Notre-Dame: Einst vor dem Verfall gerettet – jetzt in Flammen

Notre-Dame: Einst fast verfallen – jetzt in Flammen

Fast 200 Jahre dauerte ihr Bau – nun haben Flammen sie zerstört. Die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame zählt zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Doch sie war nicht immer so beliebt.

Die Kathedrale Notre-Dame de Paris liegt direkt an der Seine.
Die Kathedrale Notre-Dame de Paris liegt direkt an der Seine.

Foto: imago/robertharding

Von 1161 bis 1345 entstand die Kathedrale des Erzbistums Paris. Die Notre-Dame, zu Deutsch „Unsere Dame“, ist eine der frühesten gotischen Kirchen Frankreichs und ein wahrer Touristenmagnet der französischen Hauptstadt.

Nicht weniger als 14 Millionen Menschen übertraten bislang jedes Jahr ihre Schwelle, um das Innere der Pariser Sehenswürdigkeit zu bewundern. Sie ist beliebt, und die ganze Welt reagierte schockiert, als sie am Montag vom Feuer-Inferno in der Kirche erfuhr.

Was viele nicht wissen: Notre-Dame war nicht immer so beliebt. Anfang des 19. Jahrhunderts begann das Bauwerk langsam zu verfallen. Bereits im Jahr 1793 hatten Verfechter der Revolution die Kirche gestürmt und verwüstet.

Es brauchte den Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“, um die Kathedrale im Jahr 1831 wieder in den Fokus zu rücken. 1844 wurde entschieden, das Bauwerk umfassend zu restaurieren. Auch heute werden immer wieder Renovierungsarbeiten durchgeführt – so auch am Tag des verheerenden Brandes.

Die Architektur der Kathedrale Notre-Dame

Die Kathedrale Notre-Dame de Paris wurde ab dem Jahr 1163 in vier Bauphasen errichtet: Der Bau des Kirchenschiffes, das 1182 von Bischof de Sully geweiht wurde, begann unter der Herrschaft Ludwigs VII. Acht Jahre später wurde die zweite Bauphase beendet, während der das mittlere Drittel des Kirchenschiffes entstanden ist.

Das Querhaus hatte jedoch zunächst noch keinen nördlichen Abschluss: In der dritten Bauphase, die von 1190 bis 1225 dauerte, wurde dieser Teil ebenso wie die unteren Geschosse der Westfassade mitsamt ihren drei Portalen gemauert. Das Rosengeschoss der westlichen Turmfront mit Fensterrose wurde ebenfalls 1225 fertiggestellt.

In der letzten Bauphase der Notre-Dame de Paris wurden ihre beiden Türme errichtet, die Schrägdächer der Seitenschiffe zu flachen Terrassen umgebaut und größere Fenster in den Obergarten eingebaut. An den Seitenschiffen wurden zudem Kapellen angebaut. Im Jahr 1250 wurde schließlich der Nordturm der Notre-Dame mit seinen filigranen Turmspitzen fertiggestellt.

Die vollendete Kathedrale, deren Inneres während der Französischen Revolution stark beschädigt wurde, bietet heute Platz für bis zu 10.000 Menschen und hat eine Höhe von 90 Metern. Das Kirchenschiff ist 130 Meter lang, 35 Meter hoch und 48 Meter breit.

Die Türme, in denen seit dem Jahr 2013 zehn Glocken hängen, haben eine Höhe von 69 Metern. Die schwerste der Glocken ist die 13.000 Kilogramm schwere „Emmanuelle“ im Südturm. Sie ist als wohlklingendste Glocke Frankreichs berühmt und nur an den höchsten Feiertagen Ostern, Weihnachten und Pfingsten sowie zum Tod des Papstes und zu besonderen Anlässen zu hören. Im Nordturm sind die übrigen, kleineren Glocken zu bestaunen.

Die Schätze der Notre-Dame

Die Kathedrale Notre-Dame de Paris beherbergt viele Schätze – einige wurden durch den Brand vollends zerstört, andere konnten gerettet werden.

Hierfür war Notre-Dame bekannt

Zum Beispiel für ihre Altäre, die schon vom Eingang aus ins Auge fielen. Einer davon ist der Hochaltar im Chor. Er wurde mehrmals restauriert – bis nur noch seine Mensa erhalten war.

Prägendes Stück des Altars ist die aus Marmor gefertigte Figur des französischen Bildhauers Nicolas Coustou. Umgeben ist der Altar von zwei knienden Marmorskulpturen: links eine Abbildung Ludwigs XIV. und rechts von Ludwig XIII. Der heutige Volksaltar steht im Bereich der Vierung.

Er wurde 1989 von Jean Touret aus Bronze gefertigt. An der Stirnseite befinden sich die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes des Neuen Testaments und an den beiden kurzen Seiten des Altars die vier großen Propheten Ezechiel, Jeremia, Jesaja und Daniel des Alten Testaments.

Die Kathedrale verfügte zudem über zwei Orgeln: Die Große Orgel war die Hauptorgel von Notre-Dame und wurde von Aristide Cavaillé-Coll im Jahr 1968 hergestellt. Sie besaß 115 Register, wobei diese auf fünf Manualen verteilt waren. Ein Jahr später, im Jahr 1969, wurde die zweimanualige Chororgel erbaut, die 30 Register besitzt.

In der Fassade der Kathedrale Notre-Dame waren weitere Schätze versteckt. So erstreckte sich unter der Balustrade das breite, horizontale Band der Galerie der Könige. Es war bestückt mit 28 Statuen aus 28 Generationen von Königen aus Juda, Nachkommen von Jesse und menschlichen Vorfahren von Maria und Jesus.

Unter der Galerie der Könige, in der unteren Etage, gibt es drei große Portale, die nicht ganz identisch sind: Das zentrale Portal, das Portal des Urteils genannt wird, ist höher und breiter als die anderen beiden Portale, das südliche Portal Saint-Anne und das nördliche Portal der Jungfrau.

Die beiden letzteren Portale sind mit einem Schwarm von Charakteren geschmückt und in den Schirmen von großen Statuen umgeben, die im 19. Jahrhundert von Eugène Viollet-le-Duc wiederhergestellt wurden.

Spezielle Besichtigungen der Notre-Dame de Paris

In der Kathedrale Notre-Dame konnten Besucher neben dem Innenraum auch noch andere Teile besichtigen: Der Rundgang der Türme von Notre-Dame erlaubte es dir, alle oberen Teile der Westfassade aus dem 13. Jahrhundert zu bestaunen und die Wasserspeier- und Chimärenskulpturen von Viollet-le-Duc (19. Jahrhundert) und Bourdon (17. Jahrhundert) zu betrachten.

Um die Spitze des Südturms zu erreichen, musste man 387 Stufen erklimmen. 

Die archäologische Krypta unter dem Platz der Notre-Dame de Paris wurde zum Schutz der bei Ausgrabungen im Jahre 1965 von der Alten Pariser Kommission entdeckten Überreste entworfen.

Dieser Raum öffnete seine Türen im Jahr 1980 mit dem Ziel, die Elemente der Gebäude zu präsentieren, die sich im 19. Jahrhundert auf dem antiken Gelände befanden.

Der Glöckner von Notre-Dame

Ihren Bekanntheitsgrad verdankt die Kathedrale unter anderem der Geschichte „Der Glöckner von Notre-Dame“, die im Jahr 1831 erschien. Urheber des historischen Romans ist der französische Schriftstellers Victor Hugo. 

Er erzählt in seiner Geschichte von dem buckligen Glöckner Quasimodo, der hoch oben in den Türmen der Kathedrale Notre-Dame lebt und sich in die schöne Zigeunerin Esmeralda verliebt. Die selbstlose und heimliche Liebe der beiden findet erst im Tod Erfüllung. Im Mittelpunkt dieser Sage steht die Kathedrale, in der wesentliche Teile der Erzählung spielen.

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