Amsterdam schließt erste Touri-Shops | reisereporter.de

Amsterdam hat die Nase voll und schließt Touri-Shops

Amsterdam reicht es: Die Hauptstadt der Niederlande wird von Urlaubern überrannt und greift jetzt hart durch. Die Verwaltung geht gegen Souvenirshops, Schnellimbisse und andere typische Touri-Läden vor.

Volle Straßen: Amsterdam wird teils von Touristen überrannt.
Volle Straßen: Amsterdam wird teils von Touristen überrannt.

Foto: imago/Geisser

Amsterdam macht ernst: Am 6. Oktober vergangenen Jahres hatte die Stadtverwaltung die weitere Eröffnung neuer Geschäfte, die vor allem Urlauber ansprechen, in der Altstadt verboten – wir hatten ausführlich darüber berichtet. Die wachsende Zahl der Touri-Läden – Souvenirshops, Fast-Food-Läden, Themenläden wie er „Nutella Shop“ oder Ticketshops – hatte den Einwohnern zunehmend Sorge bereitet.

Die Stadt meint dieses Verbot ernst, wie ein aktueller Fall zeigt: Sie schloss einen Laden – und bekam vor Gericht recht.

Betroffen ist die Amsterdam Cheese Company von Quirijn Kolff. Die Stadt schickte ihm im Dezember den Schließungsbefehl für seine nach dem 6. Oktober eröffnete fünfte Filiale am Damrak in der Nähe des Bahnhofes. Kolff zog dagegen vor Gericht. 

In den Schaufenstern seiner Läden stehen Kuhfiguren, drinnen werden große Käselaibe präsentiert. Zudem verkauft er Honigwaffeln und Souvenirs. Das Personal spricht Englisch. Alles voll auf Touristen ausgelegt.

Kolff war von dem Verbot überrascht worden, wie viele andere auch. Denn die Stadtverwaltung hatte einige Monate lang im Geheimen an dem Beschluss gearbeitet. Sie habe ihn aber nur geheim gehalten, um ein Aufploppen neuer Geschäfte in letzter Minute zu verhindern. Kolff argumentierte vor Gericht, dass der Mietvertrag schon vor dem 6. Oktober unterschrieben gewesen sei.

Der Mann verlor, das Gericht sagte, die Stadt habe zu Recht eingegriffen, berichtet die niederländische Zeitung „de Volkskrant“. Durch das einseitige Angebot, die Werbung und die Geschäftssprache Englisch richte sich die Amsterdam Cheese Company ganz offensichtlich nur an Touristen. Der Unternehmer geht gegen das Urteil in Berufung.

Die Niederlande boomen als Reiseziel

Die Zahl der Touristen in Amsterdam steigt seit Jahren – 2016 kamen 5,97 Millionen ausländische Touristen in die Hauptstadt, 2017 bereits 6,6 Millionen (Zahlen von NBTC Holland Marketing). Die Einwohner sind zunehmend genervt, auch weil immer mehr Wohnungen an Urlauber vermietet werden.

Auch hier greift die Stadtverwaltung ein. Sie teilte mit, dass Vermieter ihre Wohnungen in der niederländischen Hauptstadt ab dem 1. Januar 2019 nur noch 30 Tage im Jahr an Reisende vermieten dürfen. Bisher sind es 60 Tage. Weitere Schritte, die Amsterdam unternimmt, um den Massentourismus einzudämmen: Es dürfen keine neuen Hotels mehr gebaut werden. Touristenbusse dürfen nicht mehr im Stadtzentrum halten, Kreuzfahrtschiffe sind aus der Innenstadt verbannt, die sogenannten Bierfahrräder (beliebt bei Touristen auf Sauftour) sind ebenfalls verboten.

Nicht nur Amsterdam, die gesamten Niederlande boomen. Insgesamt 17,6 Millionen ausländische Touristen besuchten das Land 2017, ein Zuwachs von elf Prozent im Vergleich zu 2016. Gut 37 Prozent reisen nach Amsterdam, knapp 15 Prozent an die Küste.

Auch die gelangt langsam an ihre Grenzen. 60 niederländische Organisationen – Verwaltungen, Umweltorganisationen und Wirtschaftsverbände – unterzeichneten im Februar 2017 einen Küstenpakt. Er besagt, dass die Niederlande als touristisches Reiseziel attraktiv bleiben müssen, gleichzeitig aber auch die Natur geschützt werden muss.

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