Freiwillig die schnarchige Bahn nehmen, wenn es mit einem Hochgeschwindigkeitszug viel schneller ans Ziel ginge? Das mag absurd klingen. Besonders, wenn es dabei um Japan geht – das Land, in dem sich Zugunternehmen entschuldigen, wenn eine Bahn wenige Sekunden zu spät oder zu früh abgefahren ist. Und das für seinen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen weltbekannt ist, der mit bis zu 320 km/h von Tokio aus quer durchs Land rast. 

Dafür ist Japan weltbekannt: Der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen.

Doch so komfortabel und effizient das Reisen mit dem Shinkansen auch ist: Bei einer Geschwindigkeit von 320 km/h lässt sich kaum die Aussicht durch die Zugfenster genießen. Dabei hat Japan eine ganze Menge beeindruckender Landschaften zu bieten.

Langsames Reisen ist in Japan im Trend

Aus diesem Grund sind in Japan neben den schnellsten Zügen auch die langsamsten besonders beliebt, die Sightseeing-Züge, die gemütlich durch das Land kriechen. Und das nicht nur bei Touristinnen und Touristen, sondern auch bei den Japanerinnen und Japanern, berichtet die BBC. „Die Menschen sehnen sich danach, in Japan langsam zu reisen“, erklärte ein Zugleiter des Eisenbahnunternehmens JR-East gegenüber dem britischen Rundfunksender. „Das Leben vergeht zu schnell und Zugreisen sollten helfen, einen besonderen Ort in der Zeit festzuhalten.“

Doch die Sightseeing-Züge erfüllen noch einen weiteren Zweck. Auch in Japan zieht es immer mehr Menschen in die Städte, während ländliche Gebiete verweisen. Durch die Einführung von Zügen, die Reisende in diese sonst eher abgelegenen Gegenden bringen, sollen die Regionen wiederbelebt werden und der Anschluss an das Bahnnetz erhalten bleiben.

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Das sind die schönsten Sightseeing-Züge in Japan 

Deswegen gibt es in Japan eine ganze Menge Bahnen, die in gemütlichem Tempo entlang kleiner Dörfer, durch die Berge oder entlang der Küste fahren. Über das ganze Land verteilt haben Reisende so die Möglichkeit, die vielfältigen Landschaften der Regionen und ihre Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten kennenzulernen. Einige der schönsten Sightseeing-Zugstrecken in Japan stellen wir dir hier vor.

Die Kurobe-Eisenbahn

Mit 86 Kilometern Länge ist die Kurobe-Schlucht eine der spektakulärsten Landschaften in Japan. Die Kurobe-Eisenbahn fährt mitten hindurch und bietet dir atemberaubende Aussichten auf die Berge und Täler. Laut dem Blog Japanwelt ist die Bahn der langsamste Sightseeing-Zug des Landes und bietet dir damit viel Zeit, die herrliche Landschaft zu genießen.

Im Herbst lohnt sich eine Zugfahrt durch die Kurobe-Schlucht besonders.

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Auf den Gleisen einer alten Grubenbahn geht es in rund eineinhalb Stunden von Unazuki nach Keyakidaira. Dabei fährt der Zug durch insgesamt 41 Tunnel und über 21 Brücken. Auf der Strecke hast du an verschiedenen Stellen die Möglichkeit, auszusteigen und die Landschaft zu erkunden – die Thermalquellen von Kuronagi zum Beispiel oder den Aussichtspunkt Kurobe Mannen Yuki mit Blick auf den Berg Hyakkan, der das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt ist. Besonders schön ist eine Fahrt mit der Kurobe-Eisenbahn im Herbst, wenn das Laub in bunten Farben leuchtet.

Der Shirakami-Resort-Zug

Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von teilweise nur 10 km/h kriecht der Shirakami-Zug durch die Präfektur Akita im Norden von Japan, vorbei an sanften Bergen und Küstenlandschaften. Er ist der einzige Zug, der direkt an der japanischen Küste entlangfährt. Durch die raumhohen Fenster hast du außerdem eine perfekte Aussicht auf den Shirakami Sanchi, den größten verbliebenen Buchenurwald Ostasiens, der zum Unesco-Welterbe gehört.

Die Waldlandschaft des Shirakami Sanchi ist aus dem Shirakami Resort Zug heraus besonders gut zu sehen.

Von der Start- bis zur Endhaltestelle dauert die Fahrt mit dem Sightseeing-Zug fünf Stunden. Dabei wird die Bahn teilweise langsamer, wenn sie an einem besonders bemerkenswerten Stück Landschaft vorbeifährt, sodass du reichlich Gelegenheit für tolle Fotos hast. In der Winter- und der Sommersaison, wenn die Aussicht am schönsten ist, verkehrt der Shirakami-Resort-Zug dreimal täglich, im Frühling und Herbst ist er einmal am Tag unterwegs.

Der Sagano Romantic Train

Durch die malerische Landschaft zwischen Saga-Arashiyama und Kameoka im Westen von Kyoto schlängelt sich der Sagano Romantic Train. Unterwegs fährt der Zug auch entlang der Schlucht des Hozugawa-Flusses. 

Im Frühling ziehen Kirschblüten an den Fenstern des Sagano Romantic Train vorbei.

Auf einer gemütlichen 25-minütigen Fahrt mit der nachgerüsteten Dampflok kannst du aus dem Fenster zu jeder Jahreszeit fantastische Ausblicke genießen. Im Frühling ziehen Kirschblüten vorbei, im Sommer saftige grüne Wälder und Berge, im Herbst schmückt buntes Laub die Landschaft und im Winter verwandelt der Schnee die Region in ein Winterwunderland.

Der Tsugaru Tetsudo Stove Train

Mit dem Stove Train kutschiert die Tsugaru-Eisenbahn, Japans nördlichste Privatbahn, Reisende im Winter durch das verschneite Tsugaru-Tal. Die Personenwagen werden mit Kohleöfen beheizt, denen der Touristen-Zug seinen Namen Stove Train (deutsch: Ofenzug) verdankt.

Im Stove Train können die Passagiere sich an den Kohleöfen aufwärmen.

Jedes der Abteile, die im nostalgischen Design der Showa-Ära gestaltet sind, ist mit einem Ofen ausgestattet. Der dient aber nicht nur zum Aufwärmen. Dort kann außerdem der getrocknete Tintenfisch gekocht werden, der an Bord verkauft wird. Von Dezember bis März verkehrt der Stove Train auf der etwa 20 Kilometer langen Strecke zwischen der Tsugaru-Goshogawara-Station und der Tsugaru-Nakasato-Station. Im Sommer und im Herbst fahren stattdessen andere Bahnen wie der Windspielzug.

Der Iida-Line-Unexplored-Stations-Zug

Entlang des Flusses Tenryu im südlichen Teil der japanischen Alpen fährt der Iida-Line-Unexplored-Stations-Zug. Wie der Name bereits andeutet, verläuft die Linie entlang mehrerer vollkommen abgelegener Bahnhöfe, sogenannte „Hikyō Eki“, die sonst wenig oder gar nicht angefahren werden. Damit fühlt sich die Fahrt mit dem Touristenzug wie eine Reise in die Vergangenheit an.

Die Iida-Line verläuft entlang des Flusses Tenryu auf der japanischen Hauptinsel Honshū.

Fans von Lost Places haben unterwegs die Möglichkeit, spektakuläre Fotos der verlassenen Bahnhöfe zu machen. An einigen Stationen werden außerdem lokale Produkte von Einheimischen verkauft. Aber nicht nur die Bahnhöfe machen die Strecke sehenswert, sondern auch die malerische Landschaft entlang des Tenryu, die vor den Fenstern vorbeizieht. Vom Startbahnhof Toyohashi zum Zielbahnhof Tatsuno dauert die Fahrt mit dem Nahverkehrszug rund sechs Stunden.

Der Royal Express

Sightseeing und Luxus der Extraklasse kombiniert der Touristenzug The Royal Express, der entlang der Küste von Izu zwischen Yokohama und Izukyu-Shimoda verkehrt. 

Der Royal Express ist ein besonders luxuriöser Sightseeing-Zug in Japan.

Die glamourösen Innenräume der Wagen wurden von dem bekannten Industriedesigner Eiji Mitooka entworfen und sind mit Holz und Japanpapier geschmückt. Der Zug verfügt unter anderem über mehrere luxuriös gestaltete Speisewagen, eine Bibliothek, einen Kinderspielplatz und einen Mehrzweckwagen, in dem auch geheiratet werden kann. Durch große Panoramafenster kannst du auf der dreistündigen Fahrt die Aussicht auf die pazifische Küste genießen.