Anne-Frank-Haus in Amsterdam besichtigen | reisereporter.de

Anne-Frank-Haus in Amsterdam: Tipps für Besucher

Amsterdam hat nicht nur Blumenmärkte und Bootstouren durch seine malerischen Grachten zu bieten – auch das historisch äußerst bedeutsame Anne-Frank-Haus darf bei deinem Städtetrip keinesfalls fehlen.

In der Prinsengracht in Amsterdam steht das Haus, das Anne Frank und ihrer Familie von 1940 bis 1944 als Versteck vor den Nationalsozialisten diente.
In der Prinsengracht in Amsterdam steht das Haus, das Anne Frank und ihrer Familie von 1940 bis 1944 als Versteck vor den Nationalsozialisten diente.

Foto: imago/Joana Kruse

Kurze Biografie von Anne Frank

Die Jüdin Anne Frank, die am 12.06.1929 in Frankfurt am Main das Licht der Welt erblickte, musste als junges Mädchen mit ihren Eltern vor den Nationalsozialisten fliehen und wanderte mit ihnen in die Niederlande aus. Ab Mitte des Jahres 1940 lebte sie zusammen mit ihrer Familie in der Prinsengracht 263, dessen Hinterhaus das heutigen Anne-Frank-Haus ist.

Während der zwei Jahre, in denen die Familie hier wohnte, durfte Anne nie vor die Tür gehen. Aufgrund der Judenverfolgung lebte die gesamte Familie Frank in beständiger Angst vor dem Kommenden. Während dieser Zeit führte Anne Frank kontinuierlich Tagebuch – bis sie schließlich ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde. 1945 verstarb Anne, genau wie ein Großteil ihrer Familie, infolge der dort vorherrschenden Grausamkeiten.

Das Anne-Frank-Haus in Amsterdam

Das Gebäude in der Prinsengracht 263 diente ursprünglich als Privatresidenz und anschließend als Lagerraum. Annes Vater Otto bezog im Jahr 1940 das Objekt mit seiner Firma. Das Erdgeschoss bestand dabei aus drei Teilen und wurde wie folgt genutzt: Der vordere Teil diente als Lager und als Eingang für Lieferanten.

Dahinter befanden sich die Gewürzmühlen; im hinteren Teil wurden Handelsgüter gelagert und verpackt. Das zusätzlich errichtete Hinterhaus dient als Verlängerung des Gebäudes. Da es auf vier Seiten von anderen Häusern umgeben ist, sind keinerlei Einblicke von der Straße aus möglich.

Diese Tatsache machte es während der Judenverfolgung zu einem geeigneten Versteck für Anne Frank und ihre Familie. Über zwei Jahre lebte Familie Frank zu acht auf 50 Quadratmetern. Die Räumlichkeiten waren dabei die meiste Zeit abgedunkelt. Rausgehen konnten die Franks lediglich abends und an den Wochenenden, wenn die Angestellten der Firma nicht vor Ort waren.

Die Gründung des heutigen Museums

Nach dem Krieg zieht Otto Frank, als einziger Überlebender der Familie, mit seiner Firma um. Das Gebäude stand seitdem leer, der Abriss war bereits in Planung. Da Anne lange den Wunsch hegte, Schriftstellerin zu werden, beschloss ihr Vater Otto Frank, ihre Tagebuchaufzeichnungen zu veröffentlichen.

Nachdem diese zum Verkaufserfolg wurden, mussten die Pläne, eine Fabrik an die Stelle des Hauses zu bauen, verworfen werden. Die niederländische Zeitung Het Vrije Volk startete 1955 eine Kampagne, die zum Erhalt des Hauses aufrief.

Nach erfolgreichen Protesten gegen den Abriss, wurde das Haus schließlich der Anne-Frank-Stiftung überschrieben. Umfangreiche Restaurationsmaßnahmen fanden statt – mit dem Vorhaben, möglichst viel des ursprünglichen Zustandes beizubehalten.

Das Museum in der heutigen Zeit

1960 wurde in den vorderen Häusern der Prinsengracht 263 ein Museum eingerichtet, das die Verfolgung und Unterdrückung von Menschen durch Nationalsozialisten behandelt. Renovierungsarbeiten und Maßnahmen zur Vergrößerung der Ausstellung fanden unter anderem 1970 und 1999 statt.

Das Hinterhaus, in dem sich die Franks versteckten, kannst du auch heute noch besichtigen. Anne Franks Vater, der den Holocaust überlebte, äußerte den Wunsch, dass das Hinterhaus unmöbliert bleibt. Wenige persönliche Dinge erinnern jedoch an die schlimme Zeit der Angst und Flucht. Eine Fotosammlung berühmter Filmstars sowie die alte Tapete gehören dazu. Auf der Tapete siehst du, wie Otto Frank das körperliche Wachstum seiner Töchter markierte.

An den Raum grenzen mehrere Gänge, die in die Nachbarhäuser führen. Diese wurden ebenfalls von der Anne-Frank-Stiftung gekauft und zur Bildungsarbeit genutzt. Hier werden das bekannte Tagebuch von Anne Frank sowie weitergehende Informationen zum Holocaust präsentiert. Außerdem findest du vor Ort Beiträge zu aktuellen Fällen von Rassismus und Faschismus.

Tourismus rund um das Anne-Frank-Haus in Amsterdam

Nach Veröffentlichung des Tagebuchs, das Anne Frank im Hinterhaus der Prinsengracht 263 schrieb, kamen zunehmend Besucher ins Anne-Frank-Haus. Waren es im Jahr der Veröffentlichung noch 9.000 Besucher, verdoppelte sich die Anzahl im nächsten Jahrzehnt bereits. 2007 schauten sich über eine Million Menschen das Museum und das Hinterhaus an – so geraten die grausamen Geschehnisse der Judenverfolgung nicht in Vergessenheit.

Das Anne-Frank-Haus gehört zu den bedeutensten Touristenzielen Amsterdams. Es ist sowohl vom Zentrum aus als auch vom Hauptbahnhof fußläufig zu erreichen. Wenn du nicht zu Fuß gehen möchtest oder kannst, hast du die Möglichkeit, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Häufig kommt es aufgrund des hohen Besucherandrang zu langen Wartezeiten, die unter Umständen bis zu zwei Stunden betragen. Wer diese umgehen möchte, sollte bereits eine Stunde vor Öffnung, die täglich um 9 Uhr erfolgt (von Anfang November bis Ende März werktags erst um 10 Uhr), vor Ort sein.

Die Ausstellung schließt gewöhnlicherweise um 22 Uhr; feiertags- und saisonbedingte Ausnahmen können auf der offiziellen Seite des Museums eingesehen werden. Tickets kannst du zudem im Vorfeld online buchen, wodurch sich die Warteschlange ebenfalls umgehen lässt. Momentan bezahlen erwachsene Besucher 9 Euro Eintritt und Kinder sowie Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren 4,50 Euro. Kinder unter zehn Jahren erhalten freien Eintritt.

Das Anne-Frank-Haus erfüllt einen wichtigen Bildungsauftrag und sollte bei einem Amsterdam-Besuch auf jeden Fall auf dem Programm stehen, da es eindrucksvoll die Gefahren von Antisemitismus, Rassismus und Nationalsozialismus beleuchtet.

Somit ist es nicht nur für dich als Einzelperson, sondern auch für Schulklassen ein geeignetes und vor allem lehrreiches Ausflugsziel. Ergänzt wird das Anne-Frank-Haus durch ein Café und einen Museumsshop. Im Museumsshop findet sich neben Postkarten, Fotobänden und DVDs selbstverständlich auch das Tagebuch von Anne Frank zum Kauf.

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