Der Nationalpark Harz bietet vor allem eins: vielseitige Erlebnisse. Hexen versammelten sich hier und kleine Dinosaurier führten ein glückliches Leben, bis der Meeresspiegel sank. Begib dich auf eine geschichtliche Reise oder konzentriere dich voll auf die aktuellen Naturerlebnisse. 

Denn heute sind fast 10.000 Tier- und Pflanzenarten im Waldnationalpark Harz angesiedelt. Das nördlichste Mittelgebirge Deutschlands ist ein Naturparadies. Über der fast vollständig mit Wald bewachsenen Fläche thront der karge Gipfel des Brockens, des höchste Bergs des Harzes. Wir zeigen dir, was den 247 Quadratkilometer großen Waldnationalpark ausmacht und welche Highlights warten.

Der Brocken und die Hexen

Schon Goethe war vom Brocken angetan (wer auf den Spuren des Dichters wandeln möchte, hat auf dem Goetheweg die Möglichkeit). Und der kahle Gipfel des Brockens ist für Mythen wie gemacht. Der Berg war ein Hotspot für Hexen, so die Legende, weshalb er im Volksmund auch Blocksberg genannt wird.

Jedes Jahr in der Nacht zum 1. Mai ritten die Hexen auf ihrem Besen zum Blocksberg und paarten sich dort mit dem Teufel. In der Walpurgisnacht wird dieser wilde Mythos auch heute noch lebendig gefeiert. In mehr als 20 Orten der Region werden die Harzer Walpurgisnächte eindringlich mit schrillen Verkleidungen, Feuern und Tanz zelebriert. Zu den bekanntesten Hexenkesseln zählen Schier­ke, Thale, Bad Grund und Braunlage.

Hexentreffpunkt Brocken: Jedes Jahr in der Walpurgisnacht wird diese Legende zum Leben erweckt.

Aktuelle Deals

Ein besonderes Erlebnis ist an diesem Tag auch eine Fahrt mit der Brockenbahn, die legendengetreu unter Hexengeheule den Weg zum Gipfel erklimmt. Ganz schön unheimlich.

Dinosaurier und der Harz

Jeder, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, bringt eine Geschichte mit. Auch der Harz kann sich davon nicht freisprechen. Vor rund 150 Millionen Jahren befand sich dort, wo heute der Harz zu finden ist, eine Insel. Umgeben vom Binnenmeer. Und diese Insel war auch ein Dinosaurier-Zuhause.

1998 kam es zu dem Sensationsfund: Knochen eines Dinosauriers wurden im Steinbruch Langenberg nahe Goslar entdeckt. Die Europasaurus, der mit sechs Metern Länge nur einen Zwerg in Saurier-Dimensionen darstellt, wurde bisher nur im Harz entdeckt. Seine geringe Größe war vermutlich der Beschaffenheit der Insel angepasst. Kleinere Tiere hatten bei dem geringeren Nahrungsangebot der Insel bessere Überlebenschancen. 

Steinbruch Langenberg: Sensationsfunde von Dinosaurierknochen geben Aufschluss über die wilde Vergangenheit des Harzes.

Doch das Inselglück wurde jäh beendet, als der Meeresspiegel sank und Raubsaurier die Insel erreichen konnten. Rest in peace, kleiner Europasaurus, hieß es dann. Das sind doch mal wilde Altlasten! Den Steinbruch kannst du nach wie vor besichtigen.

Weiterlesen nach der Anzeige

Anzeige

Die wilden Tiere des Harzes

Auch heute gibt es wilde Tiere im Waldnationalpark Harz. Füchse und Rehe, Rothirsche und der scheue Luchs sind hier zu Hause. Auch etwa 1500 Mufflons, Wildschafe aus Korsika und Sardinien, die vor 100 Jahren hier angesiedelt wurden, fühlen sich im Harz wohl. 

Um die Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu entdecken, ist jede Menge Ruhe und Ausdauer erforderlich. An speziellen Wildtierbeobachtungsstationen kannst du dich auf die Lauer legen. Bei Bad Harzburg gibt es dafür die Beobachtungsstation Molkenhaus, bei Sankt Andreasberg die Station Odertal (barrierefrei!).

Gekommen, um zu bleiben: Vor über 100 Jahren wurden Mufflons aus Sardinien und Korsika im Harz angesiedelt.

Manche tierischen Einwohner des Harzes kannst du auch beim Blick nach oben erspähen: In den Abendstunden flattern Fledermäuse umher, der seltene Schwarzstorch findet hier einen Lebensraum, ebenso der Raufußkauz, Erlenzeisig und Wanderfalke. Ein wahres Paradies für (Hobby-)Ornithologen.

Das Totholz im Harz

97 Prozent des Nationalparks Harz sind bewaldet. Und aufgrund des Mottos „Natur Natur sein lassen“ greift der Mensch im Nationalpark so wenig wie möglich in die Natur ein. Das Ergebnis ist unter anderem zahlreiches Totholz, das ziemlich lebendig ist. Die abgestorbenen Bäume und Stämme sind für viele Waldbewohner Gold wert und bedeuten neuen Lebensraum.  

Der Name täuscht. Totholz ist alles andere als tot. Die abgestorbenen Bäume bieten Lebensräume, Unterschlupf und helfen dem Klima.

Vom Ameisenbuntkäfer über die Waldbienen bis zur Mopsfledermaus und den Raufußkauz: Sie alle benötigen das Totholz als Nahrungsquelle, Lebensraum oder Versteck. Tiere wie der Siebenschläfer schlagen im Totholz ihr Winterquartier auf und die zahlreich im Totholz lebenden Insekten sind dem Schwarzspecht ein Festmahl.

Unberührte Wälder und Seen im Harz

Die Bewaldung des Nationalparks ist so facettenreich wie seine Tierwelt. Je nach Höhenlage und Bedingungen wandelt sich das Bild. Es gibt die dominierenden Buchenwälder, ab 800 Metern Höhe dann den Fichtenwald. Auch in Schluchten, die besonders dunkle und kühl-feuchte Bedingungen zeigen, zieht sich die Buche zurück und lässt Esche, Ahorn und Bergulme den Vortritt (in diesen Gebieten kannst du auch den Feuersalamander entdecken).

Wer alle Waldtypen erleben, aber dafür nur ein paar Meter zurücklegen möchte, kann das auf dem Wildnispfad Altenau. Auf 800 Metern Länge werden die verschiedenen Waldbereiche vorgestellt. 

Schluchtwälder im Harz sind unter anderem ein Lebensraum für Feuersalamander.

Doch neben seinen Wäldern beeindruckt der Harz auch mit viel Wasser. Auf zahlreichen Wasserwanderwegen kannst du beispielsweise den Oberharz erkunden. Die drei bis zwölf Kilometer langen Routen führen an Gräben, versteckten Wasserläufen bis hin zu beeindruckenden Teichkaskaden vorbei.

Der Blaue See bei Rübeland im Harz zeigt im Frühjahr ein besonders intensives Farbspiel.

Ein Highlight und besonders farbintensiv wird ein Besuch des Blauen Sees zwischen Hüttenrode und Rübeland. Der Steinbruchsee wechselt seine Farbe je nach Jahreszeit und leuchtet im Frühling im leuchtenden Türkisblau. 

Mythische Moore im Harz

Wer kennt sie nicht, die Erzählungen und Schauergeschichten über Moore als finstere Orte, in denen alles versinkt. Der Nationalpark Harz verfügt über 2000 Hektar Moorgebiete und Moorfichtenwald. Ihre Entstehung geht bis zum Ende der letzten Eiszeit zurück und die Harzer Moore gehören zu den besterhaltenen in Deutschland.

Bohlenstege führen im Nationalpark über den Moorboden und nur ganz hartgesottene Pflanzen und Tiere können in diesem Milieu bestehen. Zu ihnen gehören die Torfmoose, die bereits seit Tausenden von Jahren hier gedeihen. Auch der fleischfressende Sonnentau ist an die kargen Bedingungen angepasst. Er ernährt sich von kleinen Insekten, die an seinen Drüsenhaaren hängen bleiben. 

Welches Geheimnis birgt das Hochmoor Bodebruch?

Geführte Exkursionen durchs Moor werden zum Beispiel vom Besucherzentrum TorfHaus angeboten. Bei Moorführungen gehst du dem Mythos Moor auf den Grund, kommst in Kontakt mit Moorleichen (keine menschlichen!) und erfährst alles zum Geheimnis der Irrlichter. Die Führungen des TorfHauses finden am 16. Mai, 20. Juni, 11. Juli, 15. August und 19. September 2023 statt.