Busfahrten in Südamerika überleben | reisereporter.de

5 Tipps: So überlebst du Busfahrten in Südamerika

Busfahrer, die sich für Formel-1-Piloten halten, Proteste oder defekte Toiletten – in Südamerika gibt es zahlreiche Dinge, die eine Busfahrt zu einem wahren Abenteuer machen können. Fünf Tipps, wie du dich darauf vorbereiten kannst, hat unsere reisereporterin Marcia für dich parat.

Bus in Südamerika.
Besonders, wenn du dich für einen weniger touristischen Bus entscheidest, kann die Fahrt abenteuerlich sein.

Foto: imago/F. Berger

Busfahrten in Südamerika sind heiß-kalt

Beim Start in Manizales war es draußen kühl. Der Bus war beheizt, mein Fleecepulli zu warm. Als ich gegen 1.30 Uhr morgens auf unserer Nachtfahrt nach Cartagena hochschrecke, ist es plötzlich bitterkalt im Bus. Da wir auf dem Weg in die Karibik sind, muss es draußen jetzt wohl sehr warm sein, mutmaße ich – und deshalb hat der Busfahrer irgendwann mitten in der Nacht die Klimaanlage auf Amok gedreht. 

Tipp: Ob den Fahrgästen warm oder kalt ist, interessiert die Busfahrer meist herzlich wenig. Und: Von der Außentemperatur kannst du nicht auf die Temperatur im Bus schließen. Deshalb gilt einfach IMMER das Zwiebelprinzip: Winterjacke über Fleecepulli, über T-Shirt und am besten noch eine Decke im Rucksack. Zur Not wärmt auch ein Handtuch! ;-)

Menschliche Bedürfnisse und so

Achtung, eklig! Unsere Fahrt von Arequipa nach Lima dauert 18 Stunden, und natürlich muss ich mitten in der Nacht aufs Klo. Schon als ich mich der WC-Kabine nähere, nehme ich einen unangenehmen Geruch war. Nichts gegen das, was mich beim Öffnen der Tür erwartet: Die Klospülung funktioniert nicht. Die Schüssel ist bis zum Rand gefüllt.

Ein Teil des Inhalts schwappt schon auf dem Boden herum. Zu allem Überfluss scheint hier jemandem schlecht gewesen zu sein (ich erspare dir die Details an dieser Stelle). Kein Wunder jedenfalls, dass ich auch einen Würgreiz spüre. Also schnell die Tür wieder zuschlagen. Mein Glück: Wir fahren in einem Doppeldeckerbus und ich habe eine Ausweichmöglichkeit.

Tipp: Die etwas teureren Fernbusse in Südamerika haben in der Regel WCs. Ihr Zustand ist aber selten astrein. Manchmal sind sie auch einfach kaputt. Billige Busse haben häufig gar keine WCs. Deshalb solltest du auf jeden Fall kurz vor der Fahrt auf die Toilette gehen und jede weitere Gelegenheit nutzen, um kurz hinauszuspringen.

Wichtig: Sag dem Busfahrer kurz Bescheid, damit der Bus nicht ohne dich weiterfährt. Gibt es Toiletten im Bus, solltest du Sitzplätze in der Nähe der Toiletten meiden. Aus ihnen dringt häufig ein wenig angenehmer Geruch.

Viva el pare! Es lebe der Stillstand!

Wir sind auf dem Weg von Copacabana in Bolivien nach Cusco in Peru mitten in den Anden. Kurz vor einem kleinen Bergdorf halten wir an. Ist der Bus kaputt? Wie wir es schon oft erlebt haben, macht der Busfahrer überhaupt keine Anstalten, uns zu sagen, was los ist.

Nach einer Stunde Stillstand erfahren wir: Die Bewohner des Dorfes haben Felsbrocken auf die Straße gerollt. Sie protestieren. Heute Nacht geht es nicht weiter. „Zu gefährlich“, sagt der Busfahrer. Erst als die Sonne aufgeht, startet er den Motor. Langsam rollen wir dem Ende einer langen Schlange von Lkw entgegen. Sie haben sich schon nachts bis an den Protestort vorgewagt. Jetzt warten sie. 

Nach einiger Zeit tut sich etwas auf der anderen Straßenseite. Einige Lastwagen rollen vorbei. Auf ihren Scheiben steht „Viva el pare“. Langsam geht es auch bei uns voran. Als wir am Beginn der Schlange ankommen, sehen wir, dass die Dorfbewohner in Zeitabständen von etwa einer halben Stunde immer eine Straßenseite räumen, um sie anschließend wieder zu blockieren.

Gefährlich sehen sie nicht aus. Im Gegenteil: Sie amüsieren sich prächtig. Sie bemalen die Lkw und Busse in der Schlange mit ihrem Protestspruch und rollen hin und wieder Felsbrocken hin und her. Dazwischen essen sie Eis. Das Ganze gleicht eher einem Dorffest als einem Protest. Letztendlich lassen sie uns passieren.

Tipp: Hab Geduld! Proteste kommen gerade in Peru häufig vor. Im Bus musst du sie aussitzen. Wichtig dafür: genug Proviant. Denn aus unseren ursprünglich geplanten neun Stunden von Copacabana nach Cusco wurden 27 (!) Stunden. Eine Qual ohne genug zu trinken und zu essen.

Fünf Minuten im Fernbus

Unsere Fahrt von Cartagena nach Santa Marta in Kolumbien dauert genau fünf Minuten. Bis hinter die Schranke des Busterminals fahren wir, dann bleibt der Bus stehen. Wieder einmal sitzen wir in einem stehenden Bus und haben keine Ahnung (wie bereits geschrieben: Informationen für Fahrgäste sind hier nicht die Regel).

Aber dann merken wir schnell, wo das Problem liegt: Der Busfahrer beginnt, am Motor herumzuschrauben. Zum Glück bin ich mit einem Maschinenbauer unterwegs. Und er sieht sofort: Der Bus ist ein Fall für die Werkstatt.

Tipp: Busse fahren in Südamerika häufig so lange, wie sie nicht stehen bleiben. Wenn es der Bus nur gerade so aus dem Terminal schafft, liegt der Verdacht nahe, dass er schon längst eine Generalüberholung nötig gehabt hätte.

In einem solchen Fall: Am besten schnappst du dir dein Gepäck, läufst zurück ins Terminal und forderst ein neues Ticket.   

Achterbahn

Die Bergstraße, auf der wir entlangfahren, ist kurvig – sehr kurvig. Genau genommen folgt eine scharfe Linkskurve auf die nächste scharfe Rechtskurve und umgekehrt. Und genau das macht dem Fahrer des Mini-Vans, mit dem wir von Medellin nach Maizales fahren, offensichtlich einen Riesenspaß.

Er nimmt jede Kurve so eng wie möglich und drückt dabei ordentlich aufs Gas. Noch dazu überholt er jeden Lastwagen – und davon gibt es hier viele –, ohne sich um eventuell entgegenkommende Autos zu kümmern. 

Immer wieder zieht er deshalb ruckartig wieder nach rechts, wenn er gerade zum Überholmanöver ansetzt. Mein Magen schlägt Saltos und ich halte mich, so gut es geht, am Sitz meines Vordermannes fest, um nicht von meinem eigenen herunterzufallen.

Tipp: Den Fahrstil der Fahrer kannst du kaum beeinflussen. Wenn du in einen Mini-Van steigst, solltest du deshalb zumindest deinen Sitzplatz sorgfältig auswählen. Inspiziere die Sitze zuallererst nach Sitzgurten. Es kommt vor, dass einige Gurte haben und andere nicht. 

Auf einer sehr kurvigen Strecke sind Gurte nämlich sehr von Vorteil. Teste auch, ob der Klappmechansimus deines Sitzes intakt ist. Auf einer kurvigen, holprigen Fahrt willst du keine Lehne haben, die ständig vor- und zurückklappt.

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