Um 6.30 Uhr fängt es an zu rattern, zu vibrieren, wird lauter und lauter. Mit dem Schlaf ist es vorbei. Die müden Augen werden bei dem Ausblick aus der Schiffskabine jedoch schnell wach: Draußen hängt der Nebel fest in den Baumkronen des Regenwaldes, am Ufer des Mekong sind die Fischer schon bei der Arbeit. Die Felsen im schlammig-braunen Fluss ziehen nah am Fenster vorbei. Die „Mekong Sun“ legt ein ordentliches Tempo vor.

Immer wieder lassen die Menschen an Land ihre Arbeit kurz ruhen und schauen dem auffälligen Schiff hinterher. Kein Wunder, so oft schippert hier auf dem oberen Mekong kein Passagierschiff vorbei. Nur dann, wenn die „Mekong Sun“ und die „Pearl“ unterwegs sind. Die Schiffe sind speziell für den recht flachen Fluss gebaut und haben nur 1,20 Meter Tiefgang.

Der Blick auf das Mekongufer lohnt sich während der Reise immer wieder.


Mekong fließt zwischen Laos und Thailand

Zwischen Laos und Thailand fließt nicht nur der Mekong, es liegen Welten zwischen diesen beiden Ländern in Südostasien. Während in Laos noch nicht mal jedes Dorf Zugang zu Elektrizität hat, fließt der erzeugte Strom des riesigen laotischen Staudamms Xayaburi, rund 350 Kilometer flussaufwärts von der Hauptstadt Vientiane entfernt, zu 95 Prozent nach Thailand.

„Laos will die Batterie Südostasiens werden und ist es eigentlich auch schon“, sagt Reiseleiter und Kreuzfahrtdirektor Thomas Stukenbrok, während die Crew die „Sun“ in die Schleuse des mächtigen Bauwerks manövriert.

Aktuelle Deals

Staudamm war sehr umstritten

Die 30 Meter hohe und 800 Meter breite Staumauer war sehr umstritten, hat es sogar in die internationalen Medien geschafft. Die Regierung ließ sich davon nicht irritieren, stritt mögliche Umweltprobleme ab und zog die Umsetzung des rund 3 Milliarden Euro teuren Projektes durch.

Die Schleuse des großen Xayaburi Staudamms muss die Mekong Sun passieren, um den Mekong weiter flussabwärts fahren zu können - das ist Millimeterarbeit.


Hunderte Anwohnerinnen und Anwohner mussten ihre Dörfer verlassen und Platz machen. Trotz der Stromproduktion für die Nachbarn bleibt Laos ein armes Land. Auch sonst könnten Laos und Thailand kaum unterschiedlicher sein. Während ein Laote in Bangkok einen Kulturschock bekommt, kann es den Thailändern mit neuen Wolkenkratzern und Fortschritt nicht schnell genug gehen. Aber all das ist weit weg von der „Mekong Sun“.

Kapitäne kennen sich bestens aus

An Deck ist es früh morgens noch ruhig. Das Holz, aus dem das Schiff gebaut ist, leuchtet in der Sonne, die sich langsam durch den morgendlichen Nebel kämpft. Kapitän Huan Chith Ta Phon gibt ordentlich Gas. Und das trotz der vielen Felsen und Stromschnellen, die vor uns liegen. Elektronische Navigationsgeräte oder Ähnliches gibt es nicht. „Er kennt den Flussabschnitt auswendig“, sagt Stukenbrok.

Die Kapitäne Pan Souphun Chith (links) und Huan Chith Ta Phon manövrieren das Schiff sicher durch den Mekong – ganz ohne Navigationsgeräte.


Phon ist seit seiner Kindheit auf dem Mekong unterwegs und kennt jeden Stein. Das hat er von seinem Vater gelernt. 20 Jahre Erfahrung sind nötig, bis ein Kapitän das Steuerrad eines solchen Schiffes übernehmen kann. Phon ist auch nicht allein, Kapitänskollege Pan Souphun Chith ist mit dabei und sozusagen die visuelle Absicherung.

Beide sind auf bestimmte Abschnitte des oberen Mekongs spezialisiert, der eine für den südlichen, der andere für den nördlichen Teil.

Im Inneren des Schiffes wird das Büfett für das Frühstück aufgebaut, der Kaffee steht bereit. Wir nähern uns langsam dem Endziel der Reise, der laotischen Hauptstadt Vientiane.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Luang Prabang ist eine alte Königstadt

In der einstigen Königstadt Luang Prabang, heute Heimat von mehr als 66.000 Menschen, hatte unsere Reise begonnen. Es war noch früh am Morgen, die Sonne war noch nicht aufgegangen. Am Straßenrand sammelten sich immer mehr Anwohnerinnen und Anwohner. Plötzlich tauchten junge und alte Männer in orangefarbenen Gewändern auf.

In der Stadt Luang Prabang machen sich die Mönche jeden Morgen auf den Weg, um Almosen zu sammeln.

Almosengang am Morgen

Es war die Zeit des morgendlichen Almosengangs der buddhistischen Mönche. In ihre mitgebrachten Gefäße ließen sie sich Reis und anderes Essen geben. Diese Spenden werden normalerweise im Tempel aufgeteilt und gegessen. Die Mönche leben ausschließlich von den Spenden. 1.200 von ihnen gibt es allein in Luang Prabang und 68 Tempel. Mönch werden kann jeder Mann. Buddhistische Nonnen soll es rund 1.500 in Laos geben.

Der frühere Königspalast in Luang Prabang ist heute ein Touristenmagnet.

Zum Einkaufen auf den Morgen- und den Nachtmarkt

Die Stadt ist eine Oase der Ruhe – so wie es eigentlich ganz Laos ist. Laut sein wird nicht gern gesehen, die Laoten sind höflich, aber zurückhaltend. So gestaltet sich auch das Leben in der Stadt im Norden des Landes. Es gibt internationale und lokale Restaurants, den Morgen- und den Nachtmarkt, auf dem einheimische Spezialitäten und Souvenirs gekauft werden können.

Auf einem Teil des Marktes werden aber auch Lebensmittel verkauft, die Europäerinnen und Europäer nicht allzu gern auf dem Teller haben – zum Beispiel gekochte Flughunde und Buschratten.

Von Luang Prabang nach Vientiane

Von Luang Prabang ging es an Bord der „Mekong Sun“ 450 Kilometer flussabwärts in Richtung Vientiane. Im Vergleich zur Gesamtlänge des Mekong ist das wahrlich nur ein kleiner Teil: Mit mehr als 4.000 Kilometern zählt er zu den zwölf längsten Flüssen der Welt. Gefahren werden darf nur tagsüber, nachts herrscht auf dem Mekong Fahrverbot. Bedeutet: Bis zur Dämmerung müssen wir immer eine Anlegestelle gefunden haben. Die kann auch mal mitten im Nirgendwo sein. Obwohl sich alles ein bisschen wie mitten im Nirgendwo anfühlt, auch als wir am nächsten Tag in dem Dorf Ban Don Sai Ngam anlegen. Kinder versammeln sich an der Treppe und warten auf uns.

Echtes Dorfleben in Ban Don Sai Ngam

Ban Don Sai Ngam sei keine Touristenattraktion, versichert Kreuzfahrtdirektor Stukenbrok. Es ist ein Dorf der Tiefland-Laoten, einer von drei offiziellen Bevölkerungsgruppen in Laos. Zusätzlich zu ihnen gibt es die Hochland-Laoten und Berghang-Laoten.

Das Dorf Ban Don Sai Ngam mit seinen Holzhäusern ist kein klassisches Touristinnen- und Touristenziel – umso spannender ist es, das alltägliche Leben hier zu sehen.


Die Häuser sind schlicht, meist aus Holz. Auf einer Veranda werden die Blätter einer Kurkumapflanze klein gehackt, gegenüber hat es sich ein älteres Paar auf einer Bank gemütlich gemacht. Gleich am Eingang des Dorfes steht ein Holzhaus, um das sich offensichtlich schon lange niemand mehr gekümmert hat. „Das ist mal der Tempel gewesen“, sagt Stukenbrok zum Erstaunen der Gruppe. Der Mönch habe das Dorf vor sechs Jahren verlassen, seitdem kümmert sich niemand mehr um den Tempel.

Thomas Stukenbrok lebt seit vielen Jahren in ­Myanmar und ist langjähriger Reiseleiter und Kreuzfahrtdirektor auf dem Mekong.


Die Leute hier sind vielmehr mit der Landwirtschaft beschäftigt. Die Erträge werden zum großen Teil verkauft. Das Dorfleben wirkt gemütlich und geschäftig zugleich. In einem kleinen Laden, der von außen nicht als solcher zu erkennen ist, gibt es sogar Kaffee – instant aus dem Tütchen.

Riesiger Buddha zeigt Grenze zu Thailand

Dann brechen sie an, unsere letzten Tage auf dem Mekong. Bevor es von Bord geht, wartet noch ein Highlight am anderen Ufer: Ein mächtiger goldener Buddha taucht am Berg auf der rechten Seite auf, auf thailändischem Boden. Thomas Stukenbrok nennt ihn „Grenz-Buddha“ und ärgert sich über den Skywalk, den die Thailänder um ihn herumgebaut haben. Erst im September 2020 wurde dieser eröffnet.

Er markiert den Beginn Thailands am Mekong: Der riesige Buddha samt Skywalk.


Die goldene Figur markiert den Beginn Thailands. Hier wird der Mekong zum Grenzfluss. Und hier beginnen sie, die optischen Unterschiede zweier Flussufer, die sich auch in den Ländern widerspiegeln. Das arme und trotzdem wunderschöne Laos auf der einen und das rastlose und umtriebige Thailand auf der anderen Seite. Und trotzdem gelingt die Entschleunigung zwischen beiden Ländern wunderbar, ruhig dahinschippernd auf der Mutter des Wassers – dem Mekong.

Tipps für deine Reise nach Laos

Anreise: Von Frankfurt am Main und München gibt es Direktflüge in die thailändische Hauptstadt Bangkok. Von dort sind es weitere eineinhalb Flugstunden bis Luang Prabang. Zurück fliegt Lao Airways von Vientiane nach Bangkok.

Einreise: Für Laos wird ein Visum benötigt, das am Flughafen ausgestellt wird und rund 38 Euro kostet.

Flusskreuzfahrten: Lernidee Erlebnisreisen betreibt die zwei Boutiqueschiffe „Mekong Sun“ und „Mekong Pearl“ auf dem oberen Mekong. 14, beziehungsweise 15 Kabinen bieten Platz für 28 beziehungeweise 29 Personen. Besonders beliebt ist die Reise „Orchidee“ vom Goldenen Dreieck über Luang Prabang bis nach Vientiane oder umgekehrt. Sie dauert 14 Tage (zehn Tage Schiffsreise) und ist ab 4400 Euro buchbar. Im Reisepreis sind Flüge ab/bis Deutschland sowie sämtliche Mahlzeiten enthalten.

Währung: In Laos wird in laotischen Kip gezahlt. Eine Million Kip entsprechen rund 55 Euro (Stand: Januar 2023).

Die Reise wurde unterstützt von Lernidee Erlebnisreisen. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.