Die Osterinsel droht zu verschwinden | reisereporter.de

Die Uhr tickt: Die Osterinsel wird langsam überschwemmt

Die Osterinsel ist berühmt für ihre mysteriösen Steinstatuen, die Moai. Doch das Weltkulturerbe ist bedroht. Aber nicht etwa vom Massentourismus, sondern vom Klimawandel.

Die Rapanui stellten ihre Moai-Statuen am Meer auf. Das könnte dem Weltkulturerbe zum Verhängnis werden.
Die Rapanui stellten ihre Moai-Statuen am Meer auf. Das könnte dem Weltkulturerbe zum Verhängnis werden.

Foto: imago/imagebroker

Sie sind ein Rätsel der Menschheit: Die kolossalen Steinstatuen auf der Osterinsel. Archäologen versuchen immer noch, ihre Geheimnisse zu entschlüsseln.

Zum Beispiel wie die Rapanui, die aus Polynesien kamen und die Insel einst besiedelten, die tonnenschweren Figuren ohne Hilfe von Zugtieren oder Rädern transportieren konnten. Für die Forscher und die Moai-Statuen hat allerdings ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen.

Osterinsel ist vom steigenden Meeresspiegel bedroht

Denn die Osterinsel mit ihren einzigartigen und stummen Zeitzeugen ist akut vom steigenden Meeresspiegel bedroht, warnen die Vereinten Nationen nun in einem Bericht. An der Küste des Eilands, das etwas kleiner als Fehmarn ist und mitten im Pazifik liegt – 3.500 Kilometer von der chilenischen Küste und etwa 2.000 Kilometer östlich von Pitcairn, dem nächsten bewohnten Flecken im Pazifik –, sind erste Schäden schon sichtbar. 

Am Ovahe-Strand im Nordosten der Insel habe das Meer den weißen Sand bereits komplett weggetragen und nur noch poröses Vulkangestein zurückgelassen, berichtet Nicholas Casey. Der Journalist der „New York Times" hat sich die Folgen des Klimawandels auf der Osterinsel genauer angeschaut.

Die Osterinsel: Das wohl abgelegenste Eiland der Welt

An anderen Stellen seien sogar die Statuen und uralte Felszeichnungen direkt gefährdet. Denn die Rapanui stellten ihre Moais und Ahus – Steinsockel, die auch als Gräber genutzt wurden – direkt am Meer auf. An der Küste, auf etwa 42 Prozent der Inselfläche, erstreckt sich der 1995 gegründete Nationalpark Rapa Nui, der Teil des Unesco-Welterbes ist. 

Uralte Felszeichnungen drohen ins Meer zu fallen

Am Orongo-Aussichtspunkt, der sich am Krater des Vulkans Rano Kao befindet, könnten wertvolle Petroglyphen ins Meer fallen. Die Klippe, auf der die schweren Steinbilder stehen, droht abzubrechen, weil sich die Wellen langsam einen Weg durch das Gestein bahnen.

2007, erzählt Casey, kam es bereits zu einem großen Erdrutsch. Nun erwägen Stadt und Archäologen, die Steine in ein Museum zu bringen. „Man fühlt sich der Naturgewalt ausgeliefert, es ist nicht möglich, unsere Kultur und was von ihr übrig ist, zu retten“, erzählt ein Einheimischer dem Reporter. 

Eine Kultur, die ein Jahrtausend alt ist. Um 1000 nach Christus entdeckte ein polynesischer Stamm die Insel und taufte sie Rapa Nui (große Insel). Erst 1722 hat sie ein Europäer entdeckt. Etwa 1.100 tonnenschwere Moais wurden von den Rapanui erbaut, als Symbole ihrer Ahnen. 20.000 Ausgrabungsstätten zählt die Insel. 

Meeresspiegel steigt schneller als gedacht

Seit 1993 steigt der Meeresspiegel im weltweiten Durchschnitt jährlich um etwa drei Millimeter. 2100 könnten es zehn Millimeter pro Jahr sein. Das berichtet die Forschergruppe um Steve Nerem von der University of Colorado in Boulder im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Nicht nur die Osterinsel, auch andere Eilande im Südpazifik drohen zu verschwinden. Das Marshall-Archipel hat dem Meer bereits kleinere Inseln überlassen müssen. Kiribati, eine kleine Republik aus Korallenriffen nördlich von Fiji, könnte schon für die nächste Generation unbewohnbar sein. 

Moais in Ahu Nau Nau am Strand Anakena, Nationalpark Rapa Nui, Osterinsel, Chile, Südamerika Copyright: imageBROKER/KarolxKozlowski iblkoz04540982.jpgMoais in Ahu Nau Nau at Beach Anakena National Park Rapa Nui Easter Island Chile South America Copyright image broker KarolxKozlowski iblkoz04540982 JPG Bitte beachten Sie die gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Urheberrechtes hinsichtlich der Namensnennung des Fotografen im direkten Umfeld der Veröffentlichung!imago/imagebroker
Moais in Ahu Nau Nau am Strand Anakena. Die Statuen wiegen mehrere Tonnen. Foto: imago/imagebroker

Die Zeit läuft, um die letzten Geheimnisse zu lüften

Archäologen glauben, dass die ersten Siedler am Anakena-Strand landeten. Sie hatten auf einfachen Holzflößen mehr als 2.000 Kilometer zurückgelegt. Dort, unter dem weißen Sand begraben, wurden auch die ältesten archäologischen Funde entdeckt.

Die Zeit läuft den Forschern allerdings davon, um die letzten Rätsel der Rapanui zu lüften. Denn auch hier fängt das Meer langsam an, den Sand davonzutragen.

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