Dublin: Hotel-„Influencer“ am Pranger | reisereporter.de

Hotel-„Influencer“ am Pranger: So denken deutsche Blogger

Eine Bloggerin fragt einen Hotelier dreist nach kostenlosen Übernachtungen für sich und ihren Freund. Die Geschichte geht viral – aber worum geht es eigentlich und was halten deutsche Reiseblogger von der Nummer? Der reisereporter hat nachgefragt.

In diesem Video ruft Youtube-Bloggerin Elle Darby dazu auf, schlechte Bewertungen für das „The White Moose Café“ abzugeben.
In diesem Video ruft Youtube-Bloggerin Elle Darby dazu auf, schlechte Bewertungen für das „The White Moose Café“ abzugeben.

Foto: Youtube/Elle Darby (Screenshot)

Die Britin Elle Darby (22) schrieb vergangene Woche eine Nachricht an das „The White Moose Café“ in Dublin. Ihr Anliegen: Sie möchte mit ihrem Freund vier Tage in dem Hotel übernachten, kostenlos, versteht sich. Im Gegenzug gebe es eine Erwähnung des Hotels auf ihrem Youtube-Kanal. Doch der Hotelier reagierte anders, als die junge Frau erwartet hatte.

Denn der Inhaber des Hotels postete Darbys Nachricht öffentlich auf seiner Facebook-Seite und antwortete ihr bissig: „Wenn ich dich für eine Erwähnung in einem deiner Videos bei uns übernachten lassen würde, wer zahlt das Personal, das sich um dich kümmert? Wer bezahlt den Roomservice, der dein Zimmer reinigt? Die Kellner, die dir dein Frühstück servieren?“ 

Doch das war ihm nicht genug. Weiter schreibt er: „Zu unserem Glück haben wir auch einige Fans auf unseren Social-Media-Kanälen. 186.000 Facebook-Fans, schätzungsweise 80.000 Snapchat-Follower und 32.000 Fans auf Instagram.“ Kurzum: Er habe selbst mehr Follower als die Bloggerin – und die Anfrage empfinde er daher mehr als peinlich.

Kurz darauf veröffentlicht Stenson einen Post, in dem er alle Blogger aus seinem Geschäft verbannt und die gesamte Szene in ein schlechtes Licht stellt, indem er behauptet, Blogger würden kostenlose Leistungen ohne Gegenleistung fordern.

Elle Darbys Reaktion: Ein 17-minütiges Video auf ihrem Kanal, in dem sie sich darüber beschwert, wie der Hotelier sie bloßstellt. Zudem ruft sie dazu auf, das Hotel im Internet schlecht zu bewerten. Mit Erfolg: Bei Tripadvisor ist eine Bewertung des Lokals derzeit nicht möglich.

Unterm Strich ganz schön viel Wind um diesen Vorfall, der inzwischen auch in der Bloggerszene für reichlich Diskussionsstoff sorgt.

Der vieldiskutierte Aufruf in der Facebook-Gruppe.
Der vieldiskutierte Aufruf in der Facebook-Gruppe. Foto: privat (Screenshot)

Das denken deutsche Blogger über das #bloggergate

Auf Nachfrage des reisereporters in der Facebook-Gruppe „Deutsches Reiseblogger Netzwerk“ äußerten sich zahlreiche Blogger zu dem Thema. Die allgemeine Meinung, die aus der Mehrzahl der Antworten hervorgeht: Beide Seiten haben überreagiert und sich einfach unseriös verhalten.

Insbesondere kritisieren die Blogger die Formulierung von Darbys Anfrage. Diese kommt komplett ohne Anrede daher und wirke eher wie eine Copy-and-paste-Nachricht, die sie an mehrere Hotels geschickt habe.

Dass man als Blogger generell Kooperationsanfragen an Hotels sendet, empfinden viele Gruppenmitglieder aber als völlig legitim. Nele Landero, 38, schreibt den Blog „CamperStyle“ und sagt: „Wir selbst sehen von solchen Anfragen ab und ich halte die Anfrage dieser Bloggerin für unprofessionell, bin aber der Meinung, dass Berichterstattung durch Blogger oder Youtuber für Hotels einen großen Wert haben kann, der den Preis für ein paar Übernachtungen übersteigt.“

Einziger Trost für beide Seiten: Sie haben beide gut verdient und extrem von der Situation profitiert.

Bloggerin Anna Benz-Reichenauer

Das sieht Romy Mlinzk aus Dortmund ganz ähnlich. Die 36-jährige ist Inhaberin des Reiseblogs „snoopsmaus – Travel Blog für neugierige Reisende“. Sie sagt, dass insbsondere Fotos, die Blogger bei ihren Aufenthalten machen, ein nicht zu unterschätzender Aufwand sind.

Romy findet es schade, dass die vielen negativen Reaktionen auf das #bloggergate ein Schmarotzer-Image auf die gesamte Bloggerszene werfen. Auch sie ist der Meinung, dass eine Kooperation zwischen Hotels und Bloggern völlig normal ist und eine Erwähnung im Blog einen echten Wert für das Hotel haben kann.

Anna Benz-Reichenauer, 35, aus Nürnberg, fasst das #bloggergate auf ihrem Blog „BUREAUStyle.com“ schön zusammen: „Einziger Trost für beide Seiten: Sie haben beide gut verdient und extrem von der Situation profitiert.“ Auch schlechte Werbung ist nun mal Werbung.

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