Edi Jampas ist 28 und fährt hauptberuflich Geländewagen. Eigentlich hat er Kulturwissenschaften studiert, spricht vier Sprachen und könnte damit alles mögliche anfangen, vielleicht sogar nach Lissabon gehen und dort endlich mehr Geld verdienen.

Doch Edi bleibt lieber auf Madeira, wo er täglich den Touristen seine Heimat zeigt. „Ich liebe die Berge und werde nicht müde, diese Aussicht zu genießen“, sagt er und steuert seinen Geländewagen zielsicher von der sonnenverwöhnten Hauptstadt Funchal hinauf in den Norden.

Roadtrip: Offroad über die Insel Madeira

Schroff und felsig ist es hier. Über abenteuerlich steile Serpentinen gelangen wir schließlich bis hinauf zum höchsten mit dem Auto zu erreichenden Punkt der Insel, den auf über 1.800 Metern gelegenen Pico do Arieiro, wo der Wind scharf pfeift und die Wanderer zuweilen über den Wolken stehen.

Doch schon ein paar Stufen über dem Parkplatz breitet sich ein Panorama aus, das die frische Höhenluft vergessen lässt: Hinter malerischen Hochebenen wachsen die Berge in den Himmel. Am Horizont lässt sich Porto Santo erahnen, die kleine Schwester Madeiras mit ihren weißen Traumstränden.

„Bom dia“ – das heißt auf Portugiesisch eigentlich „guten Tag“ und klingt irgendwie nach Sonne und guter Laune. Auf der Suche nach passenden Worten könnte man auch sagen: Madeiras Landschaft sieht extrem „bom dia“ aus. Plötzlich verstehe ich den Fahrer, der schon wieder am Wagen auf uns wartet.

Die Steilküsten im Osten der Insel zeigen die schroffe Seite Madeiras.

Offroad geht es weiter. Edi will uns noch die berühmten Levadas zeigen – jenes Wassersystem mit 2.000 Kilometern Gesamtlänge, das sich wie ein Spinnennetz über die Insel zieht. Sklaven waren es, die kurz nach der Entdeckung Madeiras vor mehr als 500 Jahren die ersten dieser kleinen Kanäle schufen. Später wurde das System erweitert, um das Wasser vom Norden, wo die Passatwolken auf Land treffen, in den Süden zu befördern.

Eine Wanderung entlang der Levadas, die unter anderem durch die berühmten Lorbeerwälder der Insel führt, ist ein Muss für jeden Madeira-Urlauber.

Diese hier soll eher ein kleiner Spaziergang werden, schließlich wollen wir an diesem Tag auch noch die traditionellen kleinen Madeira-Häuser in Santana im Norden besichtigen und die spektakuläre Aussicht am Quinta do Furao genießen. Hier, wo die Küste steil ins Meer stürzt und Wasserfälle dem Fels entspringen, fehlen schon wieder die Worte angesichts dieser fast übertrieben üppigen Landschaft.

Die bunte Hauptstadt Funchal

Zurück in Funchal, der Hauptstadt der gerade einmal 22 Kilometer breiten und 57 Kilometer langen Vulkaninsel, verabschiedet sich Edi und übergibt an Sofia. Sofia heißt mit Nachnamen Maul und hat deutsche, britische und portugiesische Vorfahren.

Das ist gar nicht so ungewöhnlich auf der kleinen Atlantikinsel, die ein bisschen der Melting Pot Portugals ist und von der es dementsprechend viele Geschichten zu erzählen gibt. Sofia kennt sie alle. Täglich führt sie Touristen durch Funchal und macht sie mit Traditionen und Bräuchen der alten Seefahrerstadt bekannt.

Auf dem Markt in Funchal findest du regionale Spezialitäten.

Dann zeigt sie ihren Gästen die versteckten Altstadtgassen mit den von Künstlern bemalten bunten Türen, die Märkte mit den heimischen Früchten – und natürlich die berühmten Gärten der Insel.

Von denen hat Madeira mehr als genug. Es ist das extrem milde subtropische Klima, das dafür sorgt, dass auf Madeira, das immerhin näher an Casablanca als an Lissabon liegt, der ewige Frühling herrscht.

Der Wein von Madeira

Mehr als 800 verschiedene Pflanzenarten gedeihen hier. Bananen und Avocados hängen überreif an den Bäumen am Straßenrand, und auf den Terassenfeldern wachsen die Trauben für den berühmten Madeira-Wein. Acht Produzenten gibt es auf der Insel und natürlich ein Weininstitut, das streng darüber wacht, dass alle Standards eingehalten werden.

So muss Madeira-Wein beispielsweise einen Mindestalkoholgehalt von 17 Prozent haben, 22 Prozent dürfen wiederum nicht überschritten werden. Entdeckt wurde der Wein eher zufällig, erzählt Sofia. „Die Seeleute beluden ihre Schiffe mit Fässern, um diese auf dem Weg nach Indien zu beschweren. Als sie wieder auf Madeira eintrafen, gönnten sie sich einen Schluck. Und wie durch ein Wunder schmeckte der Wein plötzlich um ein Vielfaches besser.“

Der Wein aus Madeira ist eine echte Spezialität der Insel.

Die Hitze der Tropen brachte die sogenannte Madeirisierung, den beschleunigten Alterungsprozess, in Gang. Heute reift der Wein in beheizten Tanks oder über 20 Jahre in der Hitze unter Wellblächdächern. „Ein aufwendiges Geschäft“, sagt Sofia. Würde nur jeder zehnte der rund zwei Millionen Touristen, die jährlich nach Madeira kommen, eine Flasche mitnehmen – die Zukunft der Weinproduzenten wäre gesichert.

Madeiras Poncha: Zitronensaft, Honig und Rum

Doch Madeira kann mehr als nur Wein. Den traditionellen Poncha zum Beispiel. Der besteht zur Hälfte aus Zitronensaft und einem Schuss Honig und zur anderen Hälfte aus fünfzigprozentigem Rum, denn der vierzigprozentige ist nur für den Export und die Touristen bestimmt.

Die frischen Zitronen werden für die Poncha-Zubereitung verwendet.

„Die Seefahrer glaubten, dass der Poncha als Medizin taugt und gegen Skorbut hilft“, erzählt Sofia. Mittlerweile weiß man: Poncha hilft am besten bei gebrochenem Herzen. Dann gibt sie ihren Gästen noch den Tipp mit auf den Weg, auf keinen Fall die Flaschen mit den fertigen Mischungen im Supermarkt zu kaufen. „Kauft besser guten Rum!“

Sofias deutscher Großvater war es, der 1928 nach Madeira auswanderte. Schuld war das Wetter in der Heimat und seine zukünftige Frau, die er im britischen Country Club in Funchal kennen- und lieben lernte. „Sie war ein englischer Snob“, berichtet Sofia und lacht.

Bis heute steht Madeira bei Briten hoch im Kurs. Lange hatte die Insel den Ruf, vor allem leicht betagten und gut betuchten Engländern als Winterdomizil zu dienen. So ganz hat sich das bis heute nicht geändert. Nicht wenige kommen mit dem Kreuzfahrtschiff im Hafen von Funchal an.

So wie einst Winston Churchill, der hier im luxuriösen Reid’s Palace abstieg. Doch nicht nur Briten und Deutsche, auch Österreicher lieben die vulkanische Atlantikinsel Madeira. Schon 1860 reiste Kaiserin Sisi an, um hier ihren Husten zu kurieren. Heute kommen die meisten Österreicher, weil Madeira Naturerlebnis pur ist und so hervorragend zum Wandern einlädt.

Und wer den Auf- oder Abstieg nicht mehr schafft, nimmt auf Madeira einfach die Seilbahn. Zum Beispiel hinab zur Faja dos Padres. Einem nur wenige Kilometer westlich von Funchal gelegenen Privatstrand mit Palmen, Obstplantage und allem, was zu einem echten Paradies dazugehört. Bom dia, Madeira.

Tipps und Infos für die Madeira-Reise

Anreise: Wer nach Madeira will, braucht starke Nerven, denn der Flughafen verfügt über eine sehr kurze Landebahn. Am günstigsten kommt man mit Pauschalarrangements nach Madeira. Der reine Flug mit beispielsweise Condor kostet im Sommer zwischen 200 und 400 Euro. Etwas günstiger sind die Flüge von Tap Portugal. Die Fluggesellschaft bietet zwar mehrmals täglich von mehreren deutschen Städten Flüge an, dafür legt sie aber einen Zwischenstopp in Lissabon ein.

Reisezeit: Auf Madeira gibt es keine wirkliche Nebensaison. Sogar im Januar liegt die Temperatur bei circa 15 Grad Celsius. Im Sommer klettert das Thermometer dagegen meist nur auf angenehme 25 Grad Celsius.

Unterkünfte: Madeira bietet eine vielfältige Auswahl an Hotels für jedes Budget. Außerdem gibt es Pensionen und Apartements sowie Jugendherbergen und Campingplätze. Das familiäre Tiles Madeira Hotel in Funchal wurde erst kürzlich renoviert. Für gehobene Ansprüche bietet sich das Quinta da Casa Branca mit Restaurant und malerischem Garten an.

Feste und Veranstaltungen

  • Im April/Mai findet auf Madeira das Blumenfest zur Frühlingsblüte statt. Höhepunkt ist der Straßenumzug in der Hauptstadt Funchal.
  • Im Juni findet das Festival Atlantico, ein Klassikfestival in Funchal, mit hochkarätig besetzten Konzerten statt. Zeitgleich steht der Feuerwerkswettbewerb auf der Insel im Programm.
  • Im September feiert Madeira seinen wohl berühmtesten Bewohner Kolumbus mit dem Festival Colombo. Höhepunkt ist die nachgestellte Abreise des Entdeckers.
  • Zum Jahreswechsel zündet Madeira außerdem alljährlich das berühmte Silvesterfeuerwerk in der Bucht von Funchal.

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