Wie Reisende gegen Müll kämpfen | reisereporter.de

Wie Reisende gegen Müll kämpfen und was DU tun kannst

Riesige Müllstrudel treiben auf den Ozeanen – jedes Jahr kommen weitere rund neun Millionen Tonnen Plastikabfall hinzu. Reisende weltweit finden: Es wird endlich Zeit, etwas zu tun! Auch reisereporterin Leo Bartsch ist Teil der „5 Minute Beach Clean-up“-Bewegung.

Auf Lombok hat reisereporterin Leo beim „5 Minutes Beach Clean-up“ aufgeräumt.
Auf Lombok hat reisereporterin Leo beim „5 Minutes Beach Clean-up“ aufgeräumt.

Foto: Leo Bartsch

Wir alle kennen die herzzerreißenden Videos von Schildkröten, denen Strohhalme im Nasenloch stecken, oder Vögeln, die an Plastikmüll im Magen verendet sind. Fotos von Inseln aus Plastik, die im Meer herumschwimmen, gehen viral. 

Jedes Jahr gelangen rund neun Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Ozeane, nur 20 Prozent stammen von Schiffen, der Rest vom Festland. Reisende weltweit folgen nun der „5 Minute Beach Clean-up“-Bewegung, die von der aus Costa Rica stammenden Carolina Sevilla ins Leben gerufen wurde, um ein Zeichen zu setzen und die Meere (Plastik-)Stück für Stück etwas sauberer zu machen.

Ein Müllstrudel aus Plastik: 4,5-mal so groß wie Deutschland

Erst vor ein paar Tagen ging die Meldung um die Welt, dass der sogenannte „große pazifische Müllstrudel“, eine Art schwimmende Mega-Insel aus Plastik, weitaus größer ist als erwartet. Zu diesem Schluss kommt die Ocean Cleanup Foundation, die ihre Forschungsergebnisse nun im Fachblatt „Scientific Reports“ veröffentlichte.

Auf einem Gebiet von 1,6 Millionen Quadratkilometern, einer Fläche 4,5-mal so groß wie Deutschland, treiben 80.000 Tonnen Plastik im Meer. Zahlen, die kaum vorstellbar sind und fassungslos machen.

Insgesamt fünf von diesen Müllstrudeln gibt es in unseren Weltmeeren, und sie wachsen und wachsen. Nicht nur wird dadurch der Lebensraum von zahlreichen Arten zerstört, sondern nach und nach zersetzt sich der Müll in Mikroplastik, wird von Fischen, Schalentieren und Muscheln konsumiert, sammelt sich in deren Muskelgewebe und gelangt so auch wieder in unsere Nahrungskette.

Die Dringlichkeit, die Verschmutzung der Ozeane zu stoppen, ist deutlicher als je zuvor! Während sich Organisationen wie die Ocean Cleanup Foundation mit neuesten Technologien darum kümmern, das Plastik, das schon ins Meer gelangt ist, wieder herauszufischen, kann jeder Einzelne von uns dazu beitragen, dass gar nicht erst mehr davon hineingerät.

Wir müssen eine Bewegung starten. Oder besser: eine Revolution!

Carolina Sevilla

Auch wenn es auf den ersten Blick wie eine unlösbare Aufgabe erscheint, die viel zu groß für individuelle Maßnahmen ist, können wir alle gemeinsam eine Veränderung bewirken. Das dachte sich auch Carolina Sevilla, die in einer Holzhütte an einem Strand in Costa Rica lebt und die Initiative „#5minuteBeachCleanup“ ins Leben rief.

„Jeden Morgen im Paradies aufzuwachen und zu sehen, wie vermüllt der Strand ist, hat mir das Herz gebrochen“, erklärt sie in einem Video auf ihrer Website. Also beschloss sie, jeden Tag zumindest fünf Minuten lang Müll aufzusammeln, und rief dazu auf, es ihr gleichzutun. Daraus entstand eine weltweite Bewegung.

Zahlreiche Surfer, Backpacker, Reisende und Locals räumen fünf Minuten lang ihre Lieblingsstrände auf, wenn sie schon einmal da sind, und teilen die Aktionen unter dem Hashtag #5minuteBeachCleanup in den sozialen Netzwerken. Das geniale daran? Jeder hat fünf Minuten übrig, und die machen in der Gesamtheit einen großen Unterschied! „Nur zusammen können wir die Welt retten“, sagt Carolina, „wir müssen eine Bewegung starten. Oder besser: eine Revolution!“

Wir alle standen schon einmal knöcheltief im Müll…

Wir alle standen schon einmal an einem traumhaften Sandstrand knöcheltief im Müll, verhedderten uns beim Schwimmen in einer Plastiktüte oder sahen zu, wie Seevögel munter Mikroplastikstücke verschluckten. Die traurigen Resultate für die Meeresbewohner können wir uns dann anschließend auf Fotos und in Videos im Internet anschauen. Höchste Zeit also, selbst zu handeln!

Nicht nur auf Reisen, sondern auch zu Hause können wir dazu beitragen, die Welt ein Stück plastikfreier zu machen, indem wir einfach weniger davon verbrauchen. Zwar ist uns das Problem im Alltag vielleicht nicht ganz so bewusst, da der Müll einfach im Mülleimer landet und abgeholt wird, „weg“ ist er aber noch lange nicht: Bis zu 450 Jahre dauert es laut dem Umweltbundesamt, bis sich Plastik vollständig zersetzt hat.

Alltagshelden: Tricks für ein plastikfreies Leben

Der reisereporter hat dir eine Liste zusammengestellt, der du ganz easy folgen kannst, wenn auch du etwas gegen die Plastikverschmutzung tun und zu einem Alltagshelden werden möchtest. 

Hier sind fünf Tricks für ein plastikfreies Leben:

1. Benutze kein „single-use plastic“: Wenn das Plastik nicht wiederverwendbar ist, sondern nach einmaliger Benutzung weggeschmissen wird, sollte man ganz darauf verzichten. Dies beinhaltet Strohhalme, Plastikbesteck, Plastiktüten, Verpackungen und viele Plastikflaschen. Als Alternative kannst du zum Beispiel Strohhalme aus Edelstahl oder Bambusbesteck benutzen.

2. Schaff dir eine Trinkflasche an: Überall in Deutschland kann man das Leitungswasser trinken, in vielen Hostels und Hotels gibt es inzwischen gefiltertes Wasser zum kostenlosen Auffüllen. Wenn du immer eine Trinkflasche dabei hast, sparst du nicht nur Plastik, sondern auch Geld. Das Gleiche gilt für Coffe to go – in den meisten großen Coffeeshops erhältst du Rabatt, wenn du einen eigenen Becher dabeihast.

3. Bring deinen eigenen Beutel mit: Gewöhn dir an, immer einen Stoffbeutel mitzunehmen, wenn du einkaufen gehst, dann kannst du ganz auf Plastiktüten verzichten. Zusätzlich gibt es kleine Baumwolltaschen zum Gemüse- und Obsteinkauf – eine Investition, die die Umwelt dir danken wird.

4. Stell auf Naturkosmetik um: In vielen Kosmetikprodukten wird Mikroplastik verarbeitet (zum Beispiel Peelingperlen), das dann durch unser Wasser ins Meer gerät. Naturkosmetik verzichtet komplett auf die Nutzung von Mikroplastik und ist somit die bessere Alternative, auch für deine Haut.

5. Versuch, verpackungsfrei einzukaufen: Komplett verpackungsfrei einzukaufen ist ganz klar eine Herausforderung, aber schon ein wenig darauf zu achten hilft. Du kannst zum Beispiel bei Obst und Gemüse darauf achten, dass du es lose einkaufst und in deine mitgebrachten Beutel füllst. In vielen Supermärkten gibt es inzwischen auch verpackungsfreie Nudeln, Reis, Müsli und weitere Lebensmittel zum Abfüllen. Ein weiterer Trick ist es, die Verpackungen gleich im Supermarkt zu lassen, sodass die großen Supermärkte zum Umdenken bewegt werden.

Wenn wir alle etwas bewusster leben und ab jetzt nur Kleinigkeiten ändern, lässt sich das Plastikmüllproblem vielleicht noch in den Griff bekommen. Ob fünf kleine Tricks im Alltag oder fünf Minuten am Tag, wenn wir auf Reisen sind – in 5, 15 oder 50 Jahren können wir hoffentlich sagen, dass wir das Richtige getan haben und Teil einer Bewegung waren, die die Welt verändert hat!

Deine Leo
PS: Weitersagen! ;-) 

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