Filmtourismus: Paar reist zu Drehorten | reisereporter.de

Dieses Paar reist um die Welt und stellt Filmszenen nach

Filmfans, die an bekannte Drehorte reisen, gibt’s viele. Aber nur wenige stellen ihre Lieblingsszenen so detailgetreu nach wie Judith und Robin. Auf seinem Instagram-Account Secret Famous Places teilt das Paar die beeindruckenden Nachbildungen.

Nachgestellte Filmszene auf dem Instagram-Account Secret Famous Places.
Judith Schneider (oben rechts) und Robin Lachhein (oben links) stellen eine Szene mit Leonardo DiCaprio und Marion Cottillard aus dem Film „Inception“ nach.

Foto: Secret Famous Places

In die Berge oder an den Strand? Eine ziemlich grundlegende Urlaubsentscheidung. Auch Judith Schneider (27) und Robin Lachhein (29) haben sich genau das vor ungefähr vier Jahren gefragt. Nur, dass das Paar aus dem Rhein-Main-Gebiet darauf keine naheliegende Antwort fand. Stattdessen trafen sie eine Entscheidung, die ihr Urlaubsleben total veränderte: Sie werden an Drehorte reisen. 

Reisen zu Drehorten in der ganzen Welt

Judith erinnert sich noch sehr genau an den Moment: „Wir waren damals noch Studenten und haben ein Picknick an der Loreley gemacht (Schieferfels am Rheinufer in Rheinland-Pfalz). Einer von uns hat dann das Thema Drehorte vorgeschlagen, und der andere war sofort begeistert“, erzählt sie. 

Weil bei normalen Landschaftsaufnahmen aber niemand gecheckt hätte, dass es sich dabei um Drehorte handelt, beschlossen die beiden, die Szenen genauso darzustellen, wie wir sie aus den Filmen kennen.

Schnell stand fest: „Wenn wir das machen, dann muss wirklich alles stimmen: Klamotten, Pose, Kameraeinstellung, die exakte Location.“ 

Erst waren sich die beiden unsicher, ob ihre Idee funktionieren würde. Ein Blick auf ihren Instagram-Account Secret Famous Places zeigt: Es funktioniert ganz hervorragend.

Nachgestellte Filmszenen – das perfekte Urlaubsbild

Der Ehrgeiz, immer exakter zu werden, sei mit den Jahren gewachsen. Seit dem Sommer 2017 filmen sie die Erlebnisse auf ihren Reisen und posten immer ein Making-of auf ihrem Youtube-Kanal.

Und wer macht die Fotos der beiden? „Tatsächlich immer der Selbstauslöser“, sagt Judith und lacht. Das ende dann immer damit, dass einer von beiden die Pose einnehme, der andere dann auf den Auslöser drücke und zurückrenne in der Hoffnung, dass die Pose so wird wie in der Szene. 

„Wie lange es bis zum finalen Foto dauert, ist sehr unterschiedlich“, so Judith. Das hänge davon ab, wie kompliziert die Pose sei. 

Manchmal geben aber auch äußere Umstände den Takt vor: Im Fall einer „Inception“-Szene auf einer Pariser Brücke hatten Judith und Robin nur 20 Minuten Zeit, weil sie sich nach dem Stand der Sonne richten mussten. Und ebenfalls in Paris, bei einer Szene aus „Sex and the City“, ging um Mitternacht unerwartet das Licht am Gebäude im Hintergrund aus. Zack – Kulisse weg!

Die Szene aus „Tribute von Panem“, die in Berlin entstand, habe dagegen ganz schön lange gedauert: Ständig sei irgendwas verrutscht und die beiden waren nicht zufrieden. „Da hat das reine Foto bestimmt eine Stunde gedauert“, gibt Judith zu. Das könnte aber auch daran liegen, das „Panem“ einer von Judiths Lieblingsfilmen ist – entsprechend hoch war ihr Anspruch an das Endergebnis.

Werden eigentlich nur Lieblingsfilme in Fotos verwandelt? 

Nicht nur, aber „gut finden müssen wir sie schon“. Judith und Robin sehen sich alte und neue Filme an, die sie cool finden, und suchen die Szenen aus.

Die Schwierigkeit dabei: Immer müssen ein Mann und eine Frau gleichzeitig auf dem Bild zu sehen sein. Und das sei schwerer gewesen als erwartet. 

So findet das Paar die genauen Drehorte

Hierfür haben die beiden eine eigene Taktik entwickelt: Sie machen von den Filmen Screenshots – einige Sekunden vor und nach dem eigentlichen Motiv – und nehmen diese mit. Dadurch hoffen sie, Hinweise auf den Ort zu finden. 

Schwer wird’s bei Drehorten in der Natur, wo es nicht viele Anhaltspunkte gibt. Oder wenn die Kulisse ein Fake ist: Dann ragt im Hintergrund beispielsweise ein Berg auf, der eigentlich ganz woanders steht. Oder die Szene im Film ist so geschnitten, dass zwei kilometerweit entfernte Orte plötzlich nebeneinander liegen (das lernten die beiden auf der Suche nach einem Drehort aus „Alien: Covenant“). 

Am schwierigsten zu finden war der Drehort einer Szene aus „10.000 B.C.“ in Neuseeland, der im Grunde einfach ein Stein ist. Einziger Anhaltspunkt: Er soll in einem Skigebiet bei Queenstown liegen.

Also fuhren die beiden eine Stunde den Berg hoch. Als sie mit dem Auto nicht weiterkommen, machten sie zu Fuß weiter. Und nahmen dann einfach den ersten Stein. Zum Glück war das tatsächlich der richtige.

„Downton Abbey“ beispielsweise sei wesentlich einfacher gewesen, weil Highclere Castle als Drehort bestens bekannt sei, erklärt Judith. Für sie war das Schloss außerdem ein Lieblingsort auf ihren bisherigen Drehortreisen: „Ich kann jedem nur empfehlen, dorthin zu fahren. Für mich war das eigentlich der schönste Ort von unseren veröffentlichten Fotos, weil ich damit durch die Serie so viel Schönes verbinde.“

Das besondere am Filmtourismus

Generell sei „supercool“, die Orte zu sehen, die sie aus Filmen kenne. Gerade bei Serien wie „Downton Abbey“, von denen man mehrere Staffeln anschaue und sich den Personen und Orten zugehörig fühle. „Dann da zu stehen und den Ort in echt zu sehen ist einfach ein wirklich cooles Gefühl“, schwärmt Judith.

Es gehe auch nicht nur darum, einfach das Foto zu knipsen und wieder zu verschwinden. Oft erkunden Judith und Robin die Umgebung der Drehorte und entdecken dabei Dinge, die sie sich im Film ganz anders vorgestellt hatten. 

Die Nase voll von Drehorten hat das Paar noch nicht: Gerade stecken die beiden in der Planung für das nächste Foto, in ein paar Tagen geht’s nämlich an den Comer See in Italien

Und für die nächste große Reise im Herbst fragen sie schon jetzt in Foren nach coolen Drehorten. Dann geht’s für Judith und Robin an die Westküste der USA. Hast du einen guten Tipp? Dann freuen sich die Filmreisenden bestimmt über einen Kommentar unter diesem Artikel!

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