Bananen-Pancakes zu frühstücken?

Nimm den reisereporter-Europa-Roadtrip mit dem Bus doch als Anlass dazu, neue Wege zu fahren und günstig viel zu erleben.

Wichtig: Um in jeder Stadt ausreichend Zeit zu haben, solltest du mindestens zwei Wochen einplanen, besser sind drei. Du kannst im Bus schlafen? Für die meisten Strecken gibt es auch Nachtfahrten – damit kannst du noch mal Geld und Zeit sparen. 

Station 1: Von Berlin nach Kopenhagen

Wir starten unseren Roadtrip in Berlin. Von dort geht es mit dem Bus nach Kopenhagen. Bis in Dänemarks Hauptstadt dauert es etwa acht Stunden, dafür gibt es die Fahrt für besonders frühe Frühbucher auch schon ab 9 Euro – mit etwa einem Monat Vorlauf sind es rund 25 Euro.

In Kopenhagen gibt es, wie in allen Großstädten Europas, mehrere Jugendherbergen, ein Platz im Mehrbettzimmer ist meist für wenige Euro zu bekommen. Auch finden sich an jeder Station immer günstige Hotels und Airbnb-Unterkünfte.

Wenn dir beim Gedanken an die vielen Eindrücke des Roadtrips noch nicht schwindelig ist, solltest du im Tivoli mindestens in ein Fahrgeschäft springen. Etwas entspannter (und gratis) ist es auf dem Superkilen, einem multikulturellen Platz im Stadtteil Norrebro, auf dem Objekte aus 62 Nationen untergebracht sind – darunter Bäume, Mülleimer, Straßenschilder und Spielgeräte.

Der Tivoli-Vergnuegungspark in Kopenhagen am Abend.
Im Tivoli-Vergnügungspark in Kopenhagen sollten Besucher schwindelfrei sein – oder die Straßenebene nicht verlassen. Foto: imago/blickwinkel

Station 2: Ab nach Amsterdam

Von Kopenhagen nach Amsterdam dauert es mindestens zwölf Stunden. Bei den meisten Verbindungen Richtung Niederlande musst du in Köln umsteigen – vielleicht ist der Pott ja einen Aufenthalt wert.

Am Rhein kannst du dir jedenfalls wunderbar die Füße vertreten (was bei alldem Sitzen im Bus echt wichtig ist!). Und in Amsterdam dann entlang der Grachten wieder. Wahlweise kannst du dir natürlich auch ein Fahrrad mieten.

Das Stöbern auf einem der täglich (bis auf sonntags) stattfindenden Märkte, etwa Lebensmittel auf dem Albert Cuypmarkt oder Vintage-Waren auf dem Waterlooplein, ist kostenlos – bis die Gier doch zum Kauf zwingt. Ah, und nur am Rande erwähnt: Coffeeshops gibt’s hier auch.

Eine Brücke führt in Amsterdam über eine Gracht.
An den Grachten von Amsterdam lässt es sich wunderbar entlangschlendern. Foto: imago/teutopress

Station 3: Weiter nach Luxemburg

Na, wer war schon in Luxemburg? Wahrscheinlich kennen weniger Europäer das kleine Großherzogtum als den Machu Picchu in Peru. Eine Direktfahrt mit dem Bus dauert etwa neun Stunden.

Die Altstadt wurde 1994 zum Unesco-Kulturerbe der Menschheit erklärt und ist pittoresk in den Hang gebaut: Brückchen, Flüsschen, Backsteinchen auf Backsteinchen. Luxemburg hat für seine Größe eine recht aktive Theaterszene – ideal also für einen Abend im Stadttheater, im Kapuzinertheater oder bei einer Laienspielgruppe. 

Straßenzüge im kleinen Großherzogtum Luxemburg.
Straßenzüge im kleinen Großherzogtum Luxemburg. Foto: imago/Danita Delimont

Station 4: Brüssel

Geradezu ein Katzensprung ist der Weg nach Brüssel. Etwa drei Stunden dauert die Fahrt mit dem Bus, kostet entsprechend 10 bis 30 Euro. Und auch die Pommes sind günstig – genau wie die Muscheln und die Waffeln. Was hier nicht günstig ist: Schokolade. Aber du solltest sie dir trotzdem gönnen.

Schau dir auf jeden Fall das Atomium an, das in diesem Jahr 60. Jahrestag feiert. Oder mach einen Spaziergang zu den wunderhübschen Jugendstilhäusern: Manche lassen sich besichtigen, im ehemaligen Wohnhaus und Atelier des Architekten Victor Horta ist sogar ein Museum untergebracht. Der Eintritt kostet regulär 10 Euro, für Studenten die Hälfte. 

Ein Marktstand mit Muscheln und Meeresfrüchten in Brüssel.
Muscheln und Meeresfrüchte liegen an einem Marktstand. Die Belgier sind bekannt für ihre Fischrestaurants – und Pommes. Foto: imago stock&people

Station 5: Welcome to London

Abstecher auf die Insel: Für die Fahrt von Brüssel nach London musst du mindestens sechs Stunden einplanen. Halte deinen Ausweis parat, den brauchst du, um in das Vereinigte Königreich zu kommen – und auch in manchem Pub.

An Möglichkeiten mangelt es in dieser Stadt wahrlich nicht: Shoppen an der Oxford Street, Kaffee am Camden Market, Bildung im Museum, Faulenzen im Hyde Park oder Schwindel auf dem gläsernen Boden der Tower Bridge. In der Kirche St Martin in the Fields gibt es fast täglich kostenlose Konzerte. 

Die Londoner Skyline nebst der Tower Bridge bei Sonnenuntergang.
Die Londoner Skyline nebst der Tower Bridge bei Sonnenuntergang. Auf den Anblick ein Pint. Foto: imago/Westend61

Station 6: Paris, die Stadt der Liebe

Nach guten acht Stunden könnt ihr die Welt mit einem „Bonjour“ in Frankreich begrüßen: Der Weg nach Paris führt durch den Eurotunnel, den längsten Unterwassertunnel der Welt. Er misst 37 Kilometer und führt unter der Straße von Dover entlang.

Für Paris-Neulinge ist der Montmatre Pflicht. Der Weg über die Rue Lepic nach oben führt vorbei an zahlreichen Cafés, auch an jenem, in dem der Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ gedreht wurde. Oben angekommen, thront die Basilika Sacré-Coeur, und im Dunkeln kann man den funkelnden Eiffenturm bestaunen. Weil es so schön ist, kommt auch der Paris-Kenner immer wieder gern hier hoch.

Ein weiterer, kostenloser Dauerbrenner ist der Spaziergang über den Friedhof Père Lachaise

Ein Bistrot am Pariser Montmatre.
Ein Bistrot am Montmatre in Paris – das Leben spielt in Frankreichs Hauptstadt vornehmlich draußen. Foto: imago stock&people

Station 7: Zürich

Aus dem Norden Frankreichs braucht der Bus fast zehn Stunden in die Schweiz. Zürich ist zwar nicht ganz günstig, aber bei einer Busverbindung für 30 Euro sollte vielleicht sogar ein Kaltgetränk am Zürisee drin sein. Vielleicht nicht an einem Tisch und auf einem Stuhl, aber aus dem Supermarkt und an der Promenade auf dem Boden.

Kunst gibt es ganz ohne Eintrittsgeld für ein Museum in der Fraumünsterkirche zu sehen – dort sind die Fenster von Marc Chagall. 

Menschen sitzen am Zürichsee an der Uferpromenade.
Am Zürichsee lässt sich prima aufs Wasser schauen und ein Eis essen. Foto: imago/McPHOTO

Station 8: Schnitzel in Wien

Machen wir die D-A-CH-Region voll und reisen wir nach Wien: Dort lebt bekanntermaßen das Schnitzel-Tier – und es schmeckt sehr lecker. Wer auf Fleisch verzichtet, kann zur Sachertorte greifen (aber bitte NIE! OHNE! SAHNE!). Schweiz und Österreich liegen zwar nebeneinander, da Wien aber so weit im Osten ist, dauert die Fahrt satte 14 Stunden.

Hier lohnt sich ein Blick in den Stephansdom, ein Besuch der Ringstraße (quasi der Prachtbauten-Boulevard), ein Schritt in die Hauptuniversität (Achtung, die Treppe ist den Absolventen vorbehalten!). Schau auch nach, ob auf dem Rathausplatz etwas los ist: Da gibt es fast immer Veranstaltungen oder Märkte. Zur Entspannung ab in den Stadtpark oder den Burggarten. 

Eine Standbetreiberin steht am Naschmarkt vor dem Laden und telefoniert.
Eine Standbetreiberin steht am Naschmarkt vor dem Laden und telefoniert. Schnitzel muss in Wien nicht immer vom Kalb und teuer sein. Foto: imago/Rudolf Gigler

Station 9: Fußball in Zagreb

Fünf Stunden später könnt ihr schon in Zagreb sitzen. Statt Schnitzel gibt es in Kroatien Ćevapčići – besonders gut mit viel Fett und rohen Zwiebeln. Solltest du auf Fußball stehen: Das Stadion von Dinamo Zagreb liegt mitten in einem Wohngebiet auf einem Hügel. Bei Spielen sind die Fans dadurch bis in die hinterste Dorfstraße zu hören. Versuch unbedingt, eine Karte zu ergattern.

Aber auch zum Spazieren lohnt sich der Weg durch die Wohngebiete! Während die Innenstadt an die von Braunschweig erinnert (ja, wirklich), sind die Straßen, die aus der City führen, extrem bergig, die Häuser sind in die Hänge gebaut, dazwischen liegt viel Wildwuchs, und ab und an führt eine Treppe hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. 

Ticketverkauf beim Dinamo Zagreb.
Ticketverkauf beim GNK Dinamo. Zagrebs Fußballclub hat das Stadion mitten in einem Wohngebiet auf einem Hügel. Foto: imago/Pixsell

Station 10: Wellness in Budapest

Zurück in die kaiserliche und königliche Zeit nach Budapest. Ungarns Hauptstadt ist fünf Busstunden entfernt von Zagreb.

Während die Hauptstraßen dem hochpolierten Glanz Wiens zum Teil sogar den Rang ablaufen, sind die Nebenstraßen noch oft wirklich marode, wenn auch nicht weniger charmant. Aber: Gönn dir eine Massage in einem der alten Bäder – das kostet nicht mehr als die knapp 20 Euro teure Fahrt, entspannt aber und macht schön. 

Die Széchenyi-Therme im Stadtpark von Budapest.
Die Széchenyi-Therme im Stadtpark von Budapest. Die Türken brachten die Badekultur nach Ungarn. Foto: imago/imagebroker

Station 11: Ein Absacker in Prag

Edel geht die Reise zu Ende, im Goldenen Gässchen oder mit Blick auf die Karlsbrücke: Was man in Prag kostenlos alles erleben kann, haben wir hier seperat aufgelistet. 

Mit knapp acht Stunden ist die letzte Etappe bis zur Rückkehr geschafft. Hier schmeckt das Pils schon fast wie daheim, die Küche in Tschechien ist ur-böhmisch. Zum Nachtisch einen Schnaps.

Kleine Fachwerkhäuser stehen im Goldene Gässchen in Prag.
Das Goldene Gässchen in Prag. in den kleinen Häuschen sind Geschäfte und Galerien untergekommen. Foto: imago/imagebroker

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