„Ganz im Nordosten.“ „Da fährt man durch, um nach Rügen zu kommen." Drei Jahre lang musste ich erklären, wo ich studiere. Immer wieder stieß ich dabei auf Unverständnis: „Wie kam es denn daaaazu?!“ „Du kommst doch aus Münster, wolltest du nicht da studieren?“ Ne, wollte ich nicht.

Ich wollte eine neue Ecke von Deutschland kennenlernen und ans Meer, Schwedisch belegen können und Tourismus studieren. All das fand ich in Stralsund.

Was ich dort noch fand: Eine bezaubernde Altstadt mit Backsteingotik, Kopfsteinpflaster und geduckten, bunten Häusern. Die Nähe zum Wasser und damit die Möglichkeit zum Segeln, Motorbootfahren und Stand-up-Paddeln. All das und die perfekte Verbindung zwischen historisch und modern macht Stralsund zu einem idealen Ziel für die nächste Städtereise.

Freitagabend in Stralsund: Tapas und Kümmelschnapps

Ein Wochenende solltest du dir mindestens Zeit nehmen, um Stralsund zu erkunden. Wenn du am Freitagabend ankommst, hast du noch genug Zeit für eine Stärkung und den ersten Altstadtbummel.

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Mein Lieblingsrestaurant in Stralsund ist die kleine, aber gemütliche EssBar hinter dem Einkaufskomplex „Quartier 17“ mitten in der Altstadt. Am besten reservierst du vorher, damit du ganz sicher einen Tisch bekommst.

Wenn ihr zu zweit unterwegs seid, könnt ihr euch den „Überraschungsteller“ mit Salat, Käse, Salami, Schinken und hausgemachter Antipasti teilen und bei einem Glas Wein einen kleinen Mittelmeermoment genießen.

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Wer danach einen Absacker braucht, kann den kleinen Verdauungsspaziergang Richtung Hafen in der Fähre unterbrechen. Was man da trinkt? Stralsunder Fährwasser natürlich, einen Kümmelschnaps. Im Jahr 1332 wird die Kneipe Zur Fähre das erste Mal urkundlich erwähnt und ist damit die älteste Hafenkneipe der Stadt und eine der ältesten in Europa

Dann setzt du dich, bei gutem Wetter, an den Hafen und beobachtest mit Blick auf die vertäuten Boote, wie Himmel und Wasser von Indigo zu Nachtblau wechseln.

Apropos gutes Wetter. Davon gibt es in Stralsund ziemlich viel. Im Deutschlandvergleich bekommt Stralsund wenig Niederschlag ab. Ganz subjektiv betrachtet kann ich das bestätigen: In drei Jahren konnte ich fast jeden Tag mit dem Fahrrad zur Hochschule fahren, ohne nass zu werden.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde Stralsund von den Schweden regiert. Die Terrasse der aufwendig restaurierten Kron-Lastadie-Bastion erinnert bis heute daran.

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Samstag: Altstadt und Rügen

Wenn es bei nur einem Absacker geblieben ist, heißt es am nächsten Morgen: Frühsport. In einer lockeren Runde kannst du entlang des Knieper- und des Frankenteichs einmal um die Altstadt laufen, ein Abstecher zum Hafen bietet sich auch an. 

Nach dem Frühstück will die Stralsunder Altstadt entdeckt werden. Sie ist Teil des Unesco-Welterbes Altstädte Wismar und Stralsund. Einen ersten Überblick bekommst du auf dem Turm der Marienkirche am Neuen Markt, den du für ein paar Euro erklimmen darfst. Von hier oben siehst du die Dächer der Altstadt, deine Laufrunde vom Morgen und bis nach Rügen. 

Blick von der Marienkirche über die Altstadt mit der Nikolaikirche und den Strelasund.

Der nächste Stopp ist der Alte Markt mit seinen Backsteinbauten. Warte bis zur vollen Stunde, dann kannst du die Kinder beobachten, die im Brunnen spielen. Was für jeden anderen wie ein spontaner Rohrbruch aussieht, sorgt bei den Kleinsten jedes Mal für Verzückung.

In der Zwischenzeit kannst du die spitzen Turmzinnen zwischen den Dreiecken auf dem Dach des Rathauses zählen: Eine für jeden Buchstaben, S-T-R-A-L-S-U-N-D, also neun.

Wenn ich einen Tapetenwechsel brauche, gehe ich einfach in den Innenhof des Johannisklosters, einen Steinwurf vom Markt entfernt. Die kleinen bunten Häuser versetzen dich direkt in eine Bullerbü-Welt. Hierhin verirren sich nicht viele Touristen, von den Stadtführungen mal abgesehen.

Wie aus dem Kinderbuch: Häuserreihe im Innenhof des Johannesklosters.

Bummeln kannst du natürlich auch. Die meisten Geschäfte liegen auf der Ossenreyer Straße zwischen den beiden Märkten. Schöner sind die kleinen, charmanten Geschäfte. +Buch beispielsweise ist eine kleine Schatzkammer für ausgewählte Literatur und Keramik. 

Mein Tipp: Begib dich auf Entdeckungstour. Einfach der Nase nach. Die kleinen, versteckten Altstadtgassen sind viel sympathischer als „die Ossenreyer“. Ich mag es zum Beispiel, durch die Schillstraße oder die Badstüberstraße zu schlendern und die Häuser anzuschauen. 

Und was, wenn die Beine zu müde zum Laufen werden? Dann ab aufs Fahrrad, über die Alte Rügenbrücke auf die Insel Borgholm und von dort weiter bis nach Altefähr auf Rügen radeln. Einen Fahrradverleih gibt es in der Triebseer Straße kurz vor der alten Post. Von Altefähr bietet sich ein toller Blick auf die Skyline von Stralsund mit ihren Kirchtürmen. Deutlich sticht die Marienkirche hervor und beweist, dass sie einst als größtes Gebäude der Welt galt – wenn auch nur bis 1647.

Die Strandpromenade in Altefähr wurde 2014 erneuert. Seitdem ist sie barrierefrei, und mehrere Bänke und Liegestühle laden zur Rast ein. Die wird besonders beeindruckend, wenn abends der glutrote Ball der Sonne von Stralsunds Silhouette geschluckt wird. 

Sonntag: Ein Date mit Walen

Auch wenn die Einheimischen sich über das Aussehen lustig machen („Klopapierrolle“) – Stralsund ist sehr stolz auf sein Ozeaneum. 2010 wurde es als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet. Auf dem Dach wohnen Pinguine, und in den zahlreichen Aquarien schwimmen verschiedene Fische, Kraken, Haie und andere Meereslebewesen. 

Kurz vor Ende des Rundgangs kommt mein persönlicher Höhepunkt: Ein runder Raum mit meterhoher Decke, von der Wale und ein Kraken in Lebensgröße baumeln. Unten kannst du dich in einem der Liegestühle zurücklehnen und zum Soundtrack von Walgesängen zu den Meeresmonstern hochblicken. 

Wie eine überdimensionale Klopapierrolle durchbricht das Ozeaneum die hanseatische Architektur am Stralsunder Hafen.

Nach dem Ozeaneums-Besuch ist der perfekte Zeitpunkt für: Fischbrötchen! Ich selbst mag keinen Fisch, habe mir aber von mehreren Personen versichern lassen, dass die Fischhalle am Hafen sehr gut sei. Du kannst auch einfach jeden Tag einen anderen der Fischkutter ausprobieren und deinen eigenen Favoriten küren. 

Danach dürften die Akkus wieder so weit aufgeladen sein, dass die Füße noch einen Spaziergang zum Strandbad schaffen. Wer möchte, kann sich hier in die Fluten stürzen. Okay… eigentlich ist es eher ein gemächliches Waten in die flache Ostsee, aber das klingt nicht so spektakulär. 

Zu Beginn meines Studiums hörten wir immer wieder: „Ihr studiert, wo andere Urlaub machen.“ Drei Jahre in Stralsund wurden dann irgendwann doch ein bisschen lang. Für ein Wochenende komme ich aber immer wieder gern zurück. Stralsund, du bist ’ne Schöne!