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Für alle Sinn-Suchenden: Eine Reise nach Sri Lanka

Der Erfolg einer Reise hängt maßgeblich davon ab, was man von ihr erwartet. Deshalb stieg reisereporterin Christina völlig unvoreingenommen in den Flieger Richtung Colombo – und schlug elf Tage später glückstaumelnd wieder in Hamburg auf.

Sri Lanka spricht alle Sinne an, ist mal bunt, mal grell, aber immer wunderschön.
Sri Lanka spricht alle Sinne an, ist mal bunt, mal grell, aber immer wunderschön.

Foto: pixabay.de/amanjahemal

Über die Jahrhunderte haben sich Entdecker, Eroberer und Kolonialmächte immer wieder um Sri Lanka bekriegt und geprügelt. Um die „Bezaubernde“, die „ehrwürdig Schöne“, die „Perle im Indischen Ozean“. Ich brauchte ein halbes Jahrhundert, um es einfach nur für mich als Reiseziel zu entdecken.

Ein Versäumnis, wie ich bereits wenige Momente nach der Ankunft feststelle. Spätestens als der Fahrer auf der Autobahn zwischen üppigen Kautschukplantagen und roten Reisfeldern in die Eisen tritt, um einen gemächlich schleichenden Leguan über den Asphalt zu winken, bin ich in den kleinen Inselstaat schockverliebt.

Sri Lanka muss bei der Entstehungsgeschichte ganz besonders oft „hier“ gerufen haben, denke ich bei jedem Blick, der sich mir in den folgenden zehn Tagen hinter jeder Kurve neu eröffnet. Anders sind die arteinreiche Tier- und Pflanzenwelt, die ebenso faszinierende wie vielfältige Landschaft und die satten Farben der Natur fast nicht zu erklären.

Sri Lanka hat eine wunderbar große Pflanzenvielfalt. Die Lotusblume zählt im Buddhismus zu den acht Kostbarkeiten.
Sri Lanka hat eine wunderbar große Pflanzenvielfalt. Die Lotusblume zählt im Buddhismus zu den acht Kostbarkeiten. Foto: Christina Mänz

Ich für meinen Teil hatte bis zu dieser Reise keine Idee, wie viele Grüntöne es in einer einzigen Teeplantage zu entdecken gibt, wie viele Vogelstimmen man auf einer Liege unter schattigen Palmen zu unterscheiden lernt und wie sich ein Pfau im Anflug anstellt.

Ich wusste bis dato nicht, wie intensiv ganz frischer Kardamom riecht, wie lecker Kokos-Sambal wirklich schmecken kann und dass Zimt nicht in braunen Stängelchen wächst.

Ich hätte nicht vermutet, dass mich die kulturelle Vielfalt der Insel und die Schönheit der Menschen so anziehen würden. Dass ich nicht genug kriegen könnte von den wuseligen Straßenständen, an denen schier alles verkauft wird – vom Propangas bis zur Plastikpuppe.

An den zahlreichen Straßenständen kannst du alles kaufen – vom Propangas bis zur Plastikpuppe.
An den zahlreichen Straßenständen kannst du alles kaufen – vom Propangas bis zur Plastikpuppe. Foto: Christina Mänz

Dass ich meine Hygienemangel-Phobie bei feucht-heißen 30 Grad ausgerechnet bei den Fischhändlern am Strand von Galle über Bord geworfen habe, hat mich selbst überrascht. Dass eine Stempelmassage mit Kokos-Milchreis die wirksamste Ayurveda-Behandlung gegen mein Ziehen im Rücken ist, auch.

Ich hatte geahnt, dass Sri Lanka ein spirituelles Land ist, ein multireligiöses mit Deutungsspielraum. Dass ich den Qualm von Räucherstäbchen als betörend empfinden und mich die mystische Stimmung historischer Tempelanlagen zutiefst berühren würde, das hätte ich aber nicht geglaubt. Dass ich schwer träumen und erleichtert zurückkehren würde, erst recht nicht.

Die Glaubensstätten haben es Christina angetan. Hier: Eine Buddhastatue auf der Tempelinsel.
Die Glaubensstätten haben es Christina angetan. Hier: Eine Buddhastatue auf der Tempelinsel. Foto: Christina Mänz

Und dann ist da noch diese Aufbruchsstimmung. Ein neues Bewusstsein zwischen Nostalgie und Kolonialcharme: „Mit all den Problemen, die dieses Land im Alltag hat, gibt es eine neue Haltung zu Ästhetik und Umweltschutz“, sagt Hotelbesitzer Thilak Wettimuni, der genau das mit seinem Thaulle Resort in der Nähe vom Yala-Nationalpark verwirklicht.

„Wir setzen auf Bildung und auf einen Wandel im Umgang mit unseren Ressourcen. Das ist die einzige Chance für die nächste Generation, die Schönheit der Insel zu bewahren.“ Das trifft den Nerv einer neuen Klientel: Global denkende und im wahren Wortsinn umweltbewusste Urlauber, für die Authentizität, lokale Produkte und echte, traditionelle Handwerkskunst wichtiger sind als Minibar und Wandhaartrockner.

Auf Sri Lanka sind viele unterschiedliche Glaubensrichtungen vertreten. Auf der Tempelinsel im Madu-Ganga-Fluss leben zwei buddhistische Mönche.
Auf Sri Lanka sind viele unterschiedliche Glaubensrichtungen vertreten. Auf der Tempelinsel im Madu-Ganga-Fluss leben zwei buddhistische Mönche. Foto: Christina Mänz

Mittlerweile bin ich wieder in Deutschland​ angekommen, während sich Herz und Seele noch immer auf der Rückreise befinden. Meine Gedanken kreisen um Begegnungen und Erfahrungen – um diese einfach umwerfend schöne und intensive Insel. Es ist aber auch verdammt schwer, nicht von Sri Lanka begeistert zu sein!

Noch ein paar schnelle Tipps für deinen Trip:

  • Bloß nicht selbst ans Steuer! Allein fürs Mitfahren braucht man Nerven, Gottvertrauen und einen Fahrer, der weiß, wie viel Platz noch zwischen Bus, Tuk-Tuk, Fußgänger, Kuh und Graben auf einer zweispurigen Straße ist.
  • Gerade an religiösen Stätten solltest du dich unbedingt respektvoll an die Kleiderordnung halten.
  • Blindlings in lokale Supermärkte und auf Märkte gehen und mutig kaufen, was lecker aussieht. Egal, was es ist.
  • Mit den überaus freundlichen Menschen ins Gespräch kommen. Funktioniert auch ohne Deutsch, Englisch oder Singhalesisch.
  • Generell ganz früh oder sehr spät beliebte Ausflugsziele ansteuern. So kannst du das Gefühl haben, der einzige Tourist auf der Insel zu sein.
  • Immer etwas Klopapier in der Tasche haben (es gibt oft einfach keins!).
  • Und immer für guten Service gutes Trinkgeld geben. Unbedingt!
 
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