Tour de Erzgebirge – Stoneman-Run bald auch für Rennradler | reisereporter.de

2 Länder, 9 Gipfel: Die Tour de Erzgebirge im Selbsttest

Immer mehr Radfahrer schinden sich jedes Jahr in Sachsens Bergen. Vor allem der Rundkurs „Stoneman Miriquidi“ zieht immer mehr Aktive in seinen Bann. reisereporter Winfried Mahr hat sich ins Gewühl gestürzt.

Winfried Mahr
Manuel Rohne/TMGS
Großer Auftrieb: Stelldichein der Mountainbiker am 1244 Meter hohen Keilberg auf böhmischer Seite. So glatt rollt es selten beim Stoneman-Run für Jedermann.

Foto: Manuel Rohne/TMGS

Es regnet, ist diesig. Die Sicht reicht gerade mal vom Sporthotel bis zum dunklen Waldrand. Sauwetter. Egal, rauf aufs Rad! Die Hälfte der Strecke – gut 80 Kilometer – haben mein treuer Begleiter Holger und ich am Vortag zum Glück bei versöhnlicherem Wetter abgespult, an die 2.000 Höhenmeter stecken uns schon in den Waden. Für die tollen Aussichten übers Erzgebirge hat sich das schon gelohnt.

Winfried Mahr hat beim Stoneman Miriquidi Schlamm geleckt.
Winfried Mahr hat beim Stoneman Miriquidi Schlamm geleckt. Foto: André Kempner

Mit Fernsicht wird es beim heutigen Dauerregen wohl nichts. Die Bremsen knirschen, Stollenreifen rutschen übers Wurzelwerk, als wir den brutal steilen Trail vom Rabenberg abwärts holpern. Es geht Richtung Auersberg und dann bei Johanngeorgenstadt über die sächsisch-böhmische Grenze.

„Stoneman Miriquidi“: 162 Kilometer, neun Gipfel

Die Gedanken kreisen während des ständigen Auf und Ab um die anregenden Gespräche mit anderen Schlammbadern am Vortag, die alle nur das Eine wollen – den 162 Kilometer langen Rundkurs „Stoneman Miriquidi“ schaffen. Durch zwei Länder. Über neun Gipfel.

„Reichlich 4.000 Höhenmeter rauf und runter sind kein Zuckerschlecken“, gab der Mittfünfziger Heinrich aus Göttingen am Vortag in der geselligen Runde zu. „Aber am Ende weiß man immerhin, was man aus eigener Kraft geschafft hat.“ Mit Eintrag in die ewige Finisher-Liste, Steinpokal und allem drum und dran.

Guten Mutes: Stoneman-Starter Holger blickt vom Bärenstein auf den vor uns liegenden Scheibenberg.
Guten Mutes: Stoneman-Starter Holger blickt vom Bärenstein auf den vor uns liegenden Scheibenberg. Foto: Winfried Mahr

Seit der Ausschilderung der vom Mountainbike-Weltcupsieger Roland Stauder ersonnenen Strecke vor vier Jahren haben sich an die 10.000 Radfahrer auf den Weg über Stock und Stein, durch Schlamm und Geröll gemacht. „Der ‚Stoneman Miriquidi’ ist eine echte Herausforderung für jeden leidenschaftlichen Mountainbiker“, sagt der 45-jährige Streckeninitiator Stauder.

Der ehemalige Radprofi aus dem Pustertal führt auf zwei weiteren Stoneman-Kursen mittlerweile auch durch Südtiroler und Schweizer Bergmassive. In Deutschland geht das nur im Erzgebirge, von dessen Landschaft und Menschen Stauder seit seinem ersten Besuch begeistert ist. Der dichte Grenzwald zwischen Böhmen und Sachsen wurde der Überlieferung nach Miriquidi genannt – daher der Name des beliebten Radrundkurses.

Im Unterschied zu den Dolomiten sind hier im heimischen Mittelgebirge kaum irgendwelche Steinmännchen zur Orientierung aufgebaut, dafür aber Hunderte Schilder und Wegweiser angebracht. Streckenpaten kümmern sich ehrenamtlich um die Ausschilderung, Privatleute stellen Wassertankstellen und Fahrradschlauch-Automaten an der Strecke auf. „Wie gut der Rundkurs in der Region und bei den Tausenden Bikern ankommt, hat uns wirklich angenehm überrascht“, sagt Doreen Burgold vom Tourismusverein Erzgebirge.

Auf jedem der neun Gipfel holen sich die Bezwinger ein Loch in der Stempelkarte, um am Ende die begehrte Trophäe in Händen halten zu können. Mit einem gemütlichen Sonntagsausflug hat das nichts zu tun. Es sei denn, man lässt sich mehr als drei Tage Zeit oder fährt mit Elektroantrieb.

Gold-Starter sind zu dieser Jahreszeit extrem selten, denn dafür müsste man schon sechs bis acht Stunden bei völliger Dunkelheit durch den Wald kurbeln.

Morgenidylle: Anfangs kam sogar die Sonne durch. Im Erzgebirge kann das Wetter allerdings schnell umschlagen ...... und am Ende blieb trotz Regenkleidung keine Stelle mehr trocken.
Morgenidylle: Anfangs kam sogar die Sonne durch. Im Erzgebirge kann das Wetter allerdings schnell umschlagen ...... und am Ende blieb trotz Regenkleidung keine Stelle mehr trocken. Foto: Winfried Mahr

Wir wollen es an zwei Tagen schaffen und damit als Silber-Finisher durchgehen, was schon einige Trainingskilometer und Willensstärke voraussetzt. Bei mehrstündigem Dauerregen und kühlen Temperaturen kommt noch einiges an Überwindung dazu.

Aber auch die Schlammkuhlen und rutschigen Steine haben für Mountainbike-Fans ihren speziellen Reiz. Dazu die Überraschung, wenn aus dem Nebel plötzlich ein paar Mitstreiter auftauchen und freundlich grüßen. Oder wenn nach überaus zähem Anstieg die Bauden auf dem Pleßberg tatsächlich geöffnet haben und warmen Tee ausschenken.

Abwärts geht es über die steile Skipiste. Vor uns liegt nun noch der größte Brocken, den das Erzgebirge zu bieten hat: Der 1.244 Meter hohe Keilberg. Der steile Weg nach oben, wenn man ihn denn so nennen will, hat es in sich. Matsch und Modder bis übers Kurbellager, dazu Regen und eiskalter Wind. Doch wir geben nicht auf, treten, treten, treten. Bis es irgendwann nicht höher geht.

Mit letzter Kraft hauen wir hier und ein paar Kilometer weiter drüben auf dem Fichtelberg die letzten Löcher in die Stempelkarte. Geschafft, die Silbertrophäe ist uns sicher. Mehr muss erstmal nicht sein.

Obwohl: Ab kommendem Frühjahr soll es einen ganz neuen Erzgebirgs-Stoneman für Straßenradfahrer geben. Mehr Kilometer, weniger Matsch. Vielleicht geht da ja doch noch was …

Stoneman Miriquidi Saison: Mountainbike-Tour vom 28. April bis 31. Oktober 2018
Stoneman Miriquidi Saison: Mountainbike-Tour vom 28. April bis 31. Oktober 2018 Foto: Tourismusverband Erzgebirge

Stoneman-Run bald auch für Rennradler

  • 4 Jahre lang können Mountainbiker schon auf dem 162 Kilometer langen „Stoneman Miriqudi“ Waden und Willensstärke testen.
  • 4.066 eingetragene Fahrer absolvierten seit April 2017 die Tour durchs Erzgebirge, das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
  • 10.000 Fahrer sind als „Finisher“ gelistet, darunter auch etliche, die den Kurs mehrfach unter die Räder nahmen.
  • 283 Kilometer soll der neue Rennradkurs „Stoneman Miriquidi Road“ lang sein, der im Frühjahr 2018 eingeweiht wird.
  • 4818 Höhenmeter sind bei der Asphaltvariante von Oberwiesenthal über Böhmen bis nach Altenberg und zurück zu bewältigen.
  • 2018 startet die neue Stoneman-Saison Ende April.
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