„Reisen kenne ich eigentlich nur aus dem Fernsehen“, sagt Eric Frost. Urlaube auf Mallorca und in Südtirol, das sei es bisher eigentlich gewesen. Für größere Reisen habe das Geld gefehlt. „Aber jetzt habe ich das Gefühl, ich muss das alles nachholen.“

Und wenn, dann auch so richtig: Bei einer Mega-Radreise will der 34-Jährige aus Innsbruck in diesem Jahr seinen Abenteuerhunger stillen und auf seinem Weg nach Singapur gleich 23 Länder kennenlernen. Unter anderem führt die Strecke durch China, Vietnam, Kambodscha und Aserbaidschan. Von dort aus wird er mit dem Schiff nach Kasachstan übersetzen – das (geplant) einzige Mal, dass er sein Rad betrügen wird.

Eric Frost auf einer Fahrradtour über den italienischen Bergpass Passo della Cisa.
Eric Frost hat schon einige Touren gemacht, hier ist er zum Beispiel auf dem italienischen Bergpass Passo della Cisa. Foto: privat

Eric will mit dieser Reise sein altes Leben hinter sich lassen: Ein abgebrochenes Sportstudium nach einer Knieverletzung, 14 Jahre Arbeit in der Gastronomie, ein Architekturstudium, danach 75 Job-Absagen. Der Druck, der Stress, irgendwann wurde alles zu viel: „Ich hatte ein Burn-out.“ Nach drei Monaten Klinikaufenthalt stand seine Entscheidung fest: „Ich muss endlich mal was nur für mich machen, mir einen Traum erfüllen.“

18.000 Kilometer mit dem Rad: Keine Angst vor der Mammutstrecke

Warum er ausgerechnet auf dem Fahrrad reisen will? Die Antwort ist ziemlich pragmatisch: „Ich habe kein Auto, zu Fuß dauert es zu lange, und im Flugzeug sieht man zu wenig.“

Bisher habe er nur kleinere Touren bis zu 500 Kilometer gemacht, zum Beispiel in Österreich. Vor der körperlichen Anstrengung auf der Mammutstrecke habe er aber keine Angst – „so etwas ist mir nicht fremd“. Eric war in seinem Geburtsland Luxemburg als Jugendlicher Hochleistungssportler. „Ich war mehrfacher Landesmeister auf der 800-Meter- und der 1.000-Meter-Strecke sowie bei diversen Staffeln.“

Die Vorbereitungen für das Abenteuer laufen auf Hochtouren, auf seinem Blog „The Cyclinc Vagabond“ (deusch: der Rad fahrende Vagabund) lässt er die Facebook-Gemeinde daran teilhaben.  

Die größte Herausforderung bisher sei das Packen gewesen. „Ich habe keine Ahnung von Backpacking oder Zelten und wusste gar nicht, was ich mitnehmen muss.“ Also wälzte er Packlisten anderer Backpacker und kaufte bis aufs Rad alles neu: Zelt, Campingkocher, Isomatte, Schlafsack, Radklamotten und, und, und. „Ich muss aber unter 40 Kilogramm bleiben, mehr schaffen die Gepäckträger nicht“, sagt er. Er sei aber optimistisch: „Passt schon alles.“

Angst habe er hingegen vor der Einsamkeit. „Ich habe ständig Menschen um mich herum, bedingt durch meine Arbeit in der Gastronomie. Ich brauche diesen kompletten Umbruch zwar, aber allein zu sein wird sicherlich sehr schwer.“ Er lässt auch seine Freundin in Deutschland. „Wir haben uns erst kennengelernt, nachdem mein Plan feststand. Aber sie wird mich ein Stück in Asien begleiten.“

Am 13. Mai geht’s los – und Eric hat versprochen, uns an seinem Abenteuer teilhaben zu lassen. An den Höhen und Tiefen, den Herausforderungen und bestimmt auch an dem ein oder anderen Schmerz.