Nie? Sag niemals nie!

Zumindest nicht, wenn du bei Airbnb ein Blinddate mit einem Appartement an der Côte d`Azur abgemacht hast („Mega-Schnäppchen!“). So landete ich eines Abends mit der nettesten, schweigsamsten Ehefrau der Welt vor den Toren von Saint-Tropez und muffelte vor mich hin: Eine Woche Villa de Schrott.

Hanglage? Oui – in einem Berg von Beton. Meer? Wo? Schnuckelig? Der verrostete Kühlschrank, das kaputte Lattenrost, die vergammelte Liege vor ‘m Haus? Alles in mir schrie: „Weg! Bloß weg!“. Da half auch die Flasche Rotwein nicht.

Nicht gerade so, wie man sich unter Luxus in Saint Tropez vorstellt...

Der nächste Morgen. Gut, dass es Hotelportale gibt. Noch besser: Wenn Mann nach so einem Fehlstart seine Frau entscheiden lässt. Die landete zielsicher bei einem „Maison Prestige Roberto Geissini“. Oh Gott, bei den Geissens.

Aber nach einer Nacht im Schrott-Appartement kannst Du so einer Beschreibung nichts entgegensetzen: „Unser luxuriöses Maison Prestige befindet sich im zauberhaften Herzen des Golfes von Saint-Tropez. Das elegante Anwesen ist in einen paradiesischen Garten eingebettet. Genießen Sie in Ruhe die Annehmlichkeiten und gönnen Sie sich einen großartigen Urlaub.“ 

Eine Nacht in der Villa der Geissens übernachten? Sag niemals nie!

Fünf Tage später im Beachclub „L’ Esquinade“. Wir genießen die Muscheln, den Sand unter den Füßen, die frische Brise. Wir stoßen an. Auf eine herrliche Urlaubswoche. Auf Saint-Tropez (Frankreich), das sich im Herbst und Frühjahr von seiner schönsten Seite zeigt.

Auf Jacques Cadel, der schon von weitem winkte, wenn wir durch die engen Gassen hinterm Hafen zum Essen ins „La Pesquiere“ kamen. Auf Didier, der oben in Grimaud im „L’ecurie de la Marquise“ die besten Vorspeisen der Welt serviert. Und natürlich auf Jessie und Karl, bei denen wir uns wie „Gott in Frankreich“ fühlten.

Wir kamen als Fremde. Es ist nicht einfach, das Maison Prestige am Fuß von Grimaud, knapp zehn Kilometer von Saint Tropez, zu finden. Das Navi führt in ein Villenviertel. Pompöse Millionen-Projekte umrahmt von dicken alten Steinmauern. Mittendrin ein Ensemble von drei Villen.

Wer hier rein will, besucht gute Freunde oder braucht einen Drücker für den Elektromotor, der die schweren Stahltore auf- und zuschiebt. Den Drücker drückte uns Karl gleich nach der Ankunft in die Hand. Karl, das „Mädchen für alles“ im Maison Prestige. Karl, der Jägermeister liebt und leere Gläser hasst.

Pool vor der Hauptvilla - Ein Ort, um die Seele baumeln zu lassen

Einlass ins Reich der Millionäre. Karl führt durch das Anwesen der Geissens. Drei Villen, drei Pools, kleine (Classic) und komfortablere Zimmer (Prestige), Junior- und Luxussuiten. Charmant drapiert in einer parkähnlichen Anlage. Süß, vielleicht etwa zu pompös eingerichtet – aber mit viel Liebe und Charme inszeniert.

Robert Geiss wollte mit den Villen Millionen verdienen – eigentlich...

Eigentlich wollte der Roooooobäärt mit den Villen das dicke Geschäft machen. Günstig Land kaufen, noch günstiger bauen, teuer verkaufen. Doch keiner wollte die aufgerufenen Preise zahlen und der Robert seine Häuser nicht verschleudern. So kam ihm die Idee mit dem Hotel. Und der Rezeption in der Garage. Hier regiert Jessie, Verwalterin, Direktorin – das Herz des Maison Prestige.

Abkühlungen gibt's im Pool und an der Bar nebenan.

Wir gingen als Freunde. Abschied am Geburtstag. Glückwunsch Jessie! Abschied nach fünf traumhaften Tagen, an denen Karl schon beim Frühstück alle Wünsche erfüllte und Jessica uns fast „Hidden Places“ von Saint Tropez und dem verträumten Grimaud gezeigt hatte. Abschied von einem Leben wie die Millionäre. Okay, ich habe es genossen, wenn wir aus dem Mini-Van mit dem Geissini-Emblem ausgestiegen sind und sich die Menschen neugierig umdrehten.

Die Geissens haben wir nicht kennengelernt. Aber viel Gutes über Robert und Carmen gehört. Natürlich von Jessie und Karl. Ach so, ehe ich es vergesse: Jessie, Karl – wir kommen wieder. Bestimmt!