Die letzten Wochen vor dem Urlaub noch mal richtig Gas geben bei der Arbeit, damit nichts liegen bleibt, um dann stressfrei in die wohlverdienten Ferien zu gehen – genau das ist ein Trugschluss und eine der Ursachen für das Erkranken im Urlaub, sagt Diplom-Psychologin Julia Scharnhorst (57). 

Am langen Wochenende oder kurz nach Urlaubsbeginn erwischt es einen dann: Grippe, Erschöpfungszustände, Migräne und Rückenschmerzen sind die häufigsten Formen der Freizeitkrankheit, auch „Leisure Sickness“ genannt. 

Eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstitutes YouGov zeigt: 22 Prozent der Deutschen sind schon einmal betroffen gewesen.

Das Problem ist: Vor allem stark gestresste und erschöpfte Menschen, die eigentlich Erholung am nötigsten hätten, sind betroffen. Deren Körper kommt schlagartig zur Ruhe, nachdem er über einen längeren Zeitraum Stress ausgesetzt war. Der muss nicht immer arbeitsbedingt sein – auch die Urlaubsvorbereitung bedeutet für den ein oder anderen eine Menge Anspannung. 

Auf Stress folgt Erholung: Wenn Urlaub krank macht

Was passiert da genau im Körper? Wenn wir lange Zeit ein hohes Stresslevel haben, findet eine Hormonumstellung statt, da wir vermehrt Adrenalin ausstoßen und somit unser Immunsystem zunächst stärken – die Stresshormone sind aktiv, erklärt Psychologin Scharnhorst. Während dieser Phase werden wir weniger krank, denn das Immunsystem arbeite wie ein Wächter gegen Krankheitserreger.

Sobald der Stress aber wegfällt, in der Regel passiert das in den ersten Tagen des Urlaubs, fährt auch das Immunsystem runter, denn statt Adrenalin ist jetzt Entspannung angesagt. „Der Wächter geht mit in den Urlaub und lässt das Tor offen für alles, was an Erregern da ist“, sagt Scharnhorst.

Der Freizeitkrankheit vorzubeugen ist eigentlich ganz einfach: Erhol dich nicht nur in den Ferien, sondern auch nach Feierabend und am Wochenende. Du musst dir zwischendurch immer mal Auszeiten gönnen, damit der Dauerstress sich gar nicht erst aufbauen kann, sagt die Psychologin. Erholung bekommst du auch durch Sport und generell durch Bewegung.

Wer vorbeugt, hat gute Chancen, gesund zu bleiben, zeigt auch eine Studie der Uni Trier: Nur 2,9 Prozent der gesunden Probanden, die nicht über eine besondere Stressbelastung klagen, leiden an Freizeitkrankheit. 

Sechs Tipps, wie du „Leisure Sickness“ vorbeugst

1. Erwarte nicht zu viel vom Urlaub! Wer zu hohe Ansprüche an den Urlaub hat, neigt dazu, sich zu stressen und kann nur schwer entspannen.

2. Smartphone aus! Die ständige Erreichbarkeit kann belastend sein.

3. Urlaub auf Balkonien genießen! Du musst nicht weit weg fahren, um dich zu entspannen. Bau keinen Druck auf, wenn es mal nicht so mit dem Urlaub klappt, wie du es dir vorgestellt hast.

4. Pausen im Urlaub! Nimm dir vor allem am Anreisetag erst mal Ruhe und Zeit, um anzukommen. 

5. Keine Angst vor Unerledigtem! Das heißt im Klartext: Power dich nicht völlig aus, indem du noch möglichst viel wegarbeitest.

6. Mach dir bewusst, was du geleistet hast und dass du mal eine Pause verdient hast (ja, tatsächlich!).