Südamerika: Kein Kontinent für guten Kaffee

Südamerika – kein Kontinent für guten Kaffee?!

Wo sonst auf der Welt sollte Kaffee besser schmecken als dort, wo er angebaut wird? Nirgends, dachte reisereporterin Marcia immer. Doch dann trank sie welchen in Peru, Ecuador und Kolumbien.

Vom Pool auf der Hacienda Venecia aus hast du eine super Aussicht auf ihre Kaffeefelder.
Vom Pool auf der Hacienda Venecia aus hast du eine super Aussicht auf ihre Kaffeefelder.

Foto: Marcia Moritz

Meine Erwartungen an das Essen waren ziemlich niedrig, als ich meine Reise nach Südamerika antrat – ich hatte so einiges gehört, von Durchfall bis zur handfesten Lebensmittelvergiftung. Auf den Kaffee habe ich mich aber riesig gefreut. Schließlich wird der in Südamerika angebaut und sollte genau wie einheimische Früchte – Mangos sind übrigens der Wahnsinn dort (!) – einfach himmlisch schmecken. Dachte ich.

Selbst in Hostels müssten die Einheimischen auf dem Kaffeekontinent schließlich wissen, wie sie den besten Kaffee der Welt zubereiten. Dachte ich.

Und dort, wo es frisch geerntete und geröstete Kaffeebohnen gibt, da müsste doch sowieso jeder stinknormale Filterkaffee schmecken wie Kopi Luwak, also dieser Katzenkaffee, den Katzen essen, verdauen und wieder… du weißt schon. Dachte ich.

Instantkaffee in Chile?

Ich wurde maßlos enttäuscht. Auf meinem Teller beim ersten Frühstück im Hostel in Valparaíso lagen drei kleine Packungen.

Eine war gefüllt mit Marmelade, eine mit Butter, aber was war in dieser kleinen länglichen Tüte? „Sieht aus wie ein Zuckertütchen“, dachte ich. Und dann sah ich genauer hin und traute meinen Augen nicht: „Café instantaneo“ stand darauf – Instantkaffee!

Okay. Nun liegt Valparaíso zwar in Südamerika, aber Chile ist nicht gerade eine Kafffeehochburg wie Peru, Ecuador oder Kolumbien. Ich würde mich also gedulden müssen, bis mich meine Reise weiter in den Norden führt, dachte ich.

Komplett auf guten Kaffee verzichten musste ich auch nicht. Die Suche danach war aber eine enorme Herausforderung.

Die besten Bohnen exportieren wir.

Guide in Kolumbien

Ich fand sie durchaus, die Läden, in denen Kaffe in allen möglichen köstlichen Variationen vom Espresso über French Press bis hin zu Cold Brew angeboten wird. 

Häufig schmeckte der Cappuccino, Flat White oder der Iced Latte aber leicht sauer. Warum das so ist, erfuhr ich schließlich auf der Kaffeefarm Hacienda Venecia in Kolumbien.

„Die besten Bohnen exportieren wir“, sagt unser Guide auf der Führung über die Farm. Auf dem kolumbianischen Markt lande vor allem der Ausschuss: gebrochene und unreife Bohnen. Die machen den Kaffee saurer, sagt er.

Die Südamerikaner mögen Kaffee fruchtig-säuerlich

Das ist aber nicht alles: In Südamerika gibt es einfach eine andere Kaffeekultur. „Instantkaffee ist kein schlechter Kaffee“, sagt unser Guide. Es sei einfach eine andere Sorte, die anders verarbeitet werde.

Die Südamerikaner mögen ihren Instantkaffee. Und ihren Filterkaffee und Espresso mögen sie etwas saurer, als Europäer es vielleicht gewohnt sind. Selbst Röstereien, die mit Bohnen in guter Qualität arbeiten, rösten sie einfach weniger häufig.

Sie bleiben dann heller und der Kaffee schmeckt fruchtig-säuerlich. Schokoladig bitter ist er, wenn die Bohnen häufiger geröstet werden. Das machen vor allem europäische Röstereien.

Chillen auf Kaffeefeldern

Der Besuch einer Kaffeefarm lohnt sich übrigens nicht nur, wenn du mehr über die Kaffeeherstellung wissen willst. Er ist auch superentspannend. Die Kaffeefarmen in der Region rund um Manizales liegen mitten in einer grünen Hügellandschaft. Neben dichten Kaffeefeldern wachsen auf den Farmen jede Menge exotische Blumen. Mit etwas Glück kannst du sogar Kolibris beobachten.

Dieser wunderschöne Ausblick hat zumindest mich ein wenig mit dem Kaffee versöhnt.

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