Das Thermometer in Südaustralien misst 38 Grad Celsius. Es ist heiß. Besonders unter den Neoprenanzügen staut sich die Hitze. Als Alan Payne den Motor seines Bootes anschmeißt, ist das wie ein Segen – endlich weht eine kühlende Brise an diesem Sommertag. Payne steuert das Boot mitten in die flache Bucht von Baird Bay. Trotz des laufenden Motors hört man sie jaulen – die Seelöwen.

„Hier leben etwa 115 Stück“, sagt Payne, der sich vor 25 Jahren mit seiner Frau Trish in Baird Bay, vier Stunden Fahrt von Port Lincoln entfernt, niederließ. Seitdem betreibt er Touren, bei denen Reisende mit Seelöwen und Delfinen schwimmen können. Außer Urlaubern aus aller Welt buchen auch viele Australier seine Touren.

Baird Bay: Schwimmen mit Seelöwen

Nach zehn Minuten Fahrt macht Payne den Motor aus, das Boot hält vor einer Bucht. Hier lassen sich Seelöwenmännchen die Sonne auf ihre Körper scheinen und -mütter säugen ihre Jungtiere. Einer kommt sogar ganz nah an das Boot heran. Payne erkennt ihn sofort: „Das ist Louis. Wir kennen ihn, seitdem er geboren ist.“

Das Jungtier ist schon eineinhalb Jahre alt. Inzwischen gibt es neue Babys. Der Seelöwenexperte weiß: „Alle 18 Monate kommen die Jungen zur Welt. Der nächste Wurf ist erst im Januar 2019.“ Hinter ihm steigt sein Kollege Mike Foll ins Wasser. Louis kann es offenbar kaum erwarten. Der junge Seelöwe lässt sich von den rotierenden Schiffspropellern Wasser ins Gesicht spritzen. Ganz so, als wolle er sich bereit machen. Mike Foll weiß, worauf es ankommt: „Ruhig verhalten, die Tiere entscheiden lassen“, weist er die Badegäste ein.

Die Seelöwen in Barid Bay kommen den Menschen unter Wasser ganz nah.
Die Seelöwen in Barid Bay kommen den Menschen unter Wasser ganz nah. Foto: Greg Snell, Tourism Australia

Ein kurzer Schreckmoment beim Eintauchen: Das Wasser wirkt im Vergleich zur Außentemperatur eisig. Spätestens wenn man den Kopf unter Wasser hält, ist der Schreck verflogen: Der Ausblick durch die Unterwasserbrille ist unglaublich.

Etwa fünf Meter entfernt raufen sich zwei Jungtiere, sie umgarnen sich, beißen sich freundschaftlich in die Flosse. „Unbedingt distanziert bleiben, sonst beziehen sie einen mit ein“, warnt Foll die Schnorchler. Ein guter Rat: Ausgewachsen wiegen die Tiere rund 350 Kilogramm.

Louis dreht inzwischen seine Runden um die Schnorchler und traut sich ganz nah heran. Von Foll lässt er sich ganz selbstverständlich am Bauch kraulen. Einer anderen Schnorchlerin drückt das Jungtier seine kalte Schnauze auf die Nase. „Das kommt nicht häufig vor“, sagt der Experte lachend. Die Tiere haben sich an die Menschen gewöhnt.

Wilsons-Promontory-Nationalpark: Seebären beobachten

Anders ist das im australischen Bundesstaat Victoria. Dort leben rund 20.000 Australische Seebären. Für sie sind Menschen fremd. Mika Peters, Meeresbiologin aus den Niederlanden, kennt die Tiere genau: „Wenn sie Angst haben, rutschen sie auf dem Bauch die Felswand hinunter.“

Abgesehen von den Besuchern, die mit einem Schiff vom Hafen in Port Welshpool ablegen, um sich die Natur um den Wilsons-Promontory-Nationalpark anzusehen, kennen sie keine Menschen. Immerhin befindet sich ihr Zuhause – eine Felswand mitten im Indischen Ozean – rund drei Stunden Fahrt vom Hafen und der Zivilisation entfernt. Zum Schutz der Tiere hält das Schiff 200 Meter vor dem Felsen.

Leben in Scharen: Im Bundesstaat Victoria tummeln sich etwa 20.000 Australische Seebären.
Leben in Scharen: Im Bundesstaat Victoria tummeln sich etwa 20.000 Australische Seebären. Foto: Tourism Australia

Peters lebt inzwischen seit mehr als 20 Jahren in Australien, mit 18 kam sie, um zu studieren, und blieb. Wieso? „Weil ich mich in das Land und die Tierwelt verliebt habe.“ Genau in diesem Moment springt hinter ihr eine Walmutter mit ihrem Jungtier aus dem Wasser.

Das Wasser ist tiefblau, fast so dunkel wie die Nacht. Dank dieser Tatsache können sich außer den Walen auch Australiens Pinguine besser tarnen. Durch die Wasseroberfläche kann man die flinken Schwimmer tatsächlich nicht erkennen.

Phillip Island: der Pinguin-Parade zuschauen

145 Kilometer entfernt auf Phillip Island geht das besser. Dort kommen sie aus dem Wasser. Die Pinguinparade ist zu einer Touristenattraktion geworden. Wenn die Sonne über dem Meer untergeht, spazieren die Pinguine in Scharen aus dem Ozean. „Es ist, als würden sie sich erzählen, wie ihr Tag war“, sagt Guide Steve Andrews, während die flugunfähigen Seevögel an ihm vorbeispazieren. Auf einem Podest sitzen mehrere Parkbesucher.

Alle blicken gespannt aufs Meer und warten dort, bis es ganz dunkel ist. Denn erst dann ist der letzte Pinguin in seinem Nest verschwunden. Auf Phillip Island hat man extra eine Station für die Tiere eingerichtet, in Hütten können sie die Nächte verbringen.

Pinguin-Parade: Wenn die Sonne untergeht, kommen die Pinguine an Land.
Pinguin-Parade: Wenn die Sonne untergeht, kommen die Pinguine an Land. Foto: Tourism Australia

Der Schutz der Seevögel ist wichtig. Auf Phillip Island hat man deswegen 95 Millionen australische Dollar investiert, um Land zurückzukaufen. „In der Zeit, in der an der Küste noch Menschen lebten, wurden hier häufig Pinguine von Autos überfahren. Mit ihren 33 Zentimetern wurden sie einfach zu leicht übersehen“, sagt Andrews. Das sollte verhindert werden.

Häuser wurden abgerissen, es entstand mehr Platz für die Pinguine in dem Naturschutzgebiet. Seitdem sterben weniger Tiere. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Tierschutzes vermittelt man nun den Besuchern: In einer Halle vor der Küste werden die Lebensbedingungen der Pinguine genau erklärt.

Wie winzig der Körper der australischen Vögel wirklich ist, versteht man erst, wenn man neben den lebensgroßen Modellen aus aller Welt steht. Zum Vergleich: Der Kaiserpinguin ist einen ganzen Meter größer.

You-Yang-Regionalpark: Unkraut zupfen für Koalas

Weiter östlich im You-Yang-Regionalpark erleben Reisende ein ganz anderes Naturgefühl. Gemeinsam mit Janine Duffy kommen sie Koalas besonders nah. Seit 21 Jahren erforscht sie die Beuteltiere in der Nähe von Melbourne und gibt ihr Wissen bei den Echidna-Walkabout-Touren an die Parkbesucher weiter. Sie lehnt an ihrem Geländewagen und blickt durch ihr Fernglas.

In der Krone eines Eukalyptusbaums erkennt sie den Star des Parks: Clancy. Das Männchen ist weit über die Grenzen von Melbourne hinaus bekannt. Denn seit seiner Geburt wird der Koala genau beobachtet. „Das ist deswegen so ungewöhnlich, weil er in der freien Natur lebt“, erklärt Duffy.

Mit Clancy leben in dem Regionalpark 104 weitere Koalas. Doch das war nicht immer so. „Als wir mit unserer Arbeit anfingen, hatte sich die Anzahl der Tiere innerhalb von zehn Jahren um 47 Prozent reduziert. Hätten wir das 20 Jahre später herausgefunden, wäre es zu spät für die Koalas gewesen“, sagt Janine Duffy.

Der berühmteste Koala der Welt: Seit seiner Geburt wird Clancy beobachtet.
Der berühmteste Koala der Welt: Seit seiner Geburt wird Clancy beobachtet. Foto: Janine Duffy

Der Bestand der Tiere ist trotzdem in Gefahr. Die Eukalyptusbäume – ihre Nahrungsquelle – sind stark vom Klimawandel betroffen. Die Blätter trocknen aus. Für die grauen Beuteltiere ist das schlimm, all die Flüssigkeit, die sie zum Überleben benötigen, nehmen sie über die Blätter auf. Mit ihrer Firma Echidna Walkabout setzt sich Janine Duffy dafür ein, dass neue Eukalyptusbäume gepflanzt werden.

Besucher lässt sie deswegen auch nicht einfach so in den Regionalpark. Jeder, der mit Duffy die Koalas beobachten will, muss auch etwas an die Tiere zurückgeben. Also gehört auch Unkraut pflücken zur Tour durch das Land der Aborigines. „Mit der Zeit sind hier Pflanzen gewachsen, die hier nicht ihren Ursprung haben, das wollen wir verhindern“, erklärt Duffy und reißt eine Pflanze aus dem Boden. 

Picknick mit einem Koala

Clancy krallt sich noch immer an den Stamm des gelben Eukalyptus: Das Beuteltier schläft – zumindest halb. Ein Auge ist geschlossen, das andere geöffnet, für Duffy ist klar: „Er hat gemerkt, dass hier jemand ist.“

Zwischen den beiden besteht ganz offensichtlich eine Verbindung. Dreht sie sich weg, buhlt das Männchen um ihre Aufmerksamkeit. Auf seine ganz eigene träge Weise bewegt er sich ein kleines Stück. Mit Erfolg: Sofort sind wieder alle Augen auf ihn gerichtet. Doch auch wenn sich die beiden gut kennen, überschreitet keiner von ihnen eine Grenze.

Duffy hält mindestens zehn Meter Abstand von dem Baum, auf dem das Tier sitzt, anfassen würde sie ihn nur in Notfällen. „Es ist immer noch ein Wildtier. Und das ist auch gut so.“ Mit Duffy kommt man den Tieren auf andere Weise nah: Spontan zieht sie eine Picknickdecke aus dem Kofferraum ihres Geländewagens und breitet sie mitten auf dem Weg aus. „Hier können wir Mittag essen und Clancy beobachten“, lädt sie uns ein.

Auch Clancy fühlt sich angesprochen – das Männchen kaut an einem Eukalyptusblatt. Das ist Gesellschaft, die wir so schnell nicht vergessen werden...

Tipps für den Urlaub in Australien

Einreise: Für die Einreise nach Australien benötigt man als deutscher Staatsbürger ein Visum. Ein Touristenvisum wird kostenlos von den australischen Behörden ausgestellt.

Wetter: Das Klima in Australien ist gegensätzlich zu dem in Deutschland. Ist in Europa Sommer, ist dort Winter. Deswegen ist die wärmste Reisezeit von November bis Mai.