Geltinger Birk: Wandern in der Natur | reisereporter.de

Geltinger Birk – ein Schlaraffenland für Natur-Liebhaber

Am Ausgang der Flensburger Förde liegt das märchenhafte Naturschutzgebiet Geltinger Birk. Ein Schlaraffenland für Wildpferde, zahlreiche Vogelarten und naturfreudige Städter. reisereporterin Melanie ist eine davon.

 Idyll an der nordöstlichsten Landspitze Angelns: Geltinger Birk.
Idyll an der nordöstlichsten Landspitze Angelns: Geltinger Birk.

Foto: Nabu/hfr

Auf nach Gelting! Je weiter wir uns von Eckernförde weg in Richtung der kleinen Gemeinde an der Flensburger Förde bewegen, desto mehr Ortsnamen mit der Endung „by“ tauchen auf den Ortsschildern auf: Rieseby, Karby, Thumby, Pommerby, Nieby. Wir machen einen Witz daraus, sprechen den Suffix erst wie das englische „by“ aus.

Dann besinnen wir uns: Die Grenze zu Dänemark ist nicht weit. Lange konnte man auch gar nicht von Grenze sprechen. Der Landesteil Schleswig gehörte über Jahrhunderte zum dänisch regierten Herzogtum Schleswig – naheliegend, dass sich dieser Einfluss auch in der Benennung von Ortschaften niedergeschlagen hat.

So lernen wir, dass „bü“ einmal einen Bauernhof bezeichnete, dann eine Ansammlung von Höfen, ein Dorf, auch mal ein Ort. Nur Trögelsby bei Flensburg heißt wohl aus Versehen so.

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Sobald wir die Stadt Kappeln mit ihrer eindrucksvollen Doppelklappbrücke über der Schlei passiert haben, sind die „bü“s auch in voller Pracht zu sehen: Bauernhäuser mit Reetdächern bestimmen das Bild der Halbinsel Angeln. Eng winden sich die Straßen um die mal hier, mal dort gebauten frei stehenden Anwesen.

Alles, was nicht privat ist, ist mit großen Pfeilen ausgeschildert: „Rathaus“, „Schule“, „Bücherei“, „Arzt“. Vor der Mühle Charlotte bei Goldhöft parken wir. Hier befindet sich einer von zwei Startpunkten. An der Ostküste ist es der Leuchtturm in Falshöft, dort gibt es auch einen Badestrand.

Mühle Charlotte | Adresse: Eingang des Naturschutzgebietes vom Geltinger Noor kommend

Leuchtturm Falshöft | Adresse: 24395 Pommerby/Ortsteil Falshöft | 01. April bis 31. Oktober am Dienstag und Donnerstag von 15 bis 17 Uhr. Samstag und Sonntag am ersten und dritten Wochenende eines Monats von 14:30 bis 17:30 Uhr

Möwe, Hochlandrind, Eule und Konik: Vier außergewöhnliche Namen für die vier Rundwanderwege, die zum zum Erkunden des 773 Hektar großen Gebietes Geltinger Birk einladen, das seit 1986 unter Naturschutz steht und dessen Bezeichnung „Birk“ ebenfalls aus dem Dänischen herrührt (historische Bezeichnung für einen Gerichtsbezirk). Hier kannst du dir den passenden Wanderweg heraussuchen.

Naturschutzgebiet Geltinger Birk | Anfahrt: über die Zufahrtstraßen Geltinger Noor und an der Ostseeküste bei Falshöft; hier befinden sich Parkplätze

Weil wir nicht nur einen Eindruck haben, sondern am liebsten alles sehen wollen, entscheiden wir uns für die längste Strecke: Mit der „Möwe“ geht es knapp 13 Kilometer einmal um den Zipfel der Birk herum – wir begnügen uns dann aber mit der Hälfte und drehen beim Foto-Hotspot Birk-Nack wieder um (das kalte Winterwetter!).

Erst Förde, dann Ostsee: Wanderwege führen am Wasser entlang

Bis auf die „Eule“ (Drei-Kilometer-Rundweg im Hinterland) führen alle Wanderwege am Wasser entlang – erst Förde, dann Ostsee. Auch der Weg „Konik“ (sechs Kilometer) beginnt an der Mühle, für das „Hochlandrind“ (zehn Kilometer) bietet sich als Start Falshöft an. Der Nabu bietet zum Beispiel geführte Touren an.

Die denkmalgeschützte Mühle ist nicht nur Ausgangspunkt sondern auch romantische Rahmung der aus eingedeichten Niederungen bestehenden Landschaft. 1826 im holländischen Stil erbaut, war die mittlerweile in Privatbesitz befindliche Mühle dazu da, Wasser aus dem von der Förde abgetrennten seeartigen Gewässer zu pumpen und Getreide zu mahlen. Großes Noor heißt das Gewässer.

Märchenhaft klingt das und ein bisschen wie ein Ort, an dem auch die Uralte Morla aus Michael Endes „Die Unendliche Geschichte“ leben könnte. Wir aber sind nicht in Phantásien – obwohl der direkt ans Wasser angrenzende Wald mit seinen windgekrümmten Buchen und Eichen es doch stark vermuten lässt.

Wie verwunschen: Die Waldstriche in der Geltinger Birk.
Wie verwunschen: Die Waldstriche in der Geltinger Birk. Foto: imago images/Dieter Mendzigall

Vielmehr befinden wir uns an der grünen Spitze eines Landes, im Noor. Das entspricht dem dänischen Wort Nor und bedeutet Strandsee. Den gibt es hier erst seit etwa 1821, heute wird kein Wasser mehr aus dem Noor gepumpt, sondern auf durchgehende Bewässerung geachtet.

Diese permanente Feuchtigkeit aber macht aus der Birk eine landschaftliche Wundertüte. Es gibt neben Waldstrichen auch Sümpfe, Dünen, Strand, Salzwiesen und Nehrungshaken (schmaler Sandstreifen, der einen Teil des Meeres von der offenen See trennt).

Die permanente Feuchtigkeit macht aus der Geltinger Birk eine landschaftliche Wundertüte: Es gibt neben Waldstrichen auch Sümpfe, Dünen, Strand, Salzwiesen und Nehrungshaken.
Die permanente Feuchtigkeit macht aus der Geltinger Birk eine landschaftliche Wundertüte: Es gibt neben Waldstrichen auch Sümpfe, Dünen, Strand, Salzwiesen und Nehrungshaken. Foto: imago images/Westend61

Zeitweise werden schottische Hochlandrinder, Galloways, und Schafe eingesetzt, um die Weideflächen zu erhalten. Auch die seit 2002 hier angesiedelten Koniks, eine Wildpferd-Rasse aus Osteuropa, beweiden und beleben das Land.

Wildpferde sehen wir bei unserer Wanderung nicht, dafür entdecken wir Kiebitze, Schwäne, Kormorane und allerhand andere Wasservögel. Das gemächliche Tummeln der Tiere lässt unsere Gedanken treiben. Auch die Geräusche wechseln sich gleichmäßig ab: hier flüsterndes Meeresrauschen, da verschworenes Baumästeknacken. Wind, der durch kahle Kronen pfeift. Vögel, die beim Landen das Wasser aufperlen. 

Wir fragen uns: Ist das noch Schleswig-Holstein oder schon ein fantastischer Ort?

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